Ein dreistöckiges Wohnhaus mit grauer, verschmutzter Fassade, nach unten führt ein etwas heruntergekommener Abgang in den Keller. Vor dem Haus liegt eine triste Rasenfläche. Das Foto aus der Siedlung München-Nord, das die Eigentümerin, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), selbst in einer Infobroschüre veröffentlicht hat, zeigt deutlich: Hier sollte etwas passieren, um Menschen ein besseres Wohnen zu ermöglichen.

Und das hat die Bima vor. Sie will sogar sehr viel mehr Menschen ermöglichen, in der Wohnanlage an der Neuherberg-/Rockefellerstraße im Stadtbezirk Milbertshofen-Am Hart zu leben. Von derzeit 450 Wohnungen soll die Siedlung, die in den Sechzigerjahren für Angehörige der US-Armee gebaut wurde, um zusätzliche 650 Wohnungen auf 1100 Wohnungen wachsen. Der Bund will sie komplett zu günstigen Preisen vermieten, bevorzugt an seine eigenen Beschäftigten. Die Miet-Obergrenze der Bima liegt bei zehn Euro pro Quadratmeter.

Wie die Siedlung künftig aussehen soll, dazu gibt es nun ein Konzept. Der Entwurf von Bogevischs Büro Architektur (München) und Grabner Huber Lipp Landschaftsarchitekten (Freising) ist aus einem Wettbewerb als Sieger hervorgegangen. Das hat die Bima in dieser Woche bekanntgegeben.

SZ Good News

:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Mehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.

Vorgesehen sei ein durchgehender Grünzug mit „attraktiven Aufenthaltsflächen“, verspricht die Bima. „Lebendiger Mittelpunkt wird ein eigener Stadtplatz.“ Die Wohnungsgrößen sollten sich an den Bedürfnissen von Familien wie von Singles orientieren. „Der Siegerentwurf sieht eine gelungene räumliche Ordnung vor, die dem gesamten Quartier eine einladende und übersichtliche Atmosphäre verleiht“, schreibt die Jury. Vom 22. bis 28. Januar sind die Wettbewerbsbeiträge im Kulturhaus Milbertshofen, Curt-Mezger-Platz 1, ausgestellt, am 29. Januar gibt es dort ein öffentliches Expertengespräch zum Bauvorhaben von 17.30 bis 20.30 Uhr.

Es ist das zweite große Nachverdichtungsprojekt, das der Bund derzeit in München plant. Am anderen Ende der Stadt, ganz im Süden, will die Bima in der Siedlung am Perlacher Forst, auch bekannt als „Ami-Siedlung“, sogar bis zu 1000 zusätzliche Wohnungen bauen. Allerdings kämpft sie dort mit erheblichem Widerstand der bisherigen Bewohner. Zudem prüft das zuständige Landesamt derzeit, ob es die „Ami-Siedlung“ unter Denkmalschutz stellt – womit die bisherige Planung hinfällig wäre.

Ein solcher Widerstand ist aus der Siedlung München-Nord bisher nicht bekannt. Sie ist bereits 1968 von den USA auf die Bundesrepublik übergegangen und seit 1969 weitgehend an Bundesbedienstete vermietet. Die Pläne für eine Nachverdichtung sind Teil der 2018 ausgerufenen „Wohnraumoffensive“.

Im September 2023 startete der Stadtrat das Verfahren für einen neuen Bebauungsplan, mit dem das nötige Baurecht geschaffen werden soll. Das Wettbewerbsergebnis ist nun der nächste große Schritt. Die Bima will das Projekt entschlossen vorantreiben: „Der Baubeginn soll so schnell wie möglich, spätestens aber in ein bis zwei Jahren erfolgen“, teilt eine Sprecherin mit. Anfangen soll das Projekt im nördlichen Teil der Siedlung am Morsering. Im Sinne der zügigen Realisierung setzt die Bima „gezielt auf modulares und serielles Bauen“.

Die Neubauten sind teils auf bisher unbebauten Flächen vorgesehen, mit dem Ziel, möglichst viel vom Baumbestand zu erhalten. Teils werden auch Gebäude abgerissen und durch neue ersetzt. Wie viele Häuser und die darin gebundene graue Energie stehen bleiben und wie viele verschwinden sollen, dazu könne man „zum jetzigen Planungsstand noch keine verbindliche Aussage treffen“, schreibt die Bima-Sprecherin. Den Mieterinnen und Mietern von Abrissgebäuden wolle man aber stets eine Alternativwohnung anbieten, etwa in einem vorher fertiggestellten Neubau.