
Menschen im Südwesten Berlins können aufatmen: Nach einem tagelangen Blackout infolge eines Anschlags fließt der Strom wieder in allen Haushalten. Notanlaufstellen bleiben dennoch geöffnet, Schulen weiterhin geschlossen.
Vier Tage nach dem Anschlag auf das Stromnetz im Südwesten von Berlin ist die Energieversorgung wieder hergestellt.
Nach provisorischen Reparaturarbeiten an den zerstörten Hochspannungsleitungen nahe einem Heizkraftwerk schaltete der Netzbetreiber schrittweise die letzten rund 20.000 betroffenen Haushalte und 850 Gewerbebetriebe wieder zu.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach von einem „guten Tag“ für die Hauptstadt und kündigte Initiativen zum besseren Schutz kritischer Infrastrukturen an. Nach Behördenangaben war der Stromausfall der längste in der Nachkriegsgeschichte Berlins. Bereits im September war der Strom in Teilen Berlins infolge eines Anschlags ausgefallen.
Reparaturen schneller als gedacht
Nach Angaben von Wirtschafts- und Energiesenatorin Franziska Giffey (SPD) gingen die Arbeiten an einer von zwei Baustellen schneller voran als gedacht. Zunächst waren die Behörden noch davon ausgegangen, die Stromversorgung erst am Donnerstag herstellen zu können. Es sei eine „Operation am offenen Herzen“ gewesen, so Giffey über die Reparaturarbeiten.
Am Mittwoch um 14.10 Uhr sei wieder „Vollversorgung“ gemeldet worden, sagte Giffey bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der beteiligten Behörden. Die Situation sei aber „noch nicht vorbei“, betonte die Senatorin. Erst wenn die Reparaturarbeiten an der zweiten Baustelle beendet seien, sei die Stromversorgung wieder dauerhaft abgesichert.
Zudem müsse noch die teils unterbrochene Wärmeversorgung in den betroffenen Häusern wieder hochgefahren werden. Bei winterlichen Temperaturen fielen durch den Stromausfall Heizungen aus, auch die Fernwärmeversorgung war betroffen.
Schulen bleiben noch geschlossen
Notanlaufstellen und Essenausgabepunkte sollten daher zunächst geöffnet bleiben, auch Notstromaggregate an Pflegeheimen und anderen kritischen Orten blieben zunächst zur Sicherheit in Reserve.
Die Schulen in dem betroffenen Gebiet blieben die Woche über noch geschlossen, teilte die Senatsverwaltung für Bildung mit. Heizungen in den Schulgebäuden müssten erst wieder laufen, zudem seien technische Prüfungen etwa an den Brandmeldeanlagen nötig.
Keine Hinweise auf möglichen russischen Hintergrund
Grund für den großflächigen Stromausfall war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke, der mutmaßlich auf das Konto von Linksextremisten geht. Landes- und das Bundeskriminalamt sowie der Verfassungsschutz stuften ein Bekennerschreiben einer linksextremistischen Organisation namens Vulkangruppe als glaubwürdig ein. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie verfassungsfeindlicher Sabotage.
Auch das Bundesinnenministerium hält das Schreiben für authentisch und ordne die Täter „dem linksextremistischen Spektrum„, wie eine Sprecherin betonte. Erkenntnisse über eine mögliche russische Drahtzieherschaft lägen den deutschen Sicherheitsbehörden zurzeit nicht vor. Darüber wurde seit Tagen unter anderem aufgrund von sprachlichen Besonderheiten in dem Bekennerschreiben spekuliert. „Erkenntnisse über eine mögliche russische Übersetzung liegen uns nicht vor“, sagte die Sprecherin.
Wegner kündigt Videoüberwachung an
Der Berliner Senat kündigte bessere Schutzmaßnahmen für sensible Anlagen etwa im Bereich der Stromnetze an. Besonders wichtige Einrichtungen sollten schnell zu „100 Prozent“ durch Videoüberwachung gesichert werden, sagte Bürgermeister Wegner.
Er werde sich mit den Regierungschefs der anderen 15 Bundesländer und der Bundesregierung „eng“ über das Thema austauschen. Besserer Schutz sei nicht nur für Berlin relevant.