„Eine Heim-Europameisterschaft, rund 4000 Fans, das macht Spaß. Das wollte ich gerne spielen“, erklärt Anton Boeckel sein Comeback. Als die Hallenhockey-Bundestrainer Jan Philipp Rabente und Matthias Witthaus schon im Sommer anfragten, ob er sich vorstellen könne, dabeizusein, musste der 30-Jährige vom Club an der Alster nicht lange nachdenken.
Und so führt er nun an diesem Donnerstag (20.15 Uhr/Magenta TV) die deutsche Hallenhockey-Nationalmannschaft als Kapitän bei der EM in Heidelberg zum ersten Gruppenspiel gegen Irland auf das Feld des SNP Domes.
Erfahrene Hamburger Boeckel und Pöhling als „Anker“ des Teams
Das ist besonders bemerkenswert, weil Boeckel, der als Scout für den dänischen Fußballklub Aalbork BK arbeitet, in der Feldsaison aussetzte und auch noch nicht entschieden hat, ob er im Frühjahr die Rückrunde draußen wieder spielt. Aber Rabente und Witthaus wollten den Hallenspezialisten in einer sehr unerfahrenen Mannschaft ebenso wie Anton Pöhling (30/HTHC) als „Ankerspieler“ unbedingt haben.
Die beiden Hamburger hatten das Team bereits vor einem Jahr zur Hallen-Weltmeisterschaft geführt. „Pöhling trägt nicht nur die HTHC-Mannschaft, und Boeckel hat in der Halle sofort bestätigt, dass er ein Topspieler ist“, sagt Rabente, der hauptamtlich den Uhlenhorster HC trainiert.
Hockey: Leistungsdichte in der Nordgruppe so hoch wie nirgends sonst
Neben den beiden erfahrenen Antons haben er und Witthaus (Hockey-Sportchef beim Großflottbeker THGC) Torwart Jasper Ditzer, Vincent Scholz (beide HTHC), Dieter-Enrique Linnekogel, Nik Kerner (beide Alster) sowie Nicolas Proske und Tom Schmidt-Didlaukies (beide UHC) nominiert. Acht Spieler aus dem zwölfköpfigen Kader kommen also aus Hamburger Klubs.
„Das Niveau in der Nordgruppe der Bundesliga ist in der Breite sehr hoch, die Ausgeglichenheit der Teams ist größer“, begründet Rabente das Hamburger Übergewicht. Kapitän Boeckel führt das auf den Ehrgeiz der Hamburger Vereine zurück: „Wir haben vier Klubs in der eingleisigen Feld-Bundesliga, fünf in der Halle, die Nachwuchsarbeit ist auch sehr gut“, sagt er, „so gibt es hier einen großen Pool von Spielern.“
Hockey-Derbys in Hamburg immer besonders emotional
Von denen einige auch Spezialisten in der Halle sind, was laut Boeckel historische Gründe hat: „In Hamburg wird das Spiel in der Halle vielleicht ernster genommen, die Derbys sind immer besondere Highlights, die Leidenschaft ist hoch.“ Das ist seit Anfang der 90er-Jahre so, als die besondere Rivalität zwischen Alster und dem HTHC begann.
Das Hamburger Trainer-Duo musste schon nach drei Spieltagen der aktuellen Bundesligasaison nominieren, das erschwerte die Auswahl zusätzlich. Die Feld-Nationalspieler stehen wegen internationaler ProLeague-Verpflichtungen ohnehin nicht zur Verfügung.



Torwart Ditzer (19) wurde erst kürzlich U21-Weltmeister auf dem Feld und ist nun erneut im Einsatz. „Er ist ein Ausnahmetalent und kann Historisches schaffen“, weiß Rabente. Nämlich die Deutsche Meisterschaft, Europacup, Weltmeisterschaft und Europameisterschaft in der Halle sowie die Junioren-WM binnen eines Jahres zu gewinnen.
Nach dem Auftaktspiel gegen Irland folgen Gruppenspiele am Freitag gegen die Schweiz und Belgien sowie am Sonnabendvormittag gegen Spanien. Sonnabendabend folgen dann die Halbfinals, am Sonntag die Finalspiele. „Die Gruppe ist schwierig, die größte Aufgabe wird aber sein, das Team in der kurzen Vorbereitung seit Montag zu formen“, sagt Rabente, „wenn das gelingt hoffe ich, dass kein Weg an uns vorbeiführt.“