Die USA haben nach offiziellen Angaben einen unter russischer Flagge fahrenden
Öltanker im Nordatlantik nahe Island beschlagnahmt. Das bestätigte das europäische Kommando der US-Streitkräfte auf der Plattform X. Das Militär begründete die Aktion mit Verstößen gegen US-Sanktionen. „Das Schiff wurde im Nordatlantik gemäß einem von einem US-Bundesgericht ausgestellten Vollzugsbefehl beschlagnahmt“, heißt es in der Mitteilung. Das US-Kriegsschiff USCGC Munro habe den Tanker verfolgt.
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Auf ZEIT-Anfrage verwies die Presseabteilung der US-Regierung ebenfalls auf den X-Post. Der russische
Staatssender RT berichtete, dass US-Soldaten offenbar versuchten, von einem Hubschrauber aus an Bord des Tankers Marinera zu gelangen, und veröffentlichte dazu ein
entsprechendes Bild. Es war zunächst nicht unabhängig zu überprüfen, ob die Bilder echt sind. Die Nachrichtenagentur AP meldete ebenfalls, dass Soldaten des US-Militärs an Bord des Schiffes gegangen seien.
Großbritannien unterstützte den Einsatz
Der britische Verteidigungsminister John Healey teilte mit, dass Großbritannien über den US-Einsatz vorab informiert war und ihn unterstützt habe. Die USA hätten danach gefragt. Demnach habe ein Militärschiff der US-Armee bei der Verfolgung des Tankers geholfen und die Royal Air Force habe aus der Luft Überwachungsunterstützung geleistet. Healey sagte, die Operation habe sich gegen ein Schiff gerichtet, das mit russischen und iranischen Netzwerken zur Umgehung von Sanktionen in Verbindung stehe. „Diese Aktion war Teil der weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung von Sanktionsverstößen“, erklärte er in einer Stellungnahme. Nach Recherchen der BBC erfolgte der Zugriff auf das Schiff am Nachmittag etwa 200 Kilometer südlich von Island.
© Lea Dohle
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Der Tanker hieß zuvor Bella 1, änderte dann aber offenbar seinen Namen. Er soll seit 2024 von den USA wegen seiner Tätigkeit innerhalb einer „Schattenflotte“ von Tankern, die illegales Öl transportierten, mit Sanktionen belegt worden sein, berichtet CNN. Zur sogenannten Schattenflotte werden Tankerboote gezählt, die unter Verstoß gegen Sanktionen Öl für Länder wie
Venezuela, Russland und den Iran transportieren.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth reagierte auf X auf den Post des europäischen Kommandos der US-Streitkräfte: „Die Blockade von sanktioniertem und illegalem venezolanischem Öl bleibt weltweit in vollem Umfang in Kraft“, sagte Hegseth.
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Er fügte hinzu, dass die USA die Blockade gegen alle Schiffe der „Schattenflotte“ fortsetzten, „die illegal venezolanisches Öl transportieren, um illegale Aktivitäten zu finanzieren und damit das venezolanische Volk zu bestehlen“. Nur „legitimer und rechtmäßiger Energiehandel“, wie von den USA festgelegt, werde zugelassen.
Tanker durchbrach vorher Venezuela-Blockade
Der nun im Atlantik beschlagnahmte Tanker sei zuvor einer Teilblockade rund um Venezuela entkommen, berichteten die US-Sender Fox News und CNN. US-Einheiten der Küstenwache und des Militärs verfolgten das Schiff demnach über mehrere Wochen. CNN zufolge malte die Besatzung des Tankers in dieser Zeit eine russische
Flagge auf den Rumpf und behauptete, unter russischem Schutz zu fahren. Laut der New York Times hisste die Crew eine russische Flagge.
Kurz darauf erschien das Schiff demnach unter einem neuen Namen – Marinera – im
offiziellen russischen Schiffsregister. Russland reichte letzten Monat
eine formelle diplomatische Anfrage ein, in der es die USA aufforderte,
die Verfolgung des Schiffes einzustellen. Laut der New York Times könnte das Schiff auf dem Weg nach Murmansk gewesen sein, einem eisfreien russischen Hafen in der Arktis.
Russland wirft den USA Verstoß gegen Seerecht vor
Durch den Bezug zu Russland ist die Situation besonders brisant. In der Nähe des Einsatzortes haben sich laut Insidern zumindest temporär ein russisches
U-Boot und ein Kriegsschiff befunden, das sagten zwei US-Vertreter. Nach US-Medienberichten sollen sie aber nicht während des Zugriffs in der Nähe gewesen sein.
Russland erklärte, dass die Beschlagnahmung einen Verstoß gegen das Seerecht darstelle. „Gemäß dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen von 1982 gilt auf hoher See die Freiheit der Schifffahrt, und kein Staat hat das Recht, Gewalt gegen Schiffe anzuwenden, die ordnungsgemäß in der Gerichtsbarkeit anderer Staaten registriert sind“, erklärte das Ministerium in einer Stellungnahme. Es hieß, der Kontakt zu dem Schiff sei abgebrochen, nachdem US-Seestreitkräfte an Bord gegangen waren.
Das russische Außenministerium forderte die USA auf, eine „humane und angemessene Behandlung der russischen Staatsbürger an Bord der Marinera“ zu gewährleisten und ihre Rechte und Interessen zu wahren. Die USA dürften ihre „schnellstmögliche Rückkehr nach Russland nicht behindern“.
Weiterer Tanker in der Karibik beschlagnahmt
Die Marinera ist nicht der einzige Tanker, den US-Einheiten an diesem Mittwoch beschlagnahmten. Ein weiteres Schiff wurde in karibischen Gewässern festgesetzt. Die M/T Sophia, die in der Karibik beschlagnahmt wurde, unterliege
ebenfalls US-Sanktionen, gehöre zur Schattenflotte und habe „illegale
Aktivitäten“ in der Region vorgenommen, teilte das für die Region
zuständige US-Militärkommando Southern Command auf X mit.
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Ein Video in dem Post soll den Einsatz zeigen. Auch das lässt sich allerdings nicht unabhängig überprüfen.