Karte: Isfahan und Teheran, Iran

Stand: 09.01.2026 01:07 Uhr

Tränengas, vermummte Demonstranten und brennende Fahrzeuge: Im Iran haben die Proteste eine neue Eskalationsstufe erreicht. Zuvor hatten die Behörden Berichten zufolge den Internetzugang für die Bevölkerung massiv eingeschränkt.

Im Iran haben in der Nacht zu Freitag die größten Demonstrationen seit Beginn der jüngsten Protestwelle stattgefunden – das zeigen Bilder in sozialen Netzwerken. In der Hauptstadt Teheran kamen zahlreiche Menschen zusammen. Auf weiteren Bildern war eine protestierende Menschenmenge in der westiranischen Großstadt Abadan zu sehen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Augenzeugen berichteten von Sicherheitskräften, die mit Tränengas gegen vermummte Demonstranten vorgingen. Videos von Aktivisten zeigten brennende Fahrzeuge.

Proteste seit zwölf Tagen

Auch aus weiteren iranischen Städten, darunter Täbris im Norden des Landes und dem religiösen Zentrum Maschhad, übertrugen persischsprachige Exilsender Aufnahmen erheblicher Proteste. Maschhad beherbergt einen der bedeutendsten Schreine des schiitischen Islam.

In Täbris riefen Menschen laut Aufnahmen in Onlinenetzwerken unter Bezugnahme auf den Schah-Sohn „Lang lebe Pahlavi“. Die Demonstranten riefen wiederholt Parolen, die einen Sturz der islamischen Republik forderten, darunter „Pahlavi wird zurückkehren“ – unter Bezugnahme auf Reza Pahlavi, den Sohn des 1979 im Zuge der islamischen Revolution gestürzten Schahs Mohammad Reza Pahlavi.

Die Proteste dauern seit mittlerweile zwölf Tagen an. Sie hatten sich am Zorn über die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage entzündet. Seit Beginn der Protestwelle am 28. Dezember gab es Versammlungen in mindestens 50 Ortschaften und Städten vor allem im Westen des Landes.

Fast vollständiger „Internet-Blackout“

Die in London ansässige Organisation NetBlocks teilte am Donnerstag zudem mit, die iranischen Behörden hätten das Internet gesperrt, das Land befinde sich inzwischen in einem „fast vollständigen landesweiten Internet-Blackout“. Der in der iranischen Exil-Opposition aktive Schah-Sohn Pahlavi hatte zuvor angekündigt, die Führung in Teheran sei „zutiefst verängstigt“ und werde das Internet kappen. Er hatte für Donnerstagabend zu weiteren Protesten aufgerufen.

Die Internetsperre erinnert an das Vorgehen des Staates vor rund sechs Jahren: Damals protestierten vor allem Menschen wegen steigender Benzinpreise. Der Staat verhängte eine fast einwöchige Sperre, während der Schätzungen von Menschenrechtlern zufolge Hunderte Demonstrierende getötet wurden.

Trump droht erneut Staatsführung

US-Präsident Donald Trump wiederholte angesichts der jüngsten Protestwelle seine bereits zuvor geäußerten Drohungen gegen die Führung in Teheran. „Ich habe ihnen klargemacht, dass wir hart durchgreifen werden, wenn sie anfangen, Menschen zu töten, was sie bei ihren Unruhen – und sie haben viele Unruhen – häufig tun“, sagte Trump in einem Interview mit dem konservativen Radiomoderator Hugh Hewitt.

Seit Beginn der Proteste wurden nach jüngsten Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Norwegen mindestens 45 Demonstranten getötet, darunter acht Minderjährige. Iranische Behörden und Medien meldeten bislang 21 Tote, darunter auch Sicherheitskräfte.