Nach einer mehr als zweiwöchigen Verfolgungsjagd hat das US-Militär einen unter russischer Flagge fahrenden leeren Öltanker vor der Küste Islands beschlagnahmt. Das Schiff mit Bezug zu Venezuela sei von einem russischen U-Boot und weiteren Kriegsschiffen beschattet worden, teilten zwei US-Regierungsvertreter mit. Der Zugriff im Nordatlantik sei wegen „Verstößen gegen Sanktionen der USA“ auf Anordnung eines Bundesgerichts erfolgt, gab das Europa-Kommando der US-Streitkräfte (EUCOM) im Onlinedienst X bekannt.
Der Einsatz war demnach mit dem Justizministerium der USA und dem für die Küstenwache zuständigen Heimatschutzministerium abgestimmt. Es handelt sich um den Frachter „Bella 1“.
Großbritannien an Aktion beteiligt
Das britische Verteidigungsministerium bestätigte, die USA bei der Militäroperation gegen die „Bella1“ unterstützt zu haben. Es war zunächst unklar, wohin das Schiff nun gebracht wird. Dem Vernehmen nach dürfte es jedoch in britische Hoheitsgewässer einlaufen.
Kurs, Name und Registrierung geändert
Zuvor hatte die Besatzung des Öltankers laut US-Angaben auf dem Weg nach Venezuela den Kurs geändert, um einer Durchsuchung des Schiffes zu entgehen. Zu diesem Zweck soll das Schiff auch in „Marinera“ umbenannt worden sein. Ferner wurde die Registrierung geändert. Die Besatzung malte die russische Flagge auf den Rumpf des Schiffes.
US-Behörden zufolge gehört der Öltanker mutmaßlich zur sogenannten Schattenflotte, die unter Verstoß gegen US-Sanktionen Öl für Länder wie Venezuela, Russland und den Iran transportiert. Das Schiff steht seit 2024 wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Iran und zur libanesischen Hisbollah-Miliz unter US-Sanktionen.
Deutlicher Protest aus Moskau
Russlands Regierung kritisierte die Festsetzung des Öltankers im Nordatlantik durch die US-Armee. „Kein Staat hat das Recht, Gewalt gegen Schiffe anzuwenden, die ordnungsgemäß unter der Gerichtsbarkeit anderer Staaten registriert sind“, erklärte das russische Verkehrsministerium in Moskau. Das vormals „Bella 1“ genannte Schiff habe am 24. Dezember eine einstweilige Genehmigung erhalten, unter dem Namen „Marinera“ unter russischer Flagge zu fahren.
USA beschlagnahmen weiteren Tanker in der Karibik
Kurz nach der Aktion im Atlantik brachte das US-Militär in der Karibik einen weiteren sanktionierten Öltanker unter seine Kontrolle. Die US-Küstenwache habe das offiziell staatenlose Frachtschiff „M Sophia“, das voll beladen war, „zur endgültigen Klärung des Falls“ in die USA eskortiert, teilte das für die Region zuständige Südkommando des US-Militärs (SOUTHCOM) mit. Dem Schiff werden „illegale Aktivitäten“ in der Karibik vorgeworfen.
Der Supertanker hatte die Gewässer Venezuelas Anfang Januar als Teil einer Flotte verlassen, die Öl – wie es hieß – im „Dunkelmodus“ oder mit ausgeschaltetem Transponder nach China transportieren sollte.
Die USA hatten im Dezember, noch vor der Gefangennahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro, eine Blockade gegen sanktionierte Öltanker verhängt, die Venezuela ansteuern oder verlassen. In dem Monat beschlagnahmte das US-Militär bereits zwei Tanker.
se/sth (dpa, ap, afp, rtr)
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