Lebensgroß liegen die Musiker Noah und Nico auf einer blauen Couch und doch quer im Raum. Dessen Ausstattung? Ein Traum für jede Filmcrew. Nichts fehlt in Emilia Gieses Foto-Szenerie „I hate Music“, das die Hoffnung belegt, nicht zu hoffen könnte der Weg zum Musik- und Lebensglück sein.
„Playlist“-Auftritt für Elektropunk-Duo Organisation
Organisation nennen Nicolas Rebmann und Noah Junker ihr Elektropunk-Projekt. Ein Bandname mit historischem Gewicht. Organisation tauften 1969 die Kraftwerk-Mitbegründer Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben ein musikalisches Experiment: Organisation zur Verwirklichung gemeinsamer Musikkonzepte.
Foto aus der Serie „Fear of Missing Out“ von Maxim Schipko Foto: Maxim Schipko
Was also schwingt mit, wenn sich junge Musikerinnen und Musiker heute aufmachen? Und was transportieren Studierende der Kunstakademie Stuttgart und der Merz Akademie Stuttgart, wenn sie ihren Weg in die Kunst mit Fotografie zu suchen?
„Playlist“ ist bis zum 11. Januar zu sehen
Die Schau „Playlist“ tastet sich an die Befindlichkeiten heran. Nicht in einem erwartbaren provisorischen Ausstellungsraum. Nein, diese „Playlist“ läuft auf dem Museumsflaggschiff des Landes, ist noch bis einschließlich 11. Januar in der Staatsgalerie Stuttgart zu erleben. Passt das? Wenn schon Nicolas Rebmann und Noah Junker kühl konstatieren: „Playlists sind der Tod des Albums.“ Geht also auch das Fotopanorama „Playlist“ „zulasten von Tiefe, Intention und künstlerischer Erzählstruktur“? Den Professorinnen Ulrike Myrzik (Kunstakademie) und Anja Weber (Merz Akademie) scheint das Dilemma durchaus bewusst. Ist eine Ausstellung, noch dazu mit Werken mehrerer Beteiligten, nicht immer zugleich eine Playlist und zugleich ein Ganzes, das nur zu gerne Themenfäden aufgreift und mitunter auch gewollt verknüpft?
Zwei Hochschulen, 30 Studierende und Hochspannung etwa zwischen den fein reduzierten, fast zeichnerischen Momenten von Melissa Kugele, der so leisen wie eindringlichen Annäherung an die Liebe in Alwin Maiglers Polaroid-Folge „Barefoot in the Grass“ und Semiha Degirmencis nahezu altmeisterlich-malerischem Porträt „Dear Mama“. „Playlist“ spielt mit Gegensätzen, transportiert gleichwohl überraschend durchgängig Fragen von Identität und Zugehörigkeit.
„Playlist“ bestätigt die der Fotografie vorbehalten Räume der „Gällery“ als Bühne junger Kunst. Das Schöne: An diesem Samstag und Sonntag (je 10 bis 17 Uhr) ist das „fotografische Mixtape“ noch einmal zu erleben.