
AUDIO: Sturmtief „Elli“ im Anmarsch: Schon jetzt viel Neuschnee gefallen (4 Min)
Stand: 08.01.2026 13:04 Uhr
In einigen Teilen des Nordens schneit es seit dem Morgen wieder ergiebig. Bis Freitag könnte Sturmtief „Elli“ für bis zu 15 Zentimeter Neuschnee sorgen. Der DWD hat eine amtliche Unwetterwarnung herausgegeben. Im Nah- und Fernverkehr gibt es Einschränkungen. An immer mehr Schulen fällt der Unterricht aus.
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In weiten Teilen Norddeutschlands legt der Winter heute eine Schippe drauf. In Hamburg beispielsweise schneit es seit Stunden immer wieder, teilweise mit dicken Flocken. Auch in anderen Regionen ist es weiterhin winterlich – und morgen soll es noch dicker kommen: Ab Freitagmorgen um 4 Uhr bis Samstagmorgen warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) für Hamburg, weite Teile von Schleswig-Holstein sowie den Norden Niedersachsens vor starken Schneeverwehungen.
Dadurch könnte es laut DWD zusätzlich noch einmal glatter auf den Straßen und Gehwegen werden. Wetterexperte Frank Böttcher zufolge könnten stürmische Böen dann zu „kleinen bis mittleren Verwehungen zwischen 20 bis 50 Zentimeter“ führen.
Schulausfälle in Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein
Schon heute wirkt sich das Winterwetter auf viele Schulen im Norden aus. In vielen niedersächsischen Landkreisen fällt der Schulunterricht heute und morgen aus. Auch auf den nordfriesischen Inseln Amrum und Föhr findet der Unterricht heute nicht statt – und eventuell auch morgen nicht.
In Hamburg fällt der Präsenzunterricht an allen Schulen am Freitag aus, wie die Schulbehörde mitteilt. Die Schulen seien verpflichtet, bis Klasse 6 eine Notbetreuung anzubieten, Online-Unterricht kann angeboten werden. Für die Klassenstufen 7 bis 12/13 soll ein digitales Unterrichtsangebot organisiert werden. Die Schülerinnen und Schüler müssen dann mit Unterrichtsmaterial versorgt werden. Klassenarbeiten sollen die Schulen verschieben.
Deutsche Bahn reduziert Fernverkehr in Norddeutschland
Die Deutsche Bahn schränkt nach eigenen Angaben den Fernverkehr im Norden und Nordosten ab heute Nachmittag vorsorglich ein. Betroffen sind demnach Fernverkehrsverbindungen unter anderem nach Kiel, Westerland auf Sylt, Rostock und nach Rügen. Zudem werde die Höchstgeschwindigkeit der ICE-Züge auf den Schnellfahrstrecken Berlin – Wolfsburg, Hannover – Würzburg und Köln – Rhein/Main auf 200 Kilometer pro Stunde begrenzt. Die Fahrtzeit könne sich dadurch um bis zu 30 Minuten verlängern. Die Zugbindung ist aufgehoben. Auch im Regionalverkehr könne es in den kommenden Tagen zu Einschränkungen kommen, hieß es.
Eingeschränkter Nahverkehr in Hamburg
Auch der öffentliche Nahverkehr in Hamburg läuft wegen des Winterwetters in Teilen nur eingeschränkt. Die S-Bahn Hamburg ruft dazu auf, auf alle nicht unbedingt nötigen Fahrten zu verzichten. „Aktuell kommt es auf allen Linien zu Verspätungen, Ausfällen und S-Bahnen, die schon vor ihrem eigentlichen Ziel wenden müssen“, heißt es auf der S-Bahn-Website. Ein Ersatzverkehr sei aufgrund der Verhältnisse im Straßenverkehr nicht möglich.
Probleme bei den S-Bahnen in Hamburg
Die Linie S2 fällt den Angaben zufolge aus. Die S3 verkehre in Richtung Pinneberg alle 10 Minuten über die Umleitung Dammtor, Sternschanze und Holstenstraße – ohne Halt in Altona. Die S5 fährt demnach nur noch zwischen Neugraben und Buxtehude und die S7 soll im 20-Minuten-Takt zwischen Altona und Aumühle verkehren. „Da die Lage sich aktuell von Minute zu Minute verändert, kann es zu weiteren kurzfristigen Änderungen kommen“, heißt es weiter.
Auch der Busverkehr in Hamburg und im Umland ist eingeschränkt. Wie eine Sprecherin der Hochbahn mitteilte, fahren die Hochbahn-Busse, sind aber von den Wetterverhältnissen betroffen. Es könne daher aktuell zu Taktlücken und Verspätungen bis zu 30 Minuten kommen.
NAH.SH erwartet Ausfälle und Verspätungen
Die Nahverkehrsgesellschaft Schleswig-Holstein (NAH.SH) wies darauf hin, dass es teilweise zu Betriebseinstellungen ohne Ersatzverkehr kommen dürfte. Der Nahverkehrsverbund riet, ab Freitag früh auf Fahrten mit dem ÖPNV zu verzichten. Reisen auf dem Wasser sind ebenfalls betroffen, einige Fähren von und zu den schneebedeckten Ostfriesischen Inseln werden wegen starken Ostwindes und niedriger Wasserstände am Freitag voraussichtlich nicht fahren.

