„The Last Ninja” war vor fast 40 Jahren eines der damals beeindruckendsten Spiele für den Commodore 64. Mit „The Last Ninja Collection” ist nun am 19. Dezember 2025 eine Sammlung aller „Last Ninja“-Titel auf den Markt gekommen – mitsamt einiger Zugaben aus der Geschichte von System 3. Wir haben uns Kampfanzug, Ninjaschwert und Shuriken geschnappt und sind zum Testen losgezogen.
„The Last Ninja Collection” ist eine liebevoll kuratierte Zeitkapsel, die eine der herausragendsten Serien der Homecomputer-Ära in einer einzigen Veröffentlichung bündelt. System 3 versammelt hier nicht nur alle „Last Ninja“-Titel für Amiga, C64 und ZX Spectrum, sondern auch verwandte Klassiker wie die „International Karate“-Reihe und macht daraus eine digitale Schatztruhe für Retro-Fans. Das Paket versteht sich weniger als modernes Remake, sondern als historisch möglichst originalgetreue Bewahrung einer Spielreihe, die in der zweiten Hälfte der 80er Maßstäbe für Grafik, Musik und Stil setzte.
Worum geht es in der „The Last Ninja Collection“?
„The Last Ninja” erzählt die Geschichte des einsamen Ninja-Kriegers Armakuni, der nach der Zerstörung seines Clans Rache sucht und sich durch eine feindliche Welt voller Fallen, Gegner und Rätsel kämpfen muss. Im ersten Teil begeben wir uns auf einen Rachefeldzug zum Palast des bösen Shoguns Kunitoki.
In „The Last Ninja 2 – Back with a Vengeance” tauchen wir mysteriöserweise im New York der 80er Jahre auf, um Kunitoki endlich zu besiegen. Doch der hat andere Pläne und verschanzt sich im „Palace of Mysteries” in Tibet, wo wir uns ihm in „The Last Ninja 3” ein letztes Mal stellen müssen. Die Stimmung der Spiele erinnert stark an frühe Ninja-Actionfilme mit Michael Dudikoff oder Jean Claude van Damme.
Wie spielt es sich?
Auf dem Amiga machte Armakuni ebenfalls eine gute Figur, echte Ninjas spielten aber auf dem C64.
| © System 3
Wir bewegen Kunitoki aus einer isometrischen Perspektive durch komplexe Level, in denen Präzision, Orientierungssinn und Timing entscheidend sind. Die Kämpfe gegen Kunitokis Schergen sind aus heutiger Sicht banal. Wir müssen unsere Schläge nur mit Kampfstab, Nunchakus oder dem klassischen Ninjaschwert richtig timen, dann haben die Gegner fast nie eine Chance. Ausweichen oder Abwehrschläge sind praktisch nicht nötig. In brenzligen Situationen kann uns aber ein Salto aus der Gefahrenzone retten.
Das Lösen von kleineren Rätseln erinnert mehr an ein Adventure als an einen klassischen Actiontitel. Diese sind mitunter richtig fies, wenn wir in Level fünf plötzlich feststellen, dass wir einen wichtigen Gegenstand in Level eins vergessen haben. Eine Rückkehr ist nicht möglich, hier hilft nur der Neustart oder ein gut platzierter Spielstand.
Die Steuerung ist aus heutiger Sicht sperrig, funktioniert aber mit etwas Eingewöhnung erstaunlich präzise. Die Spiele laufen dank Emulation technisch stabil, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu glätten.
Was hat uns gefallen?
Die Sammlung beeindruckt durch ihren Umfang und die Sorgfalt, mit der das Material aufbereitet wurde. Die „Last Ninja“-Spiele zeigen auch heute noch, wie weit man die 8-Bit-Hardware in Sachen Grafik, Animation und Sound treiben konnte. Besonders die legendären Soundtracks von Ben Daglish, Matt Gray und Reyn Ouwehand klingen auch heute noch magisch.
„International Karate” und besonders „IK+” sind ebenfalls herausragende Titel, an die Fans heute gerne noch zurückdenken. Der Thai-Fighting-Simulator „Bangkok Knights” ist durch seine großen Sprites auf dem C64 technisch interessant und eine nette Dreingabe, aber im Vergleich zu den zuvor genannten Spielen nicht der Rede wert.
Die Zugaben wie „Bangkok Knights” und die „International Karate”-Serie runden das Paket sinnvoll ab und machen es zu einem kleinen Museum der Geschichte von System 3. Auch die Möglichkeit, Klassiker bequem auf modernen Systemen zu spielen, ohne Emulatoren einrichten zu müssen, ist ein echter Komfortgewinn.
Was hat uns nicht gefallen?
Der legendär schwere Sprung über den Fluss in „The Last Ninja 1“ hat uns schon damals mehr geschmerzt als die Abfuhr von Katja aus der 6b.
| © System 3
Die Spiele verlangen Geduld, Frusttoleranz und die Bereitschaft, sich auf ungewöhnliche Mechaniken einzulassen. Unfaire Stellen wie der berühmt berüchtigte Sprung über einen Fluss in „The Last Ninja 1” lassen uns auch heute noch verzweifeln. Die Sammlung versucht kaum, diese Hürden durch moderne Hilfen abzufedern. Es gibt zwar die Möglichkeit, jederzeit zu speichern, aber Cheats für unendlich Leben oder zuschaltbare Lösungshilfen hätten den Spielen gutgetan.
Der Umfang aller Spiele ist eher gering. Die „Last Ninja“-Trilogie hat ein geübter Spieler in unter drei Stunden gespielt. Durch den hohen Schwierigkeitsgrad sind aber auch zehn Stunden und mehr möglich.
Genauso hätten wir uns mehr Hintergrundwissen in Form von alten Design-Dokumenten oder Interviews mit den Entwicklern gewünscht. Auch Achievements, verbesserte Grafik in HD oder moderne Versionen der ikonischen Musik wären wünschenswert gewesen. Andere Wiederveröffentlichungen wie „X-Out Resurfaced” zeigen, wie das besser funktioniert.
Unser Fazit zu „The Last Ninja Collection”
„The Last Ninja Collection” ist keine gefällige Retro-Spielesammlung. Wer die Serie kennt oder sich für die Geschichte alter Videospiele interessiert, bekommt ein atmosphärisch dichtes Gesamtpaket. Für Spieler, die moderne Bedienbarkeit und klare Führung erwarten, bleibt jeder einzelne Titel jedoch eine Herausforderung, die man bewusst annehmen muss. Als digitales Archiv einer legendären Spielreihe ist die Sammlung dennoch ein kleines Juwel.
„The Last Ninja Collection” ist seit dem 19. Dezember 2025 für PC, Playstation 4 und 5, Xbox Series X|S sowie die Nintendo Switch erhältlich und kostet rund 30 Euro. Das Spiel ist ab 12 Jahren freigegeben.
Transparenzhinweis: Für den Test wurde uns vom Publisher ein kostenloser Review-Code zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf unsere Wertung. Wir haben das Spiel auf dem PC getestet.
INFORMATION
Kaufempfehlung
Ideal für:
Retro-Fans und Nostalgiker: Wer die Commodore-64-Ära erlebt hat oder die Geschichte klassischer Spiele schätzt, findet hier eine liebevoll kuratierte Sammlung mit allen „Last Ninja“-Titeln und Zusatzspielen wie „International Karate“.
Liebhaber historischer Spieldesigns: Wer sehen möchte, wie Isometrie, Timing und Puzzle-Mechaniken auf 8-Bit-Systemen umgesetzt wurden, bekommt hier ein anschauliches Zeitdokument.
Sammler und Archiv-Freunde: Die Sammlung bewahrt die Spiele weitgehend originalgetreu, inklusive Soundtrack, Animationen und Schwierigkeitsgrad – eine digitale Schatztruhe.
Eher nicht geeignet für:
Spieler, die moderne Komfortfunktionen erwarten: Kein HD-Remake, keine Cheats oder Achievements – wer simple Bedienung, klare Tutorials oder Komfortfeatures sucht, wird frustriert.
Gelegenheits- oder Action-Spieler: Der hohe Schwierigkeitsgrad, altmodische Steuerung und gelegentliche Frustmomente wie knifflige Sprünge können abschreckend wirken.
Spieler mit wenig Geduld für Trial-and-Error: Wer schnelle Fortschritte oder moderne Hinweise bevorzugt, sollte Abstand nehmen – hier zählen Geduld und Ausdauer.

