Mundbakterium, Methionin und Magentumore

Tatsächlich entdeckte das Team gleich drei verschiedene Stämme von Streptococcus anginosus in den Tumoren von Magenkrebspatienten. Auch in deren Magen-Mikrobiom kamen die Bakterien vermehrt vor. Nähere Analysen ergaben zudem, dass diese Mikroben besonders viel Methionin produzieren und freisetzen. Diese schwefelhaltige Aminosäure ist für unseren Stoffwechsel essenziell.

„Frühere Studien haben aber auch gezeigt, dass Methionin das Wachstum von Krebstumoren beschleunigen kann“, erklären die Forschenden. Um zu überprüfen, welche Rolle dabei Streptococcus anginosus spielt, infizierten sie Krebszellkulturen und an Magenkrebs erkrankte Mäuse mit den Bakterien. Es zeigte sich: „Methionin verstärkt die Expression des Enzyms MAT2A und seinen Transport in die Zellen“, schreiben die Forschenden. „Dies liefert den Tumorzellen Energie und fördert ihr Wachstum.“

Dies bestätigte sich auch in den Tests mit Mäusen: Die Magenkrebs-Tumore der Tiere wuchsen schneller, wenn Streptococcus anginosus in der Magenflora präsent war, wie das Team berichtet. Dies galt jedoch nur dann, wenn die Bakterien tatsächlich Methionin produzieren konnten. Wurden diese Produktion bei den Mikroben blockiert, blieb die krebsfördernde Wirkung aus.

Streptococcus anginosus als Risikofaktor bestätigt

Damit scheint klar: Neben dem Magenkeim Helicobater pylori kann auch das Mundbakterium Streptococcus anginosus das Risiko für Magenkrebs erhöhen und das Wachstum von Magengeschwüren fördern. „Unsere Ergebnisse werfen Licht auf die komplexe metabolische Wechselbeziehung zwischen Streptococcus anginosus und seinem Wirt“, schreiben Zhou und ihre Kollegen.

„Die Resultate beleuchten zudem die wichtige Rolle des von diesen Bakterien erzeugten Methionins für das Fortschreiten des Magenkrebses“, so das Team weiter. Die neuen Erkenntnisse könnten dabei helfen, ein erhöhtes Risiko für Magenkrebs frühzeitig anhand von Stuhlproben zu erkennen. Gleichzeitig eröffnen sie einen möglichen Ansatz für Vorbeugung und Therapie. (Gut, 2025; doi: 10.1136/gutjnl-2025-336966)

Quelle: BGI Genomics







8. Januar 2026

– Nadja Podbregar