Der Wintereinbruch hatte am Wochenende dafür gesorgt, dass fast 18 Stunden lang kein Bus fahren konnte. Jetzt ergreift die Stadt Maßnahmen.
Winterdienst in MV trotz des Streiks sichergestellt
Trotz eines Streikaufrufs, der auch die Straßenmeistereien im Land betrifft, werden die Bundes- und Landesstraßen in Mecklenburg-Vorpommern wie gewohnt vom Winterdienst geräumt. In einer ersten Lageeinschätzung stellte das Landesamt für Straßenbau und Verkehr nach eigenen Angaben fest, dass der entsprechende Winterdienst im gesamten Bundesland sichergestellt ist.
So sind die weiteren Wetter-Aussichten
Heute Abend zieht vom südwestlichen Niedersachsen her neuer Schneefall in den gesamten Norden. In Niedersachsen könne zunächst auch gefrierender Regen dabei sein, sagt Böttcher. Ab Freitag früh – pünktlich zum Berufsverkehr – rechnet er mit weiteren starken Schneefällen auch in Hamburg. Weitere Orte, in denen Pendler besonders vom Schneefall und den damit verbundenen Behinderungen betroffen sein dürften, seien Braunschweig, Hannover, Bremen und Oldenburg. Zwischen sieben und zwölf Zentimeter Neuschnee erwartet Böttcher dort.
Wetterexperte Böttcher: „Keine Katastrophenlage“
Böttcher stellt klar, dass das nicht bedeute, „dass wir bis zu 50 Zentimeter Neuschnee erwarten“. Generell sieht er „keine Katastrophenlage und keinen Anlass zur Besorgnis“. Die Lage unterscheide sich von der, die 1978/79 zur „Schneekatastrophe“ in Norddeutschland geführt hatte. Es handle sich vielmehr um eine Wetterlage, wie sie alle zehn bis 15 Jahre vorkomme.
Bis Freitagmittag werde der Neuschnee auch Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern erreichen. Im Flachland seien insgesamt bis zu 15 Zentimeter zusätzlich zu dem Schnee, der bereits überall liegt, möglich, im Weserbergland und im Harz bis zu 25 Zentimeter. Quer durch Niedersachsen werde am Freitag eine Luftmassengrenze verlaufen, erwartet Böttcher. Südlich der „Null-Grad-Linie“ Emden – Bremen – Celle – Wolfsburg soll es Plusgrade und zeitweise Regen geben, nördlich der Linie herrscht Dauerfrost und bis Freitagabend kann es leichten Schneefall geben.
Video:
Der Norden wappnet sich für weiteren Schneefall (5 Min)
Sturmflutwarnung für Ostseeküste ab Freitagabend
Für die Ostseeküste warnt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie für Freitagabend zudem vor einer Sturmflut. In der Kieler Bucht und in der Lübecker Bucht würden erhöhte Wasserstände bis 1,20 Meter über Normalhöhennull erwartet. Die Stadt Wismar plant bisher noch keine Herausgabe von Sandsäcken. Das sei erst ab einer Prognose von 1,25 Meter über Normalnull vorgesehen.
Samstag vor allem in SH noch mal richtig viel Neuschnee
Am Samstag soll der Schneefall vor allem in Schleswig-Holstein noch einmal deutlich zunehmen, bis zu 15 weitere Zentimeter sind dann dort möglich. Das liegt laut Wetterexperte Böttcher am sogenannten Lake-Effect: Der starke Ostwind weht dabei über die noch recht warme Ostsee, die Luft nimmt die Feuchtigkeit auf und es bilden sich „Schauerstraßen“. Diese ziehen landeinwärts und schneien sich dort ab.

Nah.SH warnt vor Reisen mit Bus und Bahn. Streudienste planen Sonderschichten. Auch Kommunen treffen Vorkehrungen für das Extremwetter.
Tiefstwerte von bis zu minus 20 Grad in der Nacht möglich
Die Temperaturen sollen ab dem Wochenende weiter absinken. Sofern die Nächte klar sind, erwartet Böttcher ab Sonntag Tiefstwerte von minus 20 Grad. Ab Mitte kommender Woche soll sich die Lage wieder etwas entspannen. Er rechnet mit einer „Milderung, jedoch ohne dass ein Ende der insgesamt winterlichen Lage zu erwarten ist“.
Mehr Patienten in den Krankenhäusern
Kliniken im Norden bereiten sich ebenfalls entsprechend der prognostizierten Wetterlage vor: Es wird mit mehr Patienten gerechnet aufgrund von Stürzen und Unfällen. So will beispielsweise die Asklepios Harzklinik in Goslar am kommenden Wochenende zusätzlich zur Rufbereitschaft weitere Reserveärzte bereithalten. Die OP-Säle werden zudem mit noch mehr Platten und Schrauben für Sturzverletzungen bestückt. Bereits jetzt seien alle Betten der Kliniken, unter anderem wegen Knochenbrüchen, belegt – auch auf der Intensivstation, sagt der Chefarzt der zentralen Notaufnahme, Jürgen Kluth. Geplante OPs würden verschoben und Patienten an die Schwesterklinik in Seesen verwiesen.

In den Notaufnahmen im Land wird es voller. Nicht nur alte Menschen stürzen auf den rutschigen Straßen und Gehwegen.
Warnung vor Betreten von Wäldern und Eisflächen
Behörden warnen vor dem Betreten von Eisflächen, Wäldern und Parks. So ist es etwa verboten, den Maschsee in Hannover zu betreten. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sei das Eis auf den Gewässern noch nicht stabil, betonen die Feuerwehren.

Minus-Grade und zugefrorene Gewässer locken Menschen vielerorts aufs Eis. Doch das ist meist viel zu dünn. Es besteht Lebensgefahr.
In Wäldern könnten Bäume unter der Schneelast zusammenbrechen. In Hamburg ist der Park Planten un Blomen seit Dienstag geschlossen. Auch viele Friedhöfe in Hamburg bleiben wegen der Wetterlage am Freitag und am Wochenende geschlossen. Auch die Niedersächsischen Landesforsten mahnen Spaziergänger zur Vorsicht. Dicke Äste und auch ganze Baumkronen seien schon abgebrochen – besonders anfällig seien Lärchen. Im Harz sollten Spaziergänge abgestorbene Bäume meiden, teilten die dortigen Landesforsten mit.

Die Feuerwehr Norderstedt wagt sich mit Spezialanzügen auf gefrorene Wasserflächen, um zu zeigen, wie schnell das Eis bricht.
Eis könnte Schifffahrt an Ostseeküste behindern
Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee warnt Schiffs- und Bootsführer vor möglicher Eisbildung entlang der deutschen Ostseeküste. Von Flensburg bis zur deutsch-polnischen Grenze müsse unter anderem auf geschützten Gewässern, aber auch anderswo damit gerechnet werden.
Verbot von Streusalz für Privatleute ausgesetzt
Unterdessen hat die Hamburger Verkehrsbehörde das Verbot von Streusalz auf Gehwegen und Nebenflächen bis zum 21. Januar aufgehoben. Es sei eine Allgemeinverfügung erlassen worden, wonach Einwohner in dieser Zeit klassisches Tausalz auf die Wege streuen dürfen, teilte die Behörde mit.
„Wir wollen, dass alle sicher durch die Stadt kommen, auch ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen“, sagte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). „Ich bitte trotzdem alle Hamburgerinnen und Hamburger, Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen und maßvoll Gebrauch vom Tausalz zu machen“, betonte Tjarks.

Nach den stärksten Schneefällen seit 15 Jahren gibt es aus dem Rathaus Lob für die Stadtreinigung – und eine Tausalz-Freigabe für die Hamburger.
Ski-Betriebe im Harz geöffnet, Loipe auf Rügen gespurt
Das Winterwetter sorgt allerdings nicht nur für Einschränkungen, sondern auch für Begeisterung bei Rodelfans und Wintersportlern – zum Beispiel im Harz: Seit dem Wochenende liegt dort teilweise eine rund 50 Zentimeter hohe Schneedecke. Ski- und Rodellifte sind in Betrieb. Auch auf den Gebirgszügen rund um Hannover liegt Schnee. Rodeln und Langlauf sind somit auch im Deister und im Solling möglich.
Sellin auf Rügen wird derweil wieder zum Anlaufpunkt für Wintersportler aus ganz Mecklenburg-Vorpommern. Die Kurverwaltung hat am Dienstag auf einer Strecke von rund zwölf Kilometern Loipen in den Schnee gezogen.

Seit Mittwochabend läuft der Lift am Heibek in Bad Lauterberg. Mit Flutlicht ist damit eine 300-Meter-Abfahrt möglich.

Auch bei Schneesturm und Blitzeis müssen Arbeitnehmer pünktlich im Betrieb sein, denn sie tragen das Wegerisiko. Absprachen mit dem Arbeitgeber sind aber sinnvoll.

In den Notaufnahmen der Kliniken landen einige „Glätteopfer“. In vielen Baumärkten ist Streugranulat oder -Splitt bereits ausverkauft.

Wegen der vereisten Gehwege hat die Stadt das Streusalz-Verbot vorübergehend aufgehoben. Am Flughafen war es entspannter.

Äste von Nadelbäumen brechen durch die Schneelast häufiger ab. Hier lohnt es sich genau hinzusehen und -zuhören.

Obwohl die Gewässer nur noch selten zugefroren sind – die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr wollen auf den Ernstfall vorbereitet sein.

Die Strecke Hamburg-Neumünster zum Beispiel war stundenlang gesperrt – Hunderte Reisende saßen fest. Auch andernorts stockte es.

Auf den Hamburger Terminals arbeitet der Winterdienst auf Hochtouren. Trotzdem kommt es zu Einschränkungen und Verzögerungen.

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