Auch im neuen Jahr steht vor dem Landgericht Hamburg der Sorgerechtsstreit zwischen Christina Block und Stephan Hensel im Mittelpunkt. Drei Mitarbeiterinnen des Jugendamts sollen schildern, wie sie die Lage der betroffenen Kinder sehen.
Mit dem ersten Verhandlungstag im neuen Jahr nimmt der sogenannte Block-Prozess am Donnerstagmorgen (9.30 Uhr) wieder Fahrt auf. Für den Termin am Landgericht Hamburg sind drei Mitarbeiterinnen des Jugendamts als Zeuginnen geladen. Ihre Aussagen sollen Licht in die lange Vorgeschichte des Verfahrens bringen: den jahrelangen Sorgerechtsstreit zwischen der Hamburger Unternehmerin Christina Block und ihrem früheren Ehemann Stephan Hensel.
Die 52-Jährige, Tochter des „Block House“-Gründers Eugen Block, ist die Hauptangeklagte in dem Verfahren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Auftrag zur Entführung ihrer beiden Kinder gegeben zu haben. Die damals zehn und 13 Jahre alten Kinder lebten beim Vater in Dänemark. Nach einem Wochenendbesuch waren sie im Sommer 2021 nicht wie vereinbart nach Hamburg zurückgekehrt. Es habe danach so gut wie keinen Kontakt zur Mutter gegeben, berichtete Christina Block im Prozess – den Tatvorwurf bestreitet sie.
Sicherheitsmanager im Fokus der Ermittler
Bereits an drei Verhandlungstagen im Dezember hatte das Gericht einen Mann befragt, der als mutmaßlicher Organisator der Rückholaktion gilt. Der 68-jährige Geschäftsführer eines israelischen Sicherheitsunternehmens soll die Entführung in der Silvesternacht 2023/24 geplant und umgesetzt haben. Gegen ihn lag ein Haftbefehl vor, für seine freiwillige Aussage wurde ihm jedoch sicheres Geleit zugesichert.
Er gehört nicht zu den insgesamt sieben Angeklagten in diesem Verfahren, wird aber weiterhin als Beschuldigter geführt. Ob und wann er erneut aussagt, ist offen.
Eugen Block setzt auf die Justiz
Während sich die juristische Aufarbeitung im Gerichtssaal fortsetzt, äußerte sich Firmenpatriarch Eugen Block beim Neujahrsempfang der Block-Gruppe öffentlich zum Streit um seine Enkel. „Ich hoffe sehr, dass im neuen Jahr die Hamburger Justiz mir und meiner Familie wirklich ein gutes Recht bringt und die nötige Hilfe beschert, die wir brauchen. Die Hilfe, damit die Kinder wieder zur Mama kommen“, sagte der 85-Jährige vor mehr als hundert Gästen.
Vier Tage nach der Rückholaktion waren die beiden Kinder auf gerichtliche Anweisung wieder nach Dänemark zum Vater zurückgebracht worden. Gegen Stephan Hensel wurde ebenfalls wegen Kindesentziehung ermittelt, weil er die Kinder nach einem Wochenendbesuch bei sich behalten haben soll. Ob es zu einem Prozess gegen ihn kommt, ist bislang unklar. „Ich hoffe sehr, dass auch der Hensel bald wirklich verklagt wird. Das ist der allein Schuldige“, sagte Eugen Block.
Prozess geht weiter – öffentliche Aufmerksamkeit bleibt
Christina Block begrüßte die Gäste des Empfangs, äußerte sich aber nicht selbst. Ihr Prozess läuft seit gut einem halben Jahr und zieht weiterhin große Aufmerksamkeit auf sich – auch, weil mit Eugen Block eine der bekanntesten Unternehmerpersönlichkeiten Hamburgs betroffen ist. Der 85-Jährige hat sich zwar aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, gilt aber noch immer als „Kopf und Herz“ der Gruppe.
Während im Gerichtssaal nun die Aussagen der Jugendamts-Mitarbeiterinnen erwartet werden, bleibt die zentrale Frage offen: Wer trägt die Verantwortung für die dramatische Zuspitzung des Familienkonflikts – und was ist wirklich das Beste für die beiden Kinder? Das Landgericht wird sich diesen Fragen in den kommenden Wochen weiter widmen.
dfe, dpa