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Der Banküberfall in der Sparkasse in Buer hat viele Fragen hinterlassen. Verbraucherschützer geben Tipps, die Polizei kritisiert den Schwarzgeld-Aspekt.

Gelsenkirchen – Das Foto mit der durchbohrten Wand in der Sparkasse Gelsenkirchen-Buer hat es in der vergangenen Woche weltweit in die Nachrichtenportale geschafft – das ist nicht einmal dem benachbarten Kultklub FC Schalke 04 in seinen glorreichsten Zeiten geglückt.

29.12.2025, Nordrhein-Westfalen, Gelsenkirchen: Polizeibeamte sprechen mit betroffenen Kunden der Sparkassenfiliale in Buer. Unbekannte Täter sind in Gelsenkirchen in ein Bankgebäude eingebrochen und haben dabei mehrere Wertschließfächer durchsucht. Nach Polizeiangaben gelangten die Täter mithilfe eines großen Bohrers in den Tresorraum. Foto: Christoph Reichwein/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++Polizeibeamte sprechen mit betroffenen Kunden der Sparkassenfiliale in Buer nach dem spektakulären Einbruch dort. © Christoph Reichwein/dpa

Über 3000 Schließfächer in Hollywood-Manier geknackt, eine vermutete Beute im vielleicht dreistelligen Millionenbereich ergattert – die Diebe von Buer haben nicht nur ein ziemlich beeindruckendes kriminelles Husarenstück hingelegt, sondern auch jede Menge Chaos bei dem Bankinstitut, den größtenteils fassungslosen Kunden und der Polizei hinterlassen. Und viele Fragen. Zum Beispiel die, wie sicher so ein Bankschließfach überhaupt ist und welche Versicherung abgeschlossen werden sollten.

Was sollten Kunden beachten?

„Es gibt in den vergangenen Jahren eine steigende Nachfrage nach Bankschließfächern. Die Leute wollen sich aufgrund der Kriminalitätsentwicklung absichern“, sagt Verbraucherschützer Georg Abel, langjähriger Geschäftsführer des Bundesverbandes Die Verbraucher-Initiative in Berlin, im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Kunden packten dort „alles Mögliche rein“, so Abel: „Wertgegenstände, Erinnerungsstücke, Festplatten, Schmuck und eben auch Bargeld.“ Bargeld im Schließfach sei aber nun mal „überhaupt keine gute Idee“, sagt der Verbraucherschützer. Nicht nur, weil es dort keine Zinserträge abwerfe. Sondern auch, weil schwer nachweisbar sei, wie viel Geld sich zu einem bestimmten Zeitpunkt im Schließfach befunden habe.

Ebenfalls nicht ratsam sei es, mehr Werte im Schließfach zu deponieren als letztlich versichert sind. „Da hat man im Zweifel am falschen Ende gespart“, sagt Abel. Wie es derzeit auch in Gelsenkirchen zu beobachten ist, wo der Inhalt vieler Schließfächer offenbar die vereinbarte Versicherungssumme überschritten habe. Oder viele Kunden gerade nicht nachweisen können, welcher Inhalt in ihrem Schließfach war. Deshalb sei es auch wichtig, „von Originalen wie Geburtsurkunden oder Kfz-Briefen Kopien machen. Sinnvoll sind auch regelmäßig aktualisierte Inventarlisten und Fotos des Schließfachinhalts“, so Abel.

Schließfächer: „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht“

Bevor man ein Schließfach mietet, sollte man die Angebote vergleichen. Dabei müsse auch der Versicherungsschutz geklärt werden. Bei der Anmietung eines Schließfachs solle sich der Kunde „schlau machen“, wie die Versicherungskonditionen sind, sagt Abel. Bei einer Unterdeckung sollte die Versicherung angepasst oder im Zweifel ein weiteres Schließfach angemietet werden, um den Inhalt aufzuteilen. Bei manchen Banken sei beispielsweise Bargeld ausgeschlossen.

„Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht“, sagt Abel, den gewährleiste auch nicht der eigene Tresor zu Hause. Doch trotz der Vorfälle in Gelsenkirchen sagt der Verbraucherschützer: „Es ist ein sehr hoher Schutz, den die Bankschließfächer bieten.“ Auch der Bund der Versicherten (BdV) rät davon ab, aufgrund der Geschehnisse in Gelsenkirchen nun sein Schließfach zu räumen und die Wertgegenstände stattdessen zu Hause aufzubewahren. Zumal auch bei Hausratversicherungen gewisse Entschädigungsgrenzen gelten würden.

Georg AbelGeschäftsführer Verbraucher--Initiative e.V.22. November 2023 in  GladbeckBargeld im Schließfach aufzubewahren sei „überhaupt keine gute Idee“, sagt Georg Abel, langjähriger Geschäftsführer des Bundesverbanbdes Die Verbraucher-Initiative e.V. © Greinke, JensWelche Sicherheitsmaßnahmen sind vorgegeben?

„Die Sparkassen in Deutschland sind geschäftspolitisch selbstständig. Auch Entscheidungen zur Sicherheit von Gebäuden und darin enthaltenen Einrichtungen, wie zum Beispiel Schließfächern, werden selbstständig von den Instituten vor Ort getroffen“, sagt Volker Willner, Sprecher vom Sparkassenverband Westfalen-Lippe, auf Anfrage unserer Redaktion. Ein Mitspracherecht bei den Sicherheitsvorkehrungen haben allerdings in der Regel die beteiligten Versicherungen, die die Tresor- und Schließfachräume versichern und in aller Regel Vorgaben machen.

Tresorklau in St. Augustin

Einbrecher haben aus einem Einkaufszentrum in Sankt Augustin einen kompletten Tresor gestohlen, in dem sich Schmuck und Gold befunden haben sollen. Der Gesamtschaden werde derzeit auf einen sechsstelligen Betrag geschätzt, so die Polizei. Sie sucht noch nach den Tätern. Da der Tresor mehrere hundert Kilogramm Gewicht hatte, gehen die Ermittler davon aus, dass die Täter ein Fahrzeug nutzten, um ihn wegzuschaffen.

Was sagen die Ermittlungsbehörden?

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter NRW fordert nach dem spektakulären Raub in Gelsenkirchen, Schließfächer in den Fokus zu nehmen. „Ich finde das aberwitzig, dass wir hier Geldwäschebekämpfung betreiben, in ein Schließfach aber jeder reindonnern darf, was er will“, sagte der NRW-Landesvorsitzende des BDK, Oliver Huth, der Deutschen Presse-Agentur. Mit diesem Modell würde der Organisierten Kriminalität „die Hand gereicht“, so Huth. Tatsächlich wird vermutet, dass angesichts der offenbar sehr hohen Beutesumme viel Schwarzgeld in den Schließfächern in Buer gelagert wurde. Was vielleicht auch der Auslöser für den Überfall auf genau diese Bank gewesen sein könnte. Schließlich ist es nicht gerade logisch, dass sich Profi-Diebe in eine der ärmsten Städte Deutschlands aufmachen, um einen der größten Bankraub-Coups der deutschen Geschichte zu starten.

Polizei warnt vor Trickbetrügern

Nach dem spektakulären Einbruch in Gelsenkirchen hat die Polizei vor Trickbetrügern gewarnt. Seit dem Einbruch komme es im gesamten Stadtgebiet vermehrt zu Betrugsversuchen, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Die Täter gäben sich vor allem am Telefon als Bankmitarbeiter oder Polizisten aus, sprächen den Einbruch an und erkundigten sich nach Wertgegenständen oder Bargeld.