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Russland finanziert seinen Krieg mit dem Export von Gas und Öl. Trotz des anhaltenden Ukraine-Kriegs bleibt die EU einer der Hauptabnehmer – und finanziert Putins Überfall.

Moskau/Brüssel – Die EU versucht mit allen Mitteln, gegen Russlands Einnahmen aus Ölverkäufen vorzugehen. Ellenlange Sanktionslisten sollen den Verkauf eindämmen. Bis 2027 will Brüssel den Import von russischem Flüssiggas (LNG) sogar komplett verbieten. Und auch die USA haben große russische Raffinerien ins Visier genommen.

Wladimir Putin in einer Bildmontage mit EU-FlaggenMit dem Kauf von russischem LNG unterstützt die EU den russischen Angriff auf die Ukraine. © Mikhail Metzel/Arne Immanuel Bänsch/dpa/AFP

Doch wie eine Analyse der Nichtregierungsorganisation Urgewald auf Grundlage von Daten des Schiffsdaten-Providers Kpler jetzt zeigt, importiert die EU weiter große Mengen an russischem LNG – und finanziert damit den russischen Überfall auf die Ukraine mit. Die gemeinnützige Naturschutzorganisation Urgewald beschäftigt sich in ihren Untersuchungen mit umweltschädlichen und menschenrechtsverletzenden Projekten.

Mehr als 7 Milliarden Euro – EU kauft weiter große Mengen russisches Gas

In der Analyse, die Ippen.Media vorliegt, geht es dabei vor allem um Importe aus der russischen Arktis – genauer der Yamal-Halbinsel. Über das sogenannte Yamal-LNG-Projekt sollen 14,3 Prozent der gesamten EU-Importe für LNG laufen. Laut der Untersuchung gelangen so rund 15 Millionen Tonnen Flüssiggas jedes Jahr nach Europa. Die Kosten dafür belaufen sich laut Urgewald und Kpler auf 7,2 Milliarden Euro, die die EU an russische Unternehmen zahlt.

Die Europäische Union gelte für das Yamal-LNG-Projekt sogar als größter Absatzmarkt. Und im Vergleich zum Vorjahr (2024) habe sich das Exportvolumen an EU-Häfen sogar von 75,4 Prozent auf 76,1 Prozent gesteigert – trotz Bemühungen aus Brüssel, die russischen Gasexporte zu beschränken, mit denen Machthaber Wladimir Putin seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine finanziert.

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Der Ukraine-Krieg frisst enorme Summen, die Russland durch den Export wieder einnehmen muss. Wie etwa der Deutschlandfunk im Dezember des vergangenen Jahres berichtete, bezifferte der russische Verteidigungsminister Andrei Remowitsch Beloussow die Kriegskosten für 2025 mit etwa elf Billionen Rubel (rund 116 Milliarden Euro). Laut einer Untersuchung von Greenpeace im September 2025, hat der Verkauf von russischem LNG von der Yamal-Halbinsel in die EU, Steuereinnahmen von rund 9,5 Milliarden Dollar (etwa 8,1 Milliarden Euro) zwischen 2022 und 2024 generiert.

Mit den Steuereinnahmen aus der EU habe Russland den Greenpeace-Berechnungen zufolge beispielsweise 9,5 Millionen Stück 152-mm-Artilleriemunition, 271.000 Shahed-Drohnen und 2686 T-90M Kampfpanzer kaufen können. Auch Urgewald geht davon aus, dass die EU mit dem fortlaufenden Kauf von russischem Gas den Ukraine-Krieg direkt mitfinanziert.

Die EU kauft weiter russisches Gas – Milliarden für den Ukraine-Krieg

Spitzenreiter beim Import von russischem LNG ist der Untersuchung zufolge Frankreich. In das deutsche Nachbarland flossen 2025 demnach 6,8 Millionen Tonnen Flüssiggas. Rund 41,7 Prozent der gesamten Gasexporte aus Yamal sollen so nach Frankreich gelangen. Spaniens Einkäufe seien dagegen zurückgegangen. Im Jahr 2025 sollen in den Landeshäfen nur 2,8 Millionen Tonnen LNG aus Yamal gelandet sein. Ein deutlicher Rückgang zum Vorjahr, als Spanien noch 4,2 Millionen Tonnen importiert haben soll.

Das Gas erreicht die EU dabei vorwiegend über das LNG-Terminal im belgischen Zeebrügge. 58 Schiffe sind dort laut Urgewald im Jahr 2025 angekommen. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum seien in chinesischen Häfen nur 51 Schiffe gelandet. In der Konsequenz bedeutet das, dass Belgien alleine mehr LNG aus der russischen Arktis-Region Yamal importiert, als der russische Partner in Peking.

Das „Rückgrat“ der LNG-Importe aus Russland seien das britische Schifffahrtsunternehmen Seapeak und das griechische Transportunternehmen Dynagas. Seapeak habe 37,3 Prozent des in die EU exportierten Flüssiggases aus Yamal befördert. Dynagas sei dagegen für 34,3 Prozent verantwortlich gewesen.

„Logistische Lunge Russlands“ – Europas LNG-Importe wegen Ukraine-Krieg in der Kritik

Sebastian Rötters, Sanktionsaktivist bei Urgewald, findet deutliche Worte für den ungebremsten Import von russischem Flüssiggas durch die EU. „Während Brüssel das jüngste Abkommen zum Ausstieg aus russischem Gas feiert, dienen unsere Häfen weiterhin als ‚logistische Lunge‘ für Russlands größten LNG-Terminal Yamal“, so Rötters. Das könne sich die EU mit Blick auf die geopolitischen Herausforderungen nicht mehr leisten. Durch den Kauf von LNG aus Yamal zahle die EU direkt in die Kriegskasse Putins ein, „die das Gemetzel in der Ukraine am Laufen hält“.

Russland sei beim Export von LNG aus seiner Arktis-Region von insgesamt 14 Schiffen abhängig, die sich ihren Weg durch die extremen Bedingungen in der Yamal-Region bahnen können. Diese „Arc7“-Flotte könne nur kurze Wege zurücklegen, um das notwendige Transportvolumen zu erfüllen. Aufgrund der Größe und Spezialisierung der Flotte könne Russland von diesem Standort lediglich Häfen in der EU erreichen, da alle weiteren Wege zu lang seien. Damit ist das Yamal-LNG-Projekt direkt vom LNG-Import der EU abhängig.

Rötters fordert deshalb, dass die Europäische Union ihren Einfluss erkennt und diesen auch durchsetzt. „Die EU und das Vereinigte Königreich müssen sicherstellen, dass die Arc7-Flotte am Ende des Jahres nicht in die falschen Hände gerät und dann dazu beiträgt, Yamal am Leben zu erhalten.“

Die EU will russisches LNG bis 2027 vollständig verbannen – auch Yamal im Visier von Brüssel

In der EU gibt es bereits Pläne, die russischen LNG-Importe vollständig einzustellen. Allerdings soll das erst bis zum Jahr 2027 umgesetzt werden. Dass dies nicht sofort geschieht, liege an laufenden Verträgen. „Dies ist ein großer Erfolg für uns und für ganz Europa. Wir müssen die Abhängigkeit der EU von russischem Gas beenden, und ein dauerhaftes Verbot in der EU ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, erklärte der dänische Minister für Klima, Energie und Versorgung, Lars Aagaard. (Quellen: Urgewald/Kpler, Greenpeace, Deutschlandfunk. EU-Kommission) (nhi)