Drohnen über Start- und Landebahnen sind längst kein Einzelfall mehr – sie sind ein wachsendes Sicherheitsproblem. Auch am Flughafen Hannover musste der Betrieb am zweiten Weihnachtsfeiertag erneut gestoppt werden. Der Grund: Gleich mehrere Drohnensichtungen.

Doch der Drohnen-Alarm bringt nicht nur Reisende zur Verzweiflung – sondern auch ein OP-Team in höchste Not.

Flughafen Hannover: Chaos an der Landebahn – und im Op-Saal

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr war der Flughafen Hannover von einer Drohnensichtung betroffen. Laut eines Berichts der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ meldet sich die Bundespolizei am Freitagabend (26. Dezember) um 20.49 Uhr: In rund 80 Metern Höhe sei nahe eines Modellflugplatzes eine Drohne gesichtet worden. Der Airport reagiert umgehend – die Nordpiste wurde gesperrt, Flüge mussten umgeleitet werden oder warteten mit massiver Verspätung auf die Landefreigabe (wir berichteten). Doch damit nicht genug. Etwa zwei Stunden später folgt die nächste Meldung – diesmal gleich zwei Drohnen in der Nähe des Flughafens. Die Folge: Auch die Südpiste wurde stillgelegt. Für viele Reisende war das Chaos am zweiten Weihnachtsfeiertag ein Ärgernis. Für einen Menschen in Hannover jedoch stand weit mehr auf dem Spiel als ein verspäteter Rückflug.

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Zur selben Zeit wartet in der Medizinischen Hochschule Hannover ein Patient auf ein Spenderherz. Das Organ, lebenswichtig und auf dem Luftweg unterwegs, kann den Flughafen wegen der Sperrung nicht erreichen. Die Maschine, die das Herz transportierte, muss am Boden bleiben. „Wir haben dadurch rund 45 Minuten verloren“, berichtet die Ärztin Theresa Holst, die Teil des Transplantationsteams war und das entnommene Spenderherz nach Hannover bringen sollte. In der Medizinischen Hochschule hat sich bereits ein gesamtes OP-Team auf die Ankunft des Organs vorbereitet, um dieses einsetzen zu können. In einem emotionalen Beitrag auf Instagram richtet sie jetzt deutliche Worte an die Verursacher.

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„Irreversible Schäden am Herzmuskel“

„An die Drohnenflieger, die gestern Abend den Flughafen Hannover lahmgelegt haben: Wegen eurer Aktion wären wir beinahe nicht rechtzeitig bei unserem Patienten angekommen. Ein lebenswichtiges Spenderherz stand auf dem Spiel. Was ihr für Spaß haltet, gefährdet auch zeitkritische medizinische Flüge – und Menschenleben!“, schreibt die Ärztin. Holst erklärt, dass bei einem Spenderherz jede Minute zählt. Eine längere Verzögerung hätte das Organ unbrauchbar gemacht – und damit das Leben des wartenden Patienten besiegelt. „Wenn man zu lange wartet, kommt es durch die Unterversorgung mit Sauerstoff zu irreversiblen Schäden am Herzmuskel“, so die Medizinerin. Glück im Unglück: Kurz nach Mitternacht kann der Flughafen wieder öffnen. Das Ärzteteam fliegt sofort nach Hannover und bringt das Herz unter Polizeischutz in die MHH. Dort können die Ärzte die Operation erfolgreich durchführen. Hätte es eine noch längere Verzögerung am Flughafen gegeben, so „hätten wir das Herz wohl in die Tonne werfen müssen“, erklärt sie. Das berichtet die Peiner Allgemeine Zeitung.

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Wer die Drohnen gesteuert hat, ist bislang unklar. „Hinweise auf die Piloten sind derzeit Gegenstand der Ermittlungen“, teilt eine Sprecherin der Bundespolizei mit. Zwischen 21.47 Uhr und 0.16 Uhr blieb der Airport vollständig gesperrt – fast zweieinhalb Stunden Stillstand. Die Ärztin Holst zeigt sich fassungslos über das rücksichtslose Verhalten. „Wir reden hier nicht über harmlose Spielzeuge“, sagt sie. „Diese Drohnen haben das Leben eines Menschen gefährdet“. Drohnen gelten als faszinierendes Hobbygerät, doch in der Nähe von Flughäfen sind sie eine ernsthafte Gefahr. Immer wieder kommt es bundesweit zu Vorfällen, bei denen Flugbetrieb eingestellt werden muss. Neben Sicherheitsrisiken für den Luftverkehr bedrohen solche Zwischenfälle auch zeitkritische medizinische Flüge – etwa Organtransporte oder Rettungseinsätze. In Deutschland ist der Betrieb von Drohnen in der Nähe von Flughäfen streng verboten. Wer dagegen verstößt, riskiert nicht nur hohe Geldstrafen, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen.