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NDR Info extra: Schnee und Eis im Norden (26 Min)

Stand: 08.01.2026 21:18 Uhr

Nach teilweise ergiebigen Schneefällen in Norddeutschland heute dürfte Sturmtief „Elli“ in der kommenden Nacht und morgen gebietsweise noch einmal für bis zu 15 Zentimeter Neuschnee sorgen. Der DWD hat eine amtliche Unwetterwarnung vor Schneeverwehungen herausgegeben. In Niedersachsen und Hamburg sowie in Teilen von SH bleiben morgen die Schulen geschlossen. Im Bus- und Bahnverkehr gibt es Einschränkungen.

Liveticker aus den Nordländern:

Neue Schneefälle beginnen in der Nacht

In weiten Teilen Norddeutschlands hat der Winter heute noch einmal eine Schippe draufgelegt – in Hamburg und anderen Gebieten schneite es über Stunden hinweg. Und es soll noch dicker kommen: Für die Zeit ab Freitagmorgen um 2 Uhr bis Samstagmorgen um 18 Uhr warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) für Hamburg und Bremen sowie Teile von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern vor starken Schneeverwehungen, orkanartigen Böen und starkem Schneefall. Dadurch könnte es laut DWD zusätzlich noch einmal glatter auf den Straßen und Gehwegen werden. Für das nördliche Schleswig-Holstein seien „schwere Sturmböen bis vereinzelt sogar orkanartige Böen zu erwarten“, sagte der Meteorologe Sebastian Wache auf NDR Info. Schneeverwehungen seien am Freitag fast im ganzen Norden ein Thema.

Gegen Mitternacht soll es im südlichen Niedersachsen anfangen zu schneien, danach schiebt sich die Schneefront über Bremen und Hamburg weiter in den Norden, sagte Wetter-Experte Frank Böttcher im NDR Fernsehen. Erst gegen 9 Uhr sollen Schneefälle im nördlichen Schleswig-Holstein und an der Ostseeküste einsetzen. Die Schneeverwehungen könnten laut Böttcher teilweise Höhen von 50 bis 75 Zentimeter erreichen.

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Wetterdienst ruft zweithöchste Warnstufe für Freitag aus (3 Min)

Sondersendung im NDR Fernsehen

Im NDR Fernsehen läuft heute Abend ab 20.15 Uhr die Sendung NDR Info Extra – Schnee und Eis im Norden“ – mit einer Länge von etwa 25 Minuten.

Schulausfälle in Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein

Das Winterwetter wirkt sich auf viele Schulen im Norden aus. So bleiben in ganz Niedersachsen und Bremen die Schulen am Freitag geschlossen. Während es an einigen Schulen Distanz-Unterricht geben soll, fällt der Unterricht an anderen Schulen aus. Schon am Donnerstag gab es Schulausfälle.

Auch in Hamburg fällt der Präsenzunterricht an allen Schulen am Freitag aus, wie die Schulbehörde mitteilt. Die Schulen seien verpflichtet, bis Klasse 6 eine Notbetreuung anzubieten, Online-Unterricht kann angeboten werden. Für die Klassenstufen 7 bis 12/13 soll ein digitales Unterrichtsangebot organisiert werden. Klassenarbeiten sollen die Schulen verschieben. Zudem sind alle Schulsporthallen in Hamburg zunächst bis einschließlich Montag gesperrt.

In Schleswig-Holstein fällt ebenfalls in vielen Kreisen der Schulunterricht aus. Das betrifft allgemein- und berufsbildende Schulen in den Kreisen Dithmarschen, Herzogtum Lauenburg, Nordfriesland, Pinneberg, Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Flensburg, Segeberg, Steinburg und Stormarn, wie das Bildungsministerium am Donnerstagnachmittag mitteilte. An den Förderzentren fällt im ganzen Land der Unterricht aus.

In Mecklenburg-Vorpommern soll der Unterricht an den Schulen planmäßig stattfinden. Allerdings wird es im Landkreis Nordwestmecklenburg keinen Schulbus-Verkehr geben. Auch die Fahrdienste der Spezialbeförderung fahren keine Schulen an. Dies gelte ebenfalls für die Schülerbeförderung zur Berufsschule. Auch im Landkreis Ludwigslust-Parchim wird der Linienverkehr auf den meisten Strecken eingestellt.

Tschentscher: „Ausnahme-Situation für Hamburg“

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) spricht angesichts der Schneefälle der vergangenen Tage und der Unwetterwarnung für Freitag von einer Ausnahmesituation für die Hansestadt. „Vermeiden Sie unnötige Wege und aufschiebbare Termine. Achten Sie auf Ihre Nachbarn und Mitbürger, denn gemeinsam bewältigen wir die Lage in den nächsten Tagen am besten“, sagte Tschentscher in einer Video-Botschaft.

ADAC: Lieber das Auto stehenlassen

Der ADAC empfiehlt Autofahrerinnen und Autofahrern im Norden, ihr Auto am Freitag stehenzulassen. „Zwar sind die Winterdienste den ganzen Tag im Einsatz. Schwierige Verhältnisse mit teilweise glatten Straßen werden sich aber dennoch nicht verhindern lassen“, teilte der ADAC mit. Er rät, falls möglich im Homeoffice zu arbeiten. Wer trotzdem mit dem Auto fahren müsse, solle langsam fahren und Abstand halten.

Eine Frau sitzt mit einem Laptop an einem Tisch im Homeoffice.

Viele Menschen überlegen, wegen des angekündigten Schneesturms am Freitag von zu Hause aus zu arbeiten. Was erlaubt das Arbeitsrecht?

Deutsche Bahn schränkt Fernverkehr ein

Die Deutsche Bahn teilte mit, dass es aufgrund von Sturmtief ‚Elli‘ seit Donnerstagnachmittag zu Einschränkungen im Bahnverkehr kommt. Betroffen sind demnach der Fernverkehr bundesweit und der Regionalverkehr in Norddeutschland. Zu Zugausfällen komme es unter anderem auf den Strecken Hamburg – Westerland/Kiel, Hamburg- Binz/Stralsund/Rostock sowie von Hannover ins Ruhrgebiet und von Berlin in Richtung Norddeich/Emden. Alle aktuellen Infos gibt es auf den Internetseiten der Bahn.

Bahntickets: Zugbindung ist aufgehoben

Bei Fahrkarten ist die Zugbindung aufgehoben. Sitzplatzreservierungen können kostenfrei storniert werden. Zudem gilt für Züge der Deutschen Bahn folgende Regelung: Alle Fahrgäste, die bis einschließlich Mittwoch ein Ticket für eine Reise im Zeitraum von Donnerstag bis Sonnabend gekauft haben und diese Reise verschieben möchten, können ihr Ticket zu einem späteren Zeitpunkt nutzen.

Beim Bahnanbieter Metronom fallen am Freitag mehrere Züge aus. Betroffen sind die Linien Bremen-Hamburg und Hamburg-Uelzen, bei denen jeweils einige morgendliche Verbindungen der Verstärkerzüge ausfallen, wie Metronom mitteilte.

Eingeschränkter Nahverkehr in Hamburg

Auch der öffentliche Nahverkehr in Hamburg läuft wegen des Winterwetters in Teilen nur eingeschränkt. Die S-Bahn Hamburg ruft dazu auf, auf alle nicht unbedingt nötigen Fahrten zu verzichten. Ein Ersatzverkehr sei aufgrund der Verhältnisse im Straßenverkehr nicht möglich Aktuelle Informationen finden Sie auf der Webseite der S-Bahn-Hamburg.

Hamburg: Busse fahren unregelmäßig

Auch der Busverkehr in Hamburg und im Umland ist eingeschränkt. Wie eine Sprecherin der Hochbahn mitteilte, fahren die Hochbahn-Busse, sind aber von den Wetterverhältnissen betroffen. Ähnliches teilte der Hamburger Verkehrsverbund HVV mit, zu dem 28 Verkehrsbetriebe gehören. Wo man fahren könne, werde gefahren. Der Betrieb war am Donnerstag nirgendwo flächendeckend eingestellt.

Millerntor-Stadion des FC St. Pauli

Angesichts der Wetterlage kann der Fußball-Bundesligist die Austragung der Partie am Sonnabend nicht garantieren.

NAH.SH erwartet Ausfälle und Verspätungen

Die Nahverkehrsgesellschaft Schleswig-Holstein (NAH.SH) wies darauf hin, dass es teilweise zu Betriebseinstellungen ohne Ersatzverkehr kommen könnte. Der Nahverkehrsverbund riet, ab Freitag früh auf Fahrten mit dem ÖPNV zu verzichten.

Fahrten auf dem Wasser sind ebenfalls betroffen: Einige Fähren von und zu den schneebedeckten Ostfriesischen Inseln werden wegen starken Ostwindes und niedriger Wasserstände am Freitag voraussichtlich nicht fahren.

Wegen Eisgangs auf der Elbe hat die kleine Auto- und Personenfähre „Amt Neuhaus“ zwischen Bleckede und Neu Bleckede am Donnerstag ihren Betrieb vorerst eingestellt.

Ein Bus der Kieler Verkehrsgesellschaft fährt auf einer Straße.

Der Wintereinbruch hatte am Wochenende dafür gesorgt, dass fast 18 Stunden lang kein Bus fahren konnte. Jetzt ergreift die Stadt Maßnahmen.

So sind die weiteren Wetter-Aussichten

In der Nacht zu Freitag zieht vom südwestlichen Niedersachsen her neuer Schneefall in den gesamten Norden. In Niedersachsen könne zunächst auch gefrierender Regen dabei sein, warnt Wetter-Experte Böttcher. Ab Freitag früh – pünktlich zum Berufsverkehr – rechnet er mit weiteren starken Schneefällen auch in Hamburg. „Es kommt noch mal eine Menge Schnee herunter. 5 bis 15 Zentimeter werden es wohl sein“, sagte Böttcher im NDR Fernsehen. Besonders stark betroffen sei das Gebiet der Lüneburger Heide.

Wetter-Experte Böttcher: Auf den Schnee folgt bittere Kälte

Im Zusammenspiel mit starken bis stürmischen Böen könnten dann Schneeverwehungen entstehen. Die Wetterlage beruhige sich erst am Freitagabend. „Dann lassen die größten Schneefälle nach, am Samstag gibt es noch vereinzelte Schneefälle. Aber dann folgt in der Nacht zu Sonntag bittere Kälte – mit bis zu minus 15 Grad im Norden“, sagte Böttcher.

Böttcher sieht generell „keine Katastrophen-Lage und keinen Anlass zur Besorgnis“. Die Lage unterscheide sich von der, die 1978/79 zur „Schneekatastrophe“ in Norddeutschland geführt hatte. Es handle sich vielmehr um eine Wetterlage, wie sie alle zehn bis 15 Jahre vorkomme.

Video:
Der Norden wappnet sich für weiteren Schneefall (5 Min)

Sturmflutwarnung für Ostseeküste ab Freitagabend

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat wegen des erwarteten Oststurms eine Sturmflutwarnung für die Kieler und die Lübecker Bucht herausgegeben. Sie gilt ab Freitagabend. Es werden demnach bis etwa 1,10 Meter über dem Normalwert erwartet, in der Flensburger Förde sind es bis 1,25 Meter.

Ein Bus der Kieler Verkehrsgesellschaft fährt auf einer Straße.

Nah.SH warnt vor Reisen mit Bus und Bahn. Streudienste planen Sonderschichten. Auch Kommunen treffen Vorkehrungen für das Extremwetter.

Warnung vor Betreten von Wäldern und Eisflächen

Die Behörden in Norddeutschland warnen weiterhin vor dem Betreten von Eisflächen, Wäldern und Parks. So ist es etwa verboten, den Maschsee in Hannover zu betreten. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sei das Eis auf den Gewässern noch nicht stabil, betonen die Feuerwehren.

Eine Person mit Turnschuhen testet eine Eisfläche.

Minus-Grade und zugefrorene Gewässer locken Menschen vielerorts aufs Eis. Doch das ist meist viel zu dünn. Es besteht Lebensgefahr.

In Wäldern könnten Bäume unter der Schneelast zusammenbrechen. In Hamburg ist der Park „Planten un Blomen“ seit Dienstag geschlossen. Zudem sind seit Donnerstagabend alle Friedhöfe der Stadt vorübergehend für den Publikumsverkehr geschlossen.

Für obdachlose Menschen in Hamburg wird die Hilfe ausgeweitet: So bleibt das Winternotprogramm fürs Erste auch tagsüber und somit ganztägig geöffnet. „Die aktuelle Wetterlage kann insbesondere für obdachlose Menschen lebensgefährlich sein“, teilte die Stadt am Donnerstag mit.

Eine Person in Schutzkleidung auf einer eingebrochenen Eisfläche.

Die Feuerwehr Norderstedt wagt sich mit Spezialanzügen auf gefrorene Wasserflächen, um zu zeigen, wie schnell das Eis bricht.

Eis könnte Schifffahrt an Ostseeküste behindern

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee warnt Schiffs- und Bootsführer vor möglicher Eisbildung entlang der deutschen Ostseeküste. Von Flensburg bis zur deutsch-polnischen Grenze müsse unter anderem auf geschützten Gewässern, aber auch anderswo damit gerechnet werden.

Ski-Betriebe im Harz geöffnet – Loipe auf Rügen gespurt

Das Winterwetter sorgt allerdings nicht nur für Einschränkungen, sondern auch für Begeisterung bei Rodelfans und Wintersportlern – zum Beispiel im Harz: Seit dem Wochenende liegt dort eine teilweise rund 50 Zentimeter hohe Schneedecke. Ski- und Rodellifte sind in Betrieb. Auch auf den Gebirgszügen rund um Hannover liegt Schnee. Rodeln und Langlauf sind somit auch im Deister und im Solling möglich.

Hahnenklee: Ein Mann fährt mit Skiern über eine Piste am Bocksberg im Harz.

Alpin-Ski-Gebiete und Loipen sind in Betrieb. Noch mehr Schnee gibt es am Wochenende.

Sellin auf Rügen wird derweil wieder zum Anlaufpunkt für Wintersportler aus ganz Mecklenburg-Vorpommern. Die Kurverwaltung hat am Dienstag auf einer Strecke von rund zwölf Kilometern Loipen in den Schnee gezogen.