Die Arbeitnehmerkammer berichtet, dass es in den Betrieben in Bremen immer wieder zu massiven Verstößen gegen das Arbeitsrecht kommt. Das zeigen die Gespräche mit Beschäftigten in der Rechtsberatung. „Es gibt Fälle, die uns sprachlos machen“, sagte Kaarina Hauer, die Leiterin des Bereichs der Arbeitnehmerkammer Bremen.
Dazu gehört der Fall eines Familienvaters im Reinigungsgewerbe. Immer wieder übernahm er Doppelschichten und kam am Ende auf Arbeitstage mit 14 Stunden – die zudem nicht alle bezahlt wurden. Damit wurde auch der Mindestlohn unterlaufen. Der Missstand kam erst ans Licht, weil der Mann sich bei der Arbeitnehmerkammer Hilfe suchte, um bei der Firma zu kündigen.
Oft wird Hauer zufolge die prekäre Lebenslage von Beschäftigten „schamlos ausgenutzt“ – und auch ein fehlendes rechtliches Wissen: Wie in vielen Fällen sei Arbeitnehmern gar nