Magdeburg – Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (71, CDU) gibt sein Amt jetzt doch noch vorzeitig auf!

Sein Nachfolger soll der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 6. September werden, Wirtschaftsminister Sven Schulze (46). Wenn alles nach Plan läuft, könnte der Landtag ihn bereits in der Sitzung am 28. und 29. Januar zum neuen Ministerpräsidenten wählen. Zuerst hatte die „Mitteldeutsche Zeitung“ berichtet.

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Für kommenden Montag sind laut Regierungssprecher Matthias Schuppe (70) Treffen der Parteiführungen aller drei Koalitionsparteien geplant. Sollten SPD und FDP zustimmen, die Koalition auch unter Führung von Schulze fortzusetzen, soll Haseloff zu einem vorzeitigen Rückzug bereit sein. Eine Erklärung von ihm würde dann am Dienstag verbreitet und der Landtag könnte bereits in seiner regulären Sitzung Ende Januar einen Nachfolger wählen.

Laut Schuppe dürfe es durch den vorzeitigen Rückzug Haseloffs in Sachsen-Anhalt auf keinen Fall zu einer Minderheitsregierung kommen. Das sei die Bedingung Haseloffs. Aus der SPD-Spitze heißt es, bisher warte man noch auf einen Beschluss der CDU. „Bisher kenne ich noch keinen Beschluss, sondern lediglich Meldungen über die Absicht des Ministerpräsidenten“, so Parteichef Andreas Schmidt (55) zu BILD.

Am 7. August 2025 verkündete Reiner Haseloff, dass er den Weg frei macht für Sven Schulze (46, l.). Der derzeitige Wirtschaftsminister sollte – so hieß es damals – erst nach der Landtagswahl in die Magdeburger Staatskanzlei einziehen

Am 7. August 2025 verkündete Reiner Haseloff, dass er den Weg frei macht für Sven Schulze (46, l.). Der derzeitige Wirtschaftsminister sollte – so hieß es damals – erst nach der Landtagswahl in die Magdeburger Staatskanzlei einziehen

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Ähnlich äußert sich FDP-Fraktionschef Andreas Silbersack (58): Wenn ein entsprechender Beschluss der CDU vorliege, werde man den auf die Tagesordnung setzen. „Wir finden, es ist eine sinnvolle Entscheidung, kraftvoll in das Jahr 2026 zu starten, für denjenigen, der den Staffelstab übernimmt“, so Silbersack zu BILD. FDP-Landeschefin Lydia Hüskens (61) erklärt auf Nachfrage von BILD: „Die CDU stellt den Ministerpräsidenten, sie ist also am Drücker und muss agieren. Danach kann sich die FDP auf ihrer Vorstandssitzung damit befassen.“

Haseloff wollte nicht noch einmal antreten

Haseloff ist seit April 2011 Ministerpräsident und damit der dienstälteste Regierungschef in Deutschland. Der 71-jährige Wittenberger hatte im vergangenen Jahr angekündigt, seine Partei nicht noch einmal in einen Landtagswahlkampf führen zu wollen – und hatte stattdessen Schulze vorgeschlagen. Der 46-jährige Harzer ist seit 2021 Landesminister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten sowie CDU-Landesvorsitzender.

Ihn will Haseloff als künftigen Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts verhindern: Ulrich Siegmund (35, AfD)

Ihn will Haseloff als künftigen Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts verhindern: Ulrich Siegmund (35, AfD)

Foto: ddp/dts Nachrichtenagentur

ABER: Haseloff war trotz seines Entschlusses, nicht weitermachen zu wollen, nicht bereit gewesen, sein Amt vorzeitig an Schulze zu übergeben. In der Berliner CDU-Führung wurde das als schlechtestmögliche Konstellation gesehen, da Schulze so keine Rest-Chance haben würde, sich zumindest noch ein paar Monate lang als Ministerpräsident zu profilieren. Aus dem Umfeld von Schulze hieß es seinerzeit: „Es ist besch…, aber es gibt keine andere Möglichkeit.“

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Begründet wurde das bisher mit dem Koalitionsvertrag. In dem sei ausdrücklich geregelt, dass die Koalition Haseloff zum Ministerpräsidenten wählt. Es gab die Befürchtung, Schulze könnte bei einer Wahl im Landtag nicht genug Stimmen bekommen. Nicht einmal bei der eigenen CDU-Fraktion könne er sicher sein. Dass es jetzt doch anders kommt, erklärt ein Insider mit dem Umfragehoch der AfD, die zuletzt auf 40 Prozent kam. Das habe zu einem Umdenken geführt.

Für AfD-Landeschef Martin Reichardt (56) offenbart das „aufgescheuchte Verhalten“ an der CDU-Spitze „die Verzweiflung angesichts eines möglichen Wahlsieges der AfD bei den kommenden Landtagswahlen“. Für Reichardt wäre der Wechsel ein Zeichen dafür, dass die CDU nicht einmal bei Personalangelegenheiten in der Lage sei, Wahlversprechen zu halten.