
AUDIO: NDR Wetterexperte Sebastian Wache warnt vor kräftigem Neuschnee (1 Min)
Stand: 07.01.2026 17:01 Uhr
Ein markantes Wettertief steuert auf Deutschland zu. NDR Meteorologe Sebastian Wache warnt vor „Elli“, blizzard-ähnlichen Verhältnissen und massiven Verkehrsproblemen am Freitagmorgen.
Das Winterwetter hat Schleswig-Holstein weiter im Griff. Am Ende der Woche soll sich die Lage erneut verschärfen, erklärt NDR Wetterexperte Sebastian Wache. Denn am Freitag wird das Schneesturmtief „Elli“ Schleswig-Holstein erreichen und starken anhaltenden Schneefall mit sich bringen, prognostiziert der Meteorologe.
Am Dienstag schätzte Wache, das Tief erreiche bereits in der Nacht zu Freitag Schleswig-Holstein. Nach aktuellem Stand vom Mittwoch (7.1.) ist jedoch erst am Freitagmorgen gegen 7 Uhr mit ersten Schneefällen im Süden des Landes an der Elbe (Pinneberg, Steinburg, Dithmarschen) zu rechnen. Im Laufe des Tages wird das Tief laut Wache allerdings durch zum Teil stürmischen Ost-Wind mit bis zu 100 Stundenkilometern eingebremst.
Video:
„Blizzard-ähnliche Verhältnisse“: Das kommt am Freitag auf SH zu (2 Min)
Bis zu 20 Zentimeter Neuschnee und blizzard-ähnliche Verhältnisse am Freitag
„Ich gehe davon aus, dass wir blizzard-ähnliche Verhältnisse haben werden, also wirklich kräftiger Flockenwirbel auch mit starken Sichteinschränkungen“, erklärt der Meteorologe. Der Schneefall dürfte sich aktuellen Prognosen zufolge vor allem auf eine Linie von Eiderstedt (Kreis Nordfriesland) über Neumünster bis nach Lübeck konzentrieren, schätzt Wache am Mittwochnachmittag.
Südwestlich dieser Front sei – wenn das Tief zum Erliegen kommt – mit anhaltendem Schnee zu rechnen. Laut Wach sind – Stand 7.1. – vereinzelt bis zu 20 Zentimeter Neuschnee möglich. Zuvor hatte der Experte bis zu 30 Zentimeter Neuschnee prognostiziert.

Ab morgen Abend zieht neuer Schneefall über den Norden, dazu wird es stürmisch – und eisig kalt. Aktuell ist im Landkreis Wittmund der Busverkehr eingestellt.
Schneeverwehungen möglich
Erst im Lauf des Freitagabends und am Sonnabend rechnet Sebastian Wache von der „WetterWelt“ damit, dass das Wettertief weiter in Richtung Südosten abzieht. Aufgrund der Kombination aus viel Wind und starkem Schneefall warnt Wache vor Schneeverwehungen – vor allem im Kreis Nordfriesland. Lokal könne immer wieder unterschiedlich viel Schnee liegen. Wache rechnet damit, dass der Schwerpunkt des Tiefdruckgebiets in den Kreisen Steinburg, Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg liegen wird. „Je weiter wir nach Norden und Osten schauen, desto trockener bleibt es dort auch. Also da wird wohl kein neuer Schnee hinzukommen“, so Wache am Mittwochnachmittag.
Nahverkehr: Freitag auf Fahrten mit ÖPNV verzichten
Der Nahverkehr in Schleswig-Holstein rechnet damit, am Freitag teilweise den Betrieb einstellen zu müssen – ohne Ersatzverkehr. Eisenbahnverkehrs- und Infrastrukturunternehmen hätten Fahrpläne angepasst und konzentrierten sich auf die Sicherung des Betriebs, heißt es von NAH.SH. Deshalb rät der Nahverkehrsverbund, wenn möglich ab Freitagfrüh auf Fahrten mit dem ÖPNV zu verzichten. NAH.SH-Geschäftsführer Dr. Arne Beck kündigte an, dass es trotz intensiver Vorbereitungen zu Ausfällen kommen könne. Die Lage könne sich jedoch kurzfristig ändern und glimpflicher ablaufen.
Pegelstände an der Schlei und bei Flensburg könnten steigen
In Richtung der Flensburger Förde ist zum Ende der Woche außerdem mit starkem Wind und sogar Sturmböen aus östlicher Richtung zu rechnen, erklärt Wache. An der Schlei (Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Flensburg) und in der Flensburger Förde können daher die Pegelstände steigen. In der Nacht zu Sonnabend ist dort Hochwasser möglich.
Aktuell (7.1.) spricht Sebastian Wache von bis zu 1,30 Meter über dem mittleren Wasserstand. Bei Pegelständen von über 1,50 Meter über dem mittleren Wasserstand spricht man von einer Sturmflut. Eine solche könnte es möglicherweise im Raum Flensburg geben.
Auch Schifffahrt könnte betroffen sein
Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee warnt bereits jetzt Schiffs- und Bootsführer vor möglicher Eisbildung entlang der deutschen Ostseeküste. Von Flensburg bis zur deutsch-polnischen Grenze müsse unter anderem auf geschützten Gewässern, aber auch anderswo damit gerechnet werden.
Einschränkungen im Straßenverkehr

Einige Straßen, vor allem in ländlichen Gebieten, sind noch nicht geräumt.
In den Gebieten, in denen bereits jetzt viel Schnee liegt, wird der Neuschnee zusätzliche Gefahren mit sich bringen, erklärt Sebastian Wache. Vor allem in ländlichen Gebieten im Kreis Nordfriesland seien noch immer zahlreiche Straßen nicht vollständig geräumt. Kommt dann noch der Neuschnee am Freitag hinzu, müssen sich Verkehrsteilnehmer auf massive Einschränkungen einstellen.
Meteorologe: Auf dem Land Vorräte zuhause haben
Gerade auf dem Land rät der Meteorologe deshalb dazu, Vorräte für zwei bis drei Tage zuhause zu haben: „Es kann gut sein, dass die Menschen dort erstmal nicht von ihrem Hof kommen.“ Gleichzeitig ruft er dazu auf, Nachbarn und ältere Menschen zu unterstützen und zu entlasten. Eine vergleichbare Situation in Schleswig-Holstein habe es lange nicht mehr gegeben, so Wache weiter.

Meterhohe Schneeverwehungen haben zum Jahreswechsel 1978/79 Landstraßen und Zufahrten begraben. Nur mühsam kamen die Räumfahrzeuge voran, wie etwa zwischen Eckernförde und Kappeln.
Der Meteorologe zieht in seiner Prognose Parallelen zur Schneekatastrophe zum Jahreswechsel 1978/79. Am Freitag könne man mit ähnlichen Wetterkarten wie damals rechnen. Am Sonnabend soll jedoch ein Hoch nach Schleswig-Holstein kommen. So langanhaltend wie während der Katastrophe 1978/79 soll es daher nicht werden. Damals habe es über einen längeren Zeitraum kühle Luftmassen und viel Ostwind gegeben. Das soll laut Wache am Wochenende anders werden, sodass spätestens am Sonnabend das Gröbste vorbei sein wird.

Wegen Schnee und Glätte fragen sich einige Eltern, ob die Schule ganz normal stattfinden kann – die Schulbehörde ist vorbereitet.

In Schleswig-Holstein sind in den vergangenen Tagen mehrere Zentimeter Schnee runtergekommen. Das freut Kinder und sorgt Auto-und Bahnfahrer.

Bei Schnee und Eis müssen Anlieger tagsüber die Gehwege vor ihrem Grundstück räumen. Die wichtigsten Regeln im Überblick.

Winter extrem: Ein plötzlicher Temperaturabfall stürzt den Norden ab Ende Dezember 1978 ins Chaos. Im Februar 1979 schneit es erneut.