Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) spricht beim Pressebriefing am 06.01.2026. (Quelle: picture alliance/dpa/Britta Pedersen)

Stand: 08.01.2026 07:27 Uhr

Die Menschen im Südwesten Berlins haben wieder Strom. Doch die Kritik am Krisenmanagement des Regierenden Bürgermeisters Wegner wird lauter – auch aus der eigenen Koalition. Explizite Rücktrittsforderungen kommen von AfD, FDP und BSW.

Gegen den Berliner Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gibt es Rücktrittsforderungen wegen seines Verhaltens während des Stromausfalls. Wie zuerst der rbb berichtete, hatte Wegner am Samstagmittag Tennis gespielt, obwohl er öffentlich den Eindruck vermittelt hatte, er sei durchgängig mit dem Krisenmanagement befasst gewesen.

Die Senatskanzlei bestätigte dem rbb, Wegner habe „von 13 bis 14 Uhr“ eine Stunde lang Tennis gespielt. Der Regierende Bürgermeister sei aber „jederzeit erreichbar“ gewesen. Wegner hatte am Sonntag beim Besuch einer Notunterkunft in Steglitz-Zehlendorf erklärt, er habe am ersten Tag des Stromausfalls im Home-Office gearbeitet und sei „den ganzen Tag am Telefon“ gewesen.

Rückblickend, sagte Wegner in der rbb24 Abendschau, hätte er am Sonntag sagen sollen, dass er am Samstag für eine Stunde Sport gemacht habe. Sein Fokus seien immer die 45.000 Haushalte gewesen und die Frage, wie sie wieder Wärme und Strom bekommen, sagte Wegner weiter.

Am Donnerstagmorgen muss sich der Regierende Bürgermeister vor der CDU-Fraktion verwantworten. In einer Sondersitzung um 8 Uhr per Schaltkonferenz soll sich der Landesparteichef, der selbst auch Mitglied der Abgeordnetenhausfraktion ist, zu seinem Verhalten am Samstag erklären.

Krach: Wegner hat Berliner „belogen“

Steffen Krach, der Spitzenkandidat von Wegners Koalitionspartnerin SPD, wirft dem Regierenden Bürgermeister vor, die Berlinerinnen und Berliner „belogen“ zu haben und nennt dies „inakzeptabel“.

Ähnlich äußern sich die Grünen. Den Menschen „in großer Notzeit nicht die Wahrheit“ zu sagen, sei eines Regierenden Bürgermeisters „nicht würdig“, sagt Fraktionschef Werner Graf dem rbb. Linken-Landeschef Matthias Schirmer fordert Wegner auf, sich zu überlegen, „ob dieser Job noch der richtige für ihn ist“.

AfD, BSW und FDP fordern Rücktritt

Explizite Rücktrittsforderungen kommen von AfD, FDP und BSW. „Es wäre schon schlimm genug, dass der Regierende Bürgermeister von Berlin eine Notlage, die durch einen Terrorangriff auf die Infrastruktur der Stadt ausgelöst wurde, nicht ernst genug nimmt, um auf sein Tennismatch zu verzichten“, erklärte AfD-Chefin Kristin Brinker. Zudem habe er aber „den Berlinern auch noch ins Gesicht gelogen“.

Der FDP-Vorsitzende Christoph Meyer spricht von „bewusster Täuschung“ Wegners: „Wer in der Krise nicht führt und anschließend die Öffentlichkeit belügt, kann dieses Amt nicht weiter ausüben.“

„Jetzt bleibt eigentlich nur noch der Rücktritt“, resümierte auch BSW-Landeschef Alexander King.

Kritik und auch Rücktrittsforderungen könne er nicht verhindern, sagte Wegner in der rbb24 Abendschau. Aber die Berliner Regierung habe bewiesen, „dass wir Krise können und das schneller als gedacht.“

Vorsichtige Kritik aus der CDU

Auch aus Wegners eigener Partei kam am Mittwochabend eine vorsichtige Kritik: Der CDU-Kreisvorsitzende aus Steglitz-Zehlendorf, Stephan Standfuß sagte: „Ich würde Wegner nicht vorwerfen wollen, dass er Tennis gespielt hat, wenn er danach alles richtig gemacht hat“, sagte Standfuß, der auch stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus ist.

Standfuß sagte, er selbst habe „ziemlich früh verstanden“, dass dieser Stromausfall eine größere Dimension in seinem Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf habe. „Ich habe schon mittags im Stab im Rathaus Zehlendorf gesagt: Das ist eine Sache, die wird dramatisch.“ Nicht jeder habe das sofort begriffen. „Wegner war ein Stück weiter weg“, sagte Standfuß.

Wegner: „Ja, ich brauche kurz eine Pause.“

Wegner selbst sagte am Mittwochabend in der rbb24 Abendschau, er habe am vergangenen Samstag zunächst – nach acht Uhr, als er über den Stromausfall informiert worden sei – Telefonate geführt. „Ich habe dann irgendwann gesagt: Ja, ich brauche kurz eine Pause, ich muss meinen Kopf frei kriegen, und das kann ich am besten mit Sport.“ Im Interview mit „Welt TV“ erklärte er es genauer: Er habe Tennis gespielt. „Ich bin danach sofort wieder an mein Telefon gegangen, bin in mein Büro gegangen und habe weiter gemacht.“

Sendung: rbb24 spezial, 07.01.2026, 20:15 Uhr

Rundfunk Berlin-Brandenburg