Landwirte protestieren an einer Autobahn-Auffahrt.

AUDIO: Trotz Protesten: Verkehr an den Autobahnen läuft bisher reibungslos (1 Min)

Stand: 08.01.2026 11:07 Uhr

Aus Protest gegen das Mercosur-Freihandelsabkommen zwischen der EU und vier südamerikanischen Staaten demonstrieren Landwirte heute an Autobahn-Auffahrten. Aufgerufen dazu hat der Verein „Land schafft Verbindung MV“.

Nach NDR Informationen läuft der Verkehr an den Auffahrten in Mecklenburg-Vorpommern, an denen Landwirte protestieren, nahezu reibungslos. Die Demonstranten halten sich an die Auflage des Innenministeriums, die Zufahrten nicht zu blockieren. Aktionen sind an 32 Autobahn-Auffahrten bis 17 Uhr vom Innenministerium genehmigt. Aber nicht an allen Orten finden Demonstrationen statt.

Initiatoren: „Zeugt davon, wie ernst die Lage ist“

Zwar beteiligen sich weniger Landwirte als erwartet an dem Protest, die Organisatoren vom Verein „Land Schafft Verbindung“ zeigten sich am Morgen dennoch zufrieden. „Sicherlich wünscht man sich immer mehr. Aber dass unsere Kollegen überhaupt den Hintern hochgekriegt haben, das zeugt davon, wie ernst die Lage ist“, sagt Vorstandsmitglied Rüdiger Schulz. Er selbst steht mit sechs Traktoren, einigen Autos und 24 Landwirten an der Auffahrt Wismar-Mitte (Landkreis Nordwestmecklenburg).

Protest gegen Handelsabkommen

Die Landwirte protestieren gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und dem südamerikanischen Mercosur-Verbund. Einige Bauern befürchten wirtschaftliche Nachteile durch Agrar-Billigimporte – vor allem bei Fleisch.

Video:
So wirkt sich das Mercosur-Freihandelsabkommen auf die deutsche Wirtschaft aus (9 Min)

Auch Landwirt Banjamin Simon aus Rehberg bei Woldegk (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) beteiligt sich dick angezogen an den Protesten: „Wir haben hier heute sehr winterliche Temperaturen. Das sollte verdeutlichen, wie ernst die Lage ist, dass wir für unser Überleben und für unsere Existenz kämpfen. Auch bei minus zehn Grad.“

Kritik am Handelsabkommen

In seinem Betrieb werden unter anderem Hähnchen gemästet und Milchkühe gehalten. Das Mercosur-Abkommen sieht vor, dass Rind- und Geflügelfleisch aus Südamerika nach Deutschland importiert werden darf. Die Kritik der Landwirte: Die Tiere dürfen mit Hormonen behandelt werden. Zudem darf Geflügelfleisch mit Chlor behandelt werden, um Keime abzutöten.

Zudem fordern die Landwirte klare Herkunftsbezeichnungen bei Lebensmitteln mit einheitlichen Standards. „Für die Verbraucher ist wichtig zu sehen und zu wissen, dass in dem Moment, wo ausländische Ware, ob es ukrainischer Weizen oder argentinisches Rindfleisch ist, in dem Moment wo, es eine Mühle erreicht in Deutschland und dann zum Verbraucher gelangt, wird es ein deutsches Produkt“, sagte Olaf Schümann, Vorstandsmitglied des Vereins „Land schafft Verbindung“.

Initiator: „Weckruf an Politik und Gesellschaft“

Initiiert wurde die Aktion vom Verein „Land schafft Verbindung MV“ (LSV), um sich so Gehör zu verschaffen. Die Aktionen seien ein Weckruf an Politik und Gesellschaft. Wenn jetzt nicht gehandelt werden würde, drohe ein unumkehrbarer Strukturwandel in der Landwirtschaft, heißt es in einer Mitteilung. Die Interessenvertretung „Freie Bauern“ unterstützt die Proteste. Der Bauernverband MV beteiligt sich nicht.

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