US Präsident Donald Trump, 4. Januar 2026.US Präsident Donald Trump, 4. Januar 2026.AFP

Wie sieht Amerikas Plan für Venezuela aus? Drei Tage, nachdem Nicolás Maduro von amerikanischen Spezialeinheiten aus Caracas verschleppt wurde, tut sich die Trump-Regierung schwer, eine klare Antwort zu geben.

Wenn es bei dem Überfall darum ging, den Drogenschmuggel zu unterbinden, wie lässt sich dann Trumps Begnadigung von Juan Orlando Hernández im vergangenen Monat erklären, dem ehemaligen Präsidenten von Honduras, der in Amerika wegen Drogenhandels inhaftiert war?

Wenn es um einen Regimewechsel ging, warum lässt man dann das venezolanische Regime bestehen – Madurismo ohne Maduro? Und wenn es um die Wiederherstellung der Demokratie in Venezuela ging, warum hat Trump die Oppositionsführerin Maria Corina Machado dann als «eine sehr nette Frau, die aber innerhalb des Landes keinen Respekt geniesst» abgetan?

Die beste Antwort scheint eine Kombination aus Ölhunger, Streben nach regionaler Vorherrschaft und der Vorliebe dafür zu sein, mit der grossen Keule zu drohen und aggressiv statt sanft zu sprechen, wie Teddy Roosevelt einst riet.

Trump-Doktrin: «Verhalten wie Supermacht»

Bei einem Gespräch mit Reportern an Bord der Air Force One einen Tag nach dem Überfall auf Caracas, drohte Trump mit militärischen Massnahmen gegen Kolumbien, Kuba, Iran, Mexiko, Venezuela (erneut) und Grönland. Stephen Miller, Trumps stellvertretender Stabschef, fasste die neue «Trump-Doktrin» in einem Interview mit CNN wie folgt zusammen:

«Absurd, dass eine Nation in unserer eigenen Nachbarschaft zum Lieferanten von Ressourcen für unsere Gegner wird, aber nicht für uns.»

Stephen Miller, stellvertretender Stabschef

«Die Vereinigten Staaten setzen ihr Militär ein, um unsere Interessen in unserer Hemisphäre ohne Umschweife zu sichern. Wir sind eine Supermacht, und unter Präsident Trump werden wir uns auch wie eine Supermacht verhalten. Es ist absurd, dass wir zulassen, dass eine Nation in unserer eigenen Nachbarschaft zum Lieferanten von Ressourcen für unsere Gegner wird, aber nicht für uns.»

Eine Art Plan und Verwirrung

Das klingt nach einem Art Plan. Am 5. Januar informierten Regierungsbeamte führende Mitglieder des Kongresses hinter verschlossenen Türen mehr als zwei Stunden lang.

Die Demokraten beklagten, dass die Regierung immer noch keinen Plan für die Führung Venezuelas habe. Die Republikaner sagten, es gebe einen Plan, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen.

Die Verwirrung wird noch dadurch verstärkt, dass Trump und Rubio unterschiedliche Töne anschlagen.

Wer ist für Venezuela zuständig?

Wandbild mit der Aufschrift «Venezuela will Frieden», Caracas, 7. Januar 2026.Wandbild mit der Aufschrift «Venezuela will Frieden», Caracas, 7. Januar 2026.AFP

Beginnen wir mit der grundlegenden Frage, wer für Venezuela zuständig ist. Ist es Delcy Rodríguez, die Vizepräsidentin von Herrn Maduro, die als Interimspräsidentin vereidigt wurde?

Oder ein Ausschuss hochrangiger US-Beamter unter der Leitung von Marco Rubio, dem Aussenminister und nationalen Sicherheitsberater? Oder ist es, wie Herr Trump in einem Interview mit NBC sagte, «ich»?

Keine US-Bodentruppen

Der Präsident überraschte viele am 3. Januar mit der Behauptung, dass Amerika Venezuela regieren und notfalls «Bodentruppen» entsenden würde. Am nächsten Tag ruderte Rubio etwas zurück und erklärte, dass Amerika das Land nicht direkt verwalten würde, sondern stattdessen aus der Ferne seine «Richtung» vorgeben würde, indem es durch die Kontrolle der Ölexporte des Landes «Einfluss» ausübe.

«Wir werden alles regieren.»

US-Präsident Donald Trump

Doch dann konterte Trump: «Wir werden alles regieren.» Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, hat seitdem Reportern gesagt, sie sollten keine Truppen vor Ort erwarten.

Gleichgültigkeit gegenüber Opposition

Es ist auch nicht klar, ob und wann die Demokratie in Venezuela wiederhergestellt werden könnte. Rubio argumentiert seit langem, dass Maduro «illegitim» sei, weil er die Präsidentschaftswahlen 2024 gestohlen habe, indem er Machado an der Kandidatur hinderte und dann das Ergebnis fälschte, um ihrem designierten Kandidaten Edmundo González den Sieg zu verweigern.

Auf die Frage, ob er auf Neuwahlen und die Freilassung politischer Gefangener dränge, antwortete Trump jedoch: «Im Moment wollen wir uns um das Öl kümmern.» Trumps Gleichgültigkeit gegenüber der venezolanischen Opposition ist für viele seiner Anhänger unverständlich.

Trumps Misstrauen gegenüber Machado

Maria Corina Machado, 9. Januar 2025.Maria Corina Machado, 9. Januar 2025.AFP

Auf einer Pressekonferenz republikanischer Kongressabgeordneter in Florida, wo viele venezolanische Exilanten leben und die politische Zentrale von Trumps Regierung angesiedelt ist, lobten die Redner Trump dafür, dass er einen «Neuanfang» in der Region geschaffen habe.

Auf die Frage, warum sie Frau Machado nicht unterstützen würden, reagierten sie jedoch empört. «Legen Sie mir keine Worte in den Mund!», rief einer von ihnen, Mario Díaz-Balart. «Ich bin überzeugt, dass María Corina Machado die nächste demokratisch gewählte Präsidentin Venezuelas sein wird.»

Trumps Misstrauen gegenüber Machado könnte auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurückzuführen sein: die Angst vor Chaos, wie es im Irak nach der Auflösung der Armee und der regierenden Baath-Partei durch die USA entstanden ist; das Versagen des früheren Oppositionsführers Juan Guaidó, Trumps Unterstützung in seiner ersten Amtszeit zu nutzen; und der Groll darüber, dass Machado und nicht Trump im vergangenen Jahr den Friedensnobelpreis erhalten hat.

Hoffen auf Rubio

Einem Bericht der CIA zufolge sollen Frau Rodriguez oder andere Persönlichkeiten des Regimes am besten geeignet sein, die Übergangsregierung zu führen. Was auch immer der Grund sein mag, «es ist ein sehr grosser Fehler», sagt Elliott Abrams, Trumps ehemaliger Gesandter in Venezuela, der argumentiert, dass Stabilität und Investitionen im Ölsektor nur durch einen Übergang zur Demokratie gewährleistet werden können.

Für die konventionellen hawkischen Republikaner besteht nun die Hoffnung, dass Rubio, ein weiterer Sohn Floridas, Trump umstimmen kann. Schliesslich schrieb er letztes Jahr ein Porträt, in dem er Machado als die «eiserne Lady Venezuelas» bezeichnete.

Ein «bad hombre» gefasst

Nicolas Maduro und seine Frau Cilia Flores bei der Anklageverlesung am 5. Januar 2026 in New York.Nicolas Maduro und seine Frau Cilia Flores bei der Anklageverlesung am 5. Januar 2026 in New York.AFP

Derzeit sind die Republikaner grösstenteils damit zufrieden, sich in ihrer Bewunderung für die Tapferkeit derjenigen zu vereinen, die den Überfall durchgeführt und dabei mindestens 32 Kubaner (vermutlich Leibwächter) getötet haben, ohne dass es amerikanische Verluste gab.

Sie freuten sich darüber, dass ein «bad hombre» gefasst und am 5. Januar vor einem amerikanischen Gericht angeklagt worden war. Was die Zukunft angeht, waren sie bereit, Herrn Trump zu vertrauen.

Nervosität unter den Republikanern

Dennoch ist die Nervosität in den Reihen der Republikaner offensichtlich. Nachdem sie im Wahlkampf die Kriege der Neokonservativen im Irak und in Afghanistan abgelehnt hatten, müssen sie nun den neoimperialistischen Militarismus von Trump in der westlichen Hemisphäre verteidigen.

«MAGA liebt, was ich tue. MAGA liebt alles, was ich tue.»

US-Präsident Donald Trump

Die Demokraten stimmen mit den MAGA-Anhängern hinsichtlich der Gefahr «ewiger Kriege» überein. Trump glaubt dennoch, dass seine Basis sicher ist. «MAGA liebt, was ich tue. MAGA liebt alles, was ich tue.»

Unentschlossene Öffentlichkeit

Doch Trump ist eingeschränkter, als dies vermuten lässt. Die öffentliche Meinung ist unentschlossen. Je nach Umfrage sprechen sich etwa gleich viele Befragte – zwischen 30 Prozent und 40 Prozent – für oder gegen einen Angriff auf Caracas aus, wobei die Meinungen überwiegend entlang der Parteigrenzen verlaufen.

Eine grosse Mehrheit befürchtet laut einer Umfrage von Reuters/IPSOS, dass Amerika zu tief in den Konflikt hineingezogen werden könnte. Das deutet darauf hin, dass die Amerikaner Trumps einmaligen Angriff auf Venezuela akzeptieren werden, so wie sie auch seine Bombardierung der iranischen Atomanlagen im Juni akzeptiert haben, aber feindselig reagieren könnten, wenn Venezuela sich als Sumpf herausstellt oder der Einsatz von Bodentruppen erforderlich wird.

Warnung, dass Amerika nicht «alles kontrolliert»

Unterdessen ergab eine separate Umfrage der Washington Post, dass eine grosse Mehrheit sowohl der Republikaner als auch der Demokraten der Meinung war, dass die Venezolaner und nicht die Amerikaner über das Schicksal ihres Landes entscheiden sollten.

Das deutet darauf hin, dass Trumps Besessenheit von Öl gegenüber Demokratie zu einem Nachteil werden könnte. Die neue Welle der Unterdrückung in Venezuela und der Anblick der Botschafter aus China, Russland und dem Iran, die Rodríguez zu ihrer Beförderung gratulierten, sind eine Warnung, dass Amerika nicht «alles kontrolliert».

The Economist

Von Economist.com, übersetzt von 20 Minuten, veröffentlicht unter Lizenz. Der Originalartikel in englischer Sprache ist auf www.economist.com verfügbar.