Zwei Männer stehen auf dem Eis des Rothsees in Zusmarshausen dicht nebeneinander und brechen gleichzeitig ein. Es knackt, die Eisschicht gibt nach und die Männer stehen bis zu den Oberschenkeln im Wasser. Zum Glück wissen die beiden Männer von der Zusmarshausener Wasserwacht allerdings, was sie tun: Sie tragen professionelle Anzüge und Schuhe. Zu sehen sind sie in einem aktuellen Video der Wasserwacht. Damit möchten die Experten auf die Gefahren aufmerksam machen. Doch es gibt auch Flächen, die gefahrlos betreten werden können.

Der Meteorologe Jürgen Schmidt vom Wettervorhersage-Dienst „WetterKontor“ warnt: „Man weiß nicht, wie dick das Eis wirklich ist, es braucht Dauerfrost über längere Zeit, damit es dick genug ist.“ Nur vom Blick her sei nicht abzuschätzen, ob die Eisfläche trägt oder nicht. Alleine auf Eisflächen zu gehen, die man selbst auch nicht kennt, sei deshalb problematisch. „Wie dick das Eis ist, kann ein Laie kaum abschätzen“, sagt Schmidt. Wie lange Minustemperaturen herrschen müssen, hängt von der Tiefe des Gewässers ab. So habe es, sagt Schmidt, auf der Binnenalster in Hamburg in den Wintern 2010 und 2012 14 Tage Dauerfrost gebraucht, um das Eis tragfähig zu machen.

Zehn Zentimeter dicke Eisschicht auf der Wertach in Schwabmünchen

In dem Video auf dem Rothsee hatte die Zusmarshauser Wasserwacht auch festgestellt, dass das Eis drei Zentimeter dick ist. Das dürfte sich fünf Tage später mit frostigen Temperaturen geändert haben, denn am Dreikönigstag hatte die Wasserwacht Teile des Sees freigegeben und beaufsichtigt, während Familien dort gespielt hatten. Unter wolkenbehangenem Himmel ist einen Tag später ungefähr ein halbes Dutzend Menschen auf der Eisfläche auf dem Rothsee, einige fahren Schlittschuh, ein Pärchen geht beim Spaziergang kurz über die Eisfläche. Weiter vorn wurde eine quadratische Fläche vom Schnee befreit und eignet sich besonders zum Eisskaten.

Der Reiz, auf das Eis zu gehen, wird wohl vorerst nicht schwinden: Am Freitag sollen die Temperaturen zwar auf bis zu sieben Grad steigen, doch das Eis wird nicht schlagartig abtauen, sagt Meteorologe Schmidt, zumal es anschließend wieder kälter wird. „Am Samstag sind wieder Minusgerade und in der Nacht von Sonntag auf Montag wohl minus neun Grad. Die Eisdecke wird ab Sonntag wohl wieder dichter“, sagt Schmidt.

Wie unsicher auch dickere Eisschichten sind, zeigt ein Testversuch mehrerer Wasserwachten aus dem Raum Augsburg beim traditionellen Dreikönigsschwimmen auf der Wertach in Schwabmünchen. Dieses Mal gingen die Wasserwachten lediglich in einem ausgesägten Eisloch baden. Dafür musste eine Kettensäge zum Einsatz kommen. Die Eisschicht war laut Michael Ringel von der Wasserwacht Schwabmünchen mindestens zehn Zentimeter dick.

Für den Notfall hatten die Experten eine Sicherungsleine über die Wertach gespannt. In einer Übung testeten die Wasserwachtler, wie viel die Eisdecke aushält. Zu siebt verteilten sie sich entlang der Leine und sprangen auf und ab. Zuerst brach das Eis an einer Stelle, wenige Sprünge später brach es weiter auf. „Das zeigt auch, dass es gefährlich ist, Eisflächen ohne Freigabe zu betreten“, sagte Daniel Wiedemann, Leiter der Schwabmünchner Wasserwacht.

Landkreis Augsburg: Eislaufen geht auch ohne Einbruchgefahr

Unfälle durch Eis und Glätte treten bisher allerdings nicht in hohem Ausmaß im Landkreis auf. Das bestätigt eine Nachfrage bei den Wertachkliniken. Es komme zwar in den Wintermonaten hin und wieder vor, dass Menschen infolge von Glätte und Eis stürzten. Der Betrieb in den Notaufnahmen läuft derzeit aber ohne Beeinträchtigungen. Zu den typischen Verletzungen zählen Prellungen, Verstauchungen oder Knochenbrüche. „Derzeit bewegen sich diese Fälle bei uns im Rahmen der üblichen Erfahrungswerte und liegen nicht über dem zu erwartenden Niveau“, berichtet eine Sprecherin der Kliniken.

Die Wertachkliniken raten den Menschen aus dem Landkreis in den kommenden Tagen zu besonderer Vorsicht. „Dazu gehört, bei Glätte rutschfestes Schuhwerk zu tragen, Wege umsichtig und ohne Eile zu begehen und riskante Situationen – insbesondere auf vereisten Flächen – zu vermeiden“, sagt die Sprecherin. Gefrorene Flächen sollten nicht betreten werden, solange sie nicht ausdrücklich freigegeben sind. Im Zweifelsfall gelte: Vorsicht ist der beste Schutz vor Verletzungen.

Um ohne größere Gefahr auf Eisflächen zu gehen, gab es mancherorts besondere Maßnahmen. In Nordendorf wurde eine Eislauffläche aufgeschüttet. Das nutzen vor allem Kinder zum Eissport. In Oberottmarshausen dagegen ist das Schlittschuhlaufen auf einer Kunststofffläche möglich. (mit krup)

  • Piet Bosse

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  • 86441 Zusmarshausen

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  • Jürgen Schmidt

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