
AUDIO: Behörden und Verkehrsbetriebe im Norden wappnen sich für Schneesturm (4 Min)
Stand: 08.01.2026 09:51 Uhr
In einigen Teilen des Nordens schneit es bereits seit dem Morgen wieder ergiebig. Bis Freitagmittag könnte Sturmtief „Elli“ für bis zu 15 Zentimeter Neuschnee sorgen. Dazu wird es stürmisch – und eisig kalt. Die Deutsche Bahn schränkt ihren Fernverkehr vorsorglich ein. An immer mehr Schulen im ganzen Norden fällt der Unterricht aus.
In Niedersachsen ist es heute wegen glatter Straßen bereits zu mehreren Unfällen gekommen. In Gehrde im Landkreis Osnabrück kam am frühen Morgen ein junger Mann ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei war er mit seinem Wagen von der glatten Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt.
Heute Abend zieht dann vom südwestlichen Niedersachsen her neuer Schneefall in den gesamten Norden. In Niedersachsen könne zunächst auch gefrierender Regen dabei sein, sagt Wetterexperte Frank Böttcher. Ab Freitag früh – pünktlich zum Berufsverkehr – rechnet er mit starkem Schneefall auch in Hamburg. Weitere Orte, in denen Pendler besonders vom Schneefall und den damit verbundenen Behinderungen betroffen sein dürften, seien Braunschweig, Hannover, Bremen und Oldenburg. Zwischen sieben und zwölf Zentimeter Neuschnee erwartet Böttcher dort. Zudem können stürmische Böen zu „kleinen bis mittleren Verwehungen zwischen 20 bis 50 Zentimeter“ führen.
Wetterexperte Böttcher: „Keine Katastrophenlage“
Böttcher stellt klar, dass das nicht bedeute, „dass wir bis zu 50 Zentimeter Neuschnee erwarten“. Generell sieht er „keine Katastrophenlage und keinen Anlass zur Besorgnis“. Die Lage unterscheide sich von der, die 1978/79 zur „Schneekatastrophe“ in Norddeutschland geführt hatte. Es handle sich vielmehr um eine Wetterlage, wie sie alle zehn bis 15 Jahre vorkomme.
Bis Freitagmittag werde der Neuschnee auch Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern erreichen. Im Flachland seien insgesamt bis zu 15 Zentimeter zusätzlich zu dem Schnee, der bereits überall liegt, möglich, im Weserbergland und im Harz bis zu 25 Zentimeter. Quer durch Niedersachsen werde am Freitag eine Luftmassengrenze verlaufen, erwartet Böttcher. Südlich der „Null-Grad-Linie“ Wilhelmshaven – Bremen – Soltau – Brome soll es Plusgrade und zeitweise Regen geben, nördlich der Linie herrscht Dauerfrost und bis Freitagabend kann es leichten Schneefall geben.
Video:
Der Norden wappnet sich für weiteren Schneefall (5 Min)
Sturmflutwarnung für Ostseeküste ab Freitagabend
Für die Ostseeküste warnt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie für Freitagabend zudem vor einer Sturmflut. In der Kieler Bucht und in der Lübecker Bucht würden erhöhte Wasserstände bis 1,20 Meter über Normalhöhennull erwartet. Die Stadt Wismar plant bisher noch keine Herausgabe von Sandsäcken. Das sei erst ab einer Prognose von 1,25 Meter über Normalnull vorgesehen.
Schulausfälle in Niedersachsen und Schleswig-Holstein – vielleicht auch in Hamburg
In mehreren niedersächsischen Landkreisen fällt der Schulunterricht heute und morgen aus. Auch auf den nordfriesischen Inseln Amrum und Föhr fällt der Unterricht heute und eventuell auch morgen aus. Möglicherweise könnten auch einige Schulen in Hamburg am Freitag den Unterricht einschränken oder ganz absagen. Das berichtet NDR 90,3. Demnach beobachtet die Schulbehörde die Lage und ist mit dem Deutschen Wetterdienst im Austausch. In Mecklenburg-Vorpommern sind die Schulen laut Bildungsministerium grundsätzlich geöffnet und für alle Jahrgangsstufen findet Unterricht statt.

Landesweit sorgt Glätte für zahlreiche Unfälle, der Zugverkehr ist eingeschränkt. Heute soll sich die Wetterlage zuspitzen.
Deutsche Bahn reduziert Fernverkehr in Norddeutschland
Die Deutsche Bahn schränkt nach eigenen Angaben den Fernverkehr im Norden und Nordosten ab heute Nachmittag vorsorglich ein. Betroffen sind demnach Fernverkehrsverbindungen unter anderem nach Kiel, Westerland auf Sylt, Rostock und nach Rügen. Zudem werde die Höchstgeschwindigkeit der ICE-Züge auf den Schnellfahrstrecken Berlin – Wolfsburg, Hannover – Würzburg und Köln – Rhein/Main auf 200 Kilometer pro Stunde begrenzt. Die Fahrtzeit könne sich dadurch um bis zu 30 Minuten verlängern. Die Zugbindung ist aufgehoben. Auch im Regionalverkehr könne es in den kommenden Tagen zu Einschränkungen kommen, hieß es.
Eingeschränkter Nahverkehr in Hamburg
Auch der öffentliche Nahverkehr in Hamburg läuft wegen des Winterwetters in Teilen nur eingeschränkt. So kommt es auf den Linien der S1, S2, S3, S5 und S7 zu Verspätungen, wie der HVV auf seinen Internetseiten mitteilte. Einige S-Bahnen müssen den Angaben zufolge zudem schon vor ihrem eigentlichen Ziel wenden und es kann auch zu Ausfällen von einzelnen Verbindungen kommen. Auch der Busverkehr in Hamburg und im Umland sei betroffen. Wie eine Sprecherin der Hochbahn mitteilte, fahren die Hochbahn-Busse, sind aber von den Wetterverhältnissen betroffen. Es könne daher aktuell zu Taktlücken und Verspätungen bis zu 30 Minuten kommen.
NAH.SH erwartet Ausfälle und Verspätungen
Die Nahverkehrsgesellschaft Schleswig-Holstein (NAH.SH) wies darauf hin, dass es teilweise zu Betriebseinstellungen ohne Ersatzverkehr kommen dürfte. Der Nahverkehrsverbund riet, ab Freitag früh auf Fahrten mit dem ÖPNV zu verzichten. Reisen auf dem Wasser sind ebenfalls betroffen, einige Fähren von und zu den schneebedeckten Ostfriesischen Inseln werden wegen starken Ostwindes und niedriger Wasserstände am Freitag voraussichtlich nicht fahren.

Der Wintereinbruch hatte am Wochenende dafür gesorgt, dass fast 18 Stunden lang kein Bus fahren konnte. Jetzt ergreift die Stadt Maßnahmen.
Winterdienst in MV trotz des Streiks sichergestellt
Trotz eines Streikaufrufs, der auch die Straßenmeistereien im Land betrifft, werden die Bundes- und Landesstraßen in Mecklenburg-Vorpommern wie gewohnt vom Winterdienst geräumt. In einer ersten Lageeinschätzung stellte das Landesamt für Straßenbau und Verkehr nach eigenen Angaben fest, dass der entsprechende Winterdienst im gesamten Bundesland sichergestellt ist. Am Mittwochabend hatte die Landesbehörde vor glatten Straßen gewarnt als Folge eines möglichen Personalausfalls wegen des Streikaufrufs. Die Arbeitnehmervertretung hatte die Bediensteten der Straßenbauverwaltung des Landes für heute zum Streik aufgerufen.
Samstag vor allem in SH noch mal richtig viel Neuschnee
Am Samstag soll der Schneefall vor allem in Schleswig-Holstein noch einmal deutlich zunehmen, bis zu 15 weitere Zentimeter sind dann dort möglich. Das liegt laut Wetterexperte Böttcher am sogenannten Lake-Effect: Der starke Ostwind weht dabei über die noch recht warme Ostsee, die Luft nimmt die Feuchtigkeit auf und es bilden sich „Schauerstraßen“. Diese ziehen landeinwärts und schneien sich dort ab.
NDR Wetterexperte Sebastian Wache erwartet deswegen auch starke Schneeverwehungen. Denn es kämen Schnee und Wind zusammen – im Amerikanischen heißt das Blizzard. Die Straßen seien dann kaum noch befahrbar. Welche Regionen genau betroffen sein werden, lässt sich nach Angaben von Wache noch nicht exakt vorhersagen, allerdings zeichne sich ab, dass es im Süden von Schleswig-Holstein wohl mehr Probleme geben dürfte.

Nah.SH warnt vor Reisen mit Bus und Bahn. Streudienste planen Sonderschichten. Auch Kommunen treffen Vorkehrungen für das Extremwetter.
Tiefstwerte von bis zu minus 20 Grad in der Nacht möglich
Die Temperaturen sollen in den Folgetagen noch weiter absinken, sind die Nächte klar erwartet Böttcher Tiefstwerte von minus 20 Grad. Ab Mitte kommender Woche soll sich die Lage wieder etwas entspannen. Er rechnet mit einer „Milderung, jedoch ohne dass ein Ende der insgesamt winterlichen Lage zu erwarten ist“.
SH und Hamburg: Viele Knochenbrüche und Platzwunden
Nach Angaben mehrerer Krankenhäuser in Schleswig-Holstein wurden dort in den vergangenen Wintertagen bis zu 50 Prozent mehr Patienten behandelt. Die Diagnosen seien typisch für Stürze durch Glätte: gebrochene Sprunggelenke und Unterarme, teilweise seien auch Handgelenk und Schulter betroffen. Entsprechend häufiger stünden die Unfallchirurgen aktuell im OP.
Auch in Hamburg birgt das Winterwetter eine hohe Sturzgefahr für Fußgänger und Radfahrer. So sind Knochenbrüche, Kopf-Platzwunden und umgeknickte Sprunggelenke aktuell häufige Behandlungsgründe in den Krankenhäusern. Im UKE gebe es täglich bis zu 20 Verletzte nur aufgrund der Witterung, berichtete NDR 90,3.
Kliniken in Niedersachsen bereiten sich ebenfalls entsprechend der prognostizierten Wetterlage vor: Es wird mit mehr Patienten gerechnet aufgrund von Stürzen und Unfällen. So will beispielsweise die Asklepios Harzklinik in Goslar am kommenden Wochenende zusätzlich zur Rufbereitschaft weitere Reserveärzte bereithalten. Die OP-Säle werden zudem mit noch mehr Platten und Schrauben für Sturzverletzungen bestückt. Bereits jetzt seien alle Betten der Kliniken, unter anderem wegen Knochenbrüchen, belegt – auch auf der Intensivstation, sagt der Chefarzt der zentralen Notaufnahme, Jürgen Kluth. Geplante OPs würden verschoben und Patienten an die Schwesterklinik in Seesen verwiesen.

In den Notaufnahmen im Land wird es voller. Nicht nur alte Menschen stürzen auf den rutschigen Straßen und Gehwegen.
Warnung vor Betreten von Wäldern und Eisflächen
Behörden warnen vor dem Betreten von Eisflächen, Wäldern und Parks. So ist es etwa verboten, den Maschsee in Hannover zu betreten. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sei das Eis auf den Gewässern noch nicht stabil, betonen die Feuerwehren.

Minus-Grade und zugefrorene Gewässer locken Menschen vielerorts aufs Eis. Doch das ist meist viel zu dünn. Es besteht Lebensgefahr.
In Wäldern könnten Bäume unter der Schneelast zusammenbrechen. In Hamburg ist der Park Planten un Blomen seit Dienstag geschlossen. Auch das Bezirksamt Altona teilte mit, dass der Hauptfriedhof vorerst für Besucher geschlossen bleibe, ebenso wie das Wildgehege im Klövensteen – „aufgrund akuter Schneebruch-Gefahr“, wie es hieß. Weitere Hamburger Friedhöfe wurden ebenfalls gesperrt.
Auch die Niedersächsischen Landesforsten mahnen Spaziergänger zur Vorsicht. Dicke Äste und auch ganze Baumkronen seien schon abgebrochen. „Das liegt vor allem daran, dass viele Bäume durch die Trockenheit der letzten Jahre vorgeschädigt sind“, sagte Jobst Böttger von den Landesforsten in Nordost-Niedersachsen. Besonders anfällig seien Lärchen. Im Harz sollten Spaziergänge abgestorbene Bäume meiden, teilten die dortigen Landesforsten mit.

Die Feuerwehr Norderstedt wagt sich mit Spezialanzügen auf gefrorene Wasserflächen, um zu zeigen, wie schnell das Eis bricht.
Eis könnte Schifffahrt an Ostseeküste behindern
Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee warnt Schiffs- und Bootsführer vor möglicher Eisbildung entlang der deutschen Ostseeküste. Von Flensburg bis zur deutsch-polnischen Grenze müsse unter anderem auf geschützten Gewässern, aber auch anderswo damit gerechnet werden.
Verbot von Streusalz für Privatleute ausgesetzt
Unterdessen hat die Hamburger Verkehrsbehörde das Verbot von Streusalz auf Gehwegen und Nebenflächen bis zum 21. Januar aufgehoben. Es sei eine Allgemeinverfügung erlassen worden, wonach Einwohner in dieser Zeit klassisches Tausalz auf die Wege streuen dürfen, teilte die Behörde mit.
„Wir wollen, dass alle sicher durch die Stadt kommen, auch ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen“, sagte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). „Ich bitte trotzdem alle Hamburgerinnen und Hamburger, Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen und maßvoll Gebrauch vom Tausalz zu machen“, betonte Tjarks.

Nach den stärksten Schneefällen seit 15 Jahren gibt es aus dem Rathaus Lob für die Stadtreinigung – und eine Tausalz-Freigabe für die Hamburger.
Ski-Betriebe im Harz geöffnet, Loipe auf Rügen gespurt
Das Winterwetter sorgt allerdings nicht nur für Einschränkungen, sondern auch für Begeisterung bei Rodelfans und Wintersportlern – zum Beispiel im Harz: Seit dem Wochenende liegt dort teilweise eine rund 50 Zentimeter hohe Schneedecke. Ski- und Rodellifte sind in Betrieb. Auch auf den Gebirgszügen rund um Hannover liegt Schnee. Rodeln und Langlauf sind somit auch im Deister und im Solling möglich.
Sellin auf Rügen wird derweil wieder zum Anlaufpunkt für Wintersportler aus ganz Mecklenburg-Vorpommern. Die Kurverwaltung hat am Dienstag auf einer Strecke von rund zwölf Kilometern Loipen in den Schnee gezogen.

Seit Mittwochabend läuft der Lift am Heibek in Bad Lauterberg. Mit Flutlicht ist damit eine 300-Meter-Abfahrt möglich.

Auch bei Schneesturm und Blitzeis müssen Arbeitnehmer pünktlich im Betrieb sein, denn sie tragen das Wegerisiko. Absprachen mit dem Arbeitgeber sind aber sinnvoll.

In den Notaufnahmen der Kliniken landen einige „Glätteopfer“. In vielen Baumärkten ist Streugranulat oder -Splitt bereits ausverkauft.

Wegen der vereisten Gehwege hat die Stadt das Streusalz-Verbot vorübergehend aufgehoben. Am Flughafen war es entspannter.

Äste von Nadelbäumen brechen durch die Schneelast häufiger ab. Hier lohnt es sich genau hinzusehen und -zuhören.

Obwohl die Gewässer nur noch selten zugefroren sind – die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr wollen auf den Ernstfall vorbereitet sein.

Die Strecke Hamburg-Neumünster zum Beispiel war stundenlang gesperrt – Hunderte Reisende saßen fest. Auch andernorts stockte es.

Auf den Hamburger Terminals arbeitet der Winterdienst auf Hochtouren. Trotzdem kommt es zu Einschränkungen und Verzögerungen.

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