Die finanzielle Krise des städtischen Haushalts war am Dienstag eines der Schwerpunktthemen in der Rede des Mannheimer Oberbürgermeisters Christian Specht (CDU) beim Neujahrsempfang im Mozartsaal im Kongresszentrum Rosengarten. Der Rede lauschten etwa 1.800 Menschen. Specht stellte die Fragen in den Raum „Was können wir uns noch leisten? Und worauf müssen wir schweren Herzens verzichten?“. Der Neujahrsempfang 2026 stehe „ganz bewusst unter dem Motto: Menschen, Mut, Ideen“, so Specht. Denn nur damit ließen sich die Herausforderungen meistern.

Specht überreicht Dankesurkunde an heldenhaften Taxifahrer

Emotionaler Höhepunkt in Spechts Festrede war die Würdigung des Taxifahrers, der am 3. März 2025 das Auto des mittlerweile verurteilten Amokfahrers blockiert und damit mutmaßlich weitere Menschenleben gerettet hat. Die Menschen im Mozartsaal erhoben sich und es gab langanhaltenden Applaus, als der schüchtern und zurückhaltend wirkende Mann auf der Bühne eine Dankesurkunde der Stadt Mannheim aus den Händen Spechts entgegennahm.

Ende 2025: Angriff auf städtische IT vereitelt

Etwas überraschend erwähnte Specht in seiner Rede einen am Ende vereitelten „groß angelegten IT-Angriff auf die Stadt“ Ende 2025. Nur dem „außergewöhnlichen Einsatz“ der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des städtischen Fachbereichs Informationstechnologie sei es zu verdanken gewesen, dass diese Attacke abgewehrt werden konnte. Auch dafür gab es Applaus von den Besuchern im Mozartsaal. Weitere Details zu der Attacke nannte Specht nicht.

„Strukturelle Krise“ verantwortlich für Haushalts-Probleme

Immer wieder ging es in seiner Rede um den schmalen Haushalt der Stadt. Specht sprach in diesem Zusammenhang von einer „strukturellen Krise“ der städtischen Finanzen in Deutschland insgesamt. Er forderte einen höheren Umsatzsteueranteil für die Kommunen, den Wegfall der Gewerbesteuerumlage und die Förderung von privaten Investitionen durch den Bund. Vieles andere lasse sich „nur regional lösen“. Specht sagte, er habe sich entschieden, sich um den Vorsitz des Verbands Region Rhein-Neckar zu bewerben.

Klinikverbund soll „hochwertige Arbeitsplätze“ schaffen

Mit großen Hoffnungen verbindet Specht den Start des Verbunds der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim am 12. Januar. Der sichere künftig „hochwertige Arbeitsplätze“ und sei „ein Meilenstein für die Finanzen der Stadt“. In den zurückliegenden Jahren habe die Stadt, so Specht, eine Viertelmilliarde Euro für das Klinikum aufgebracht – „auf Dauer war diese finanzielle Belastung nicht tragbar“. Eine Belastung in dieser Größenordnung werde künftig wegfallen.

Theresienkrankenhaus: Specht kritisiert Träger und Sozialministerium

Mit Blick auf die Lage des Theresienkrankenhauses kritisierte Specht den Träger des Krankenhauses, die BBT-Gruppe (Barmherzige Brüder Trier), scharf. Die hatte im Herbst vergangenen Jahres bekanntlich die Schließung des traditionsreichen Krankenhauses verkündet. Aufgabe einer „Task Force“ unter Spechts Leitung und der des Gesundheitsamtes sei die „künftige Sicherstellung der medizinischen Versorgung in Mannheim, wobei wir immer auch die Belange der Beschäftigten im Blick haben“.

Specht stößt sich an einer Aussage des baden-württembergischen Sozialministeriums, das „keine Bedrohung der Versorgungssituation in Mannheim“ sieht. Unter großem Applaus sagte Specht, er erwarte vom Land eine finanzielle Unterstützung der BBT-Gruppe „für den Ausbau der Notfallkapazitäten am Diakonissenkrankenhaus“.

Specht und Blettner unterzeichnen Vertrag für „Brückenbaugesellschaft“

Nach der Festrede unterzeichneten Specht und sein frischgebackener Amtskollege aus Ludwigshafen, Klaus Blettner (CDU), den Gründungsvertrag der „Brückenbaugesellschaft Ludwigshafen-Mannheim“. Damit würden, so Specht, „die Weichen für eine Generationenaufgabe gestellt“ – die Sanierung der Kurt-Schumacher-Brücke und der Neubau der Konrad-Adenauer-Brücke. Ein Projekt, das etwa 15 Jahre dauern dürfte. Beide Rheinbrücken, die die Nachbarstädte miteinander verbinden, sind marode.