Die Schäffler tanzen wieder und trotzen der Kälte – und das bis weit in den Februar hinein. Bei frostigen Minusgraden zeigten die Schäffler – ein altes Wort für Fassmacher – am Dreikönigstag zum Auftakt der „Tanz-Saison“ auf dem Münchner Marienplatz, dass sie ihre Schritte nicht verlernt haben. In maßgeschneiderten roten Jacken, schwarzen Kniebundhosen, weißen Kniestrümpfen und mit grünen Kappen auf dem Kopf tanzten sie aufeinander zu, hoben zum Takt der Blaskapelle die Knie und formten Figuren aus bogenförmigen Buchskränzen.

„Stolz und Freude“ für die Schäffler

Der Tanz werde von Generation zu Generation weitergegeben, erklärt Schäffler Stephan Deuringer. Der 35-Jährige tanzt heuer schon zum dritten Mal mit. 2012 war er selbst zum ersten Mal dabei und weiß noch, wie aufgeregt er damals war. Sein Kollege Michael Dachs, ebenfalls 35, hat heuer als erster Vortänzer Premiere. Seine Aufgabe ist es, die 25-köpfige Tanzgruppe anzuführen und den Takt vorzugeben. Die Spannung sei groß, erklärt er. „Aber wenn die Leute klatschen, gibt einem das ein schönes Gefühl. Das erfüllt einen mit Stolz und großer Freude.“

Schäffler wollen Zuversicht verbreiten

Der Legende nach ist der Schäfflertanz mehr als 500 Jahre alt. Nach der Pestepidemie wollte ein Münchner Fassmacher seine Mitbürger mit dem Tanz aufheitern und wieder auf die Straße treiben. Weitere Schäffler schlossen sich ihm an, um Freude und Mut zu verbreiten. Historisch ist der Schäfflertanz allerdings erst Anfang des 18. Jahrhunderts zum ersten Mal belegt. Mit der Zeit verbreitete sich der Brauch auch in anderen bayerischen Orten, etwa in Wasserburg am Inn, Großmehring und Garmisch-Partenkirchen. Alle erinnern sie an die Zeit der Pest. So spielt die Laube, die die Schäffler aus Buchsbögen formen, darauf an, dass sich die Menschen in ihren Häusern einsperrten. Die Kasperl, die die Schäffler begleiten, verteilen Glück in Form eines Kohlestrichs, den sie den Zuschauerinnen und Zuschauern auf die Nase malen.

Traditionell wird der Tanz nur alle sieben Jahre aufgeführt. Vor vier Jahren legten die Münchner Schäffler aber wegen der Corona-Pandemie und des Kriegs in der Ukraine eine Extra-Schicht ein. Wie schon vor 500 Jahren wollten sie den Menschen damit Mut machen.

Rund 400 Auftritte bis Faschingsdienstag

Ursprünglich durften nur „echte“ Fassmacher mitmachen, inzwischen gehen die meisten Tänzer anderen Berufen nach. So ist Michael Dachs im wirklichen Leben Schlossermeister, Stephan Deuringer ist Informatiker. Nach wie vor ist der Tanz aber Männern vorbehalten.

Für die Auftritte verbraucht Deuringer seinen gesamten Jahresurlaub. Denn die Schäffler – zwischen 18 und 60 Jahren alt – tanzen sechs Wochen lang täglich von morgens bis abends. Bis zum Faschingsdienstag stehen mehr als 400 Auftritte auf öffentlichen Plätzen, in Firmen, Altenheimen und Schulen an. Auf der Internetseite des Fachvereins der Schäffler (externer Link) sind alle Termine aufgeführt. „Man geht raus und die Leute lachen. Dafür gebe ich gerne meinen Urlaub her“, sagt Schäffler Stephan Deuringer. Danach ist schließlich wieder sieben Jahre Pause.