Ein Forschungsteam aus Deutschland, Italien und den USA hat einen wichtigen Mechanismus entdeckt, der die Hauptschlagader schützt. Entscheidend ist ein Genregulator namens TBX18, der in den Muskelzellen der Aorta aktiv ist. Fehlt dieser Faktor, verliert die Gefäßwand an Stabilität und das Risiko für Aneurysmen steigt. Die Studie erschien in Cardiovascular Research.
Aneurysmen der Hauptschlagader entstehen, wenn die Wand der Aorta an Halt verliert und sich ausweitet. Bleibt eine solche Erweiterung unentdeckt, kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen, etwa zu einem Riss oder einer Spaltung der Gefäßwand. Die Risiken sind besonders hoch, wenn bereits eine erbliche Bindegewebserkrankung wie das Marfan-Syndrom vorliegt. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig zu verstehen, welche molekularen Faktoren die Aorta stabil halten. Eine internationale Studie zeigt nun, dass der Genregulator TBX18 dabei eine entscheidende Rolle spielt.
Warum TBX18 wichtig ist
Die Aorta ist ständig hohen Druckschwankungen ausgesetzt. Damit sie stabil bleibt, müssen ihre Muskelzellen ein ausgewogenes Genprogramm aufrechterhalten. Die neue Studie zeigt, dass TBX18 diese Programme koordiniert. Wird TBX18 im Mausmodell ausgeschaltet, entstehen Fehlbildungen der Aorta. Bei erwachsenen Tieren wird die Gefäßwand anfällig für Schäden, vor allem wenn bereits eine Belastung vorliegt wie bei einer Marfan-Mutation.
„TBX18 wirkt wie ein Stabilitätsfaktor für die Gefäßwand“, sagt Prof. Stefanie Dimmeler vom Universitätsklinikum Frankfurt und vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). „Fehlt er, reagieren die Zellen überempfindlich auf Stress.“
Was im Inneren der Zellen geschieht
Die Forschenden fanden heraus, dass TBX18 verhindert, dass bestimmte Stress-Gene anspringen, die sonst Umbauprozesse der Gefäßwand auslösen. Dazu gehören Gene wie EGR1, FOS und JUNB, die in frühen Phasen vieler Aneurysmen aktiv werden.
Fehlt TBX18, werden diese Gene hochgefahren. Die Muskelzellen verändern sich, beginnen vermehrt Gewebe umzubauen und tragen so zur Schwächung der Aortenwand bei. Ein weiterer Befund: Das Eiweiß Thrombospondin-1 (THBS1), das Umbauprozesse der Gefäßwand unterstützen kann, steigt ohne TBX18 deutlich an.
Ergebnisse auch beim Menschen bestätigt
In Gewebeproben von Patientinnen und Patienten mit Aneurysmen der Aorta im Brust- oder Bauchbereich fanden die Forschenden dasselbe Muster: TBX18 war deutlich reduziert, und zwar umso stärker, je ausgeprägter das Aneurysma war.
„Die Daten aus dem Menschen passen genau zu den Experimenten im Mausmodell“, so Erstautor Dr. Nuno Guimarães-Camboa. „Das zeigt, dass TBX18 eine zentrale Rolle beim Schutz der Aorta spielt.“
Ausblick
Die Ergebnisse zeigen, dass TBX18 zentrale Schaltstellen kontrolliert, die früh im Aneurysma-Prozess aktiviert werden und damit Ansatzpunkte für neue therapeutische Strategien bieten. Da diese Programme vor den strukturellen Schäden ausgelöst werden, könnten gezielte Eingriffe in diese Signalwege helfen, die Entstehung oder das Fortschreiten von Aneurysmen zu bremsen. Die Arbeit liefert konkrete molekulare Zielstrukturen, die sich in pharmakologischen oder biologischen Ansätzen weiterentwickeln lassen, um Patientinnen und Patienten langfristig zu schützen.
Originalpublikation:
Mukherjee, Debanjan et al. “Transcription regulation by TBX18 in smooth muscle cells is essential for normal aortic development and homeostasis.” Cardiovascular research vol. 121,15 (2025): 2419-2431. doi:10.1093/cvr/cvaf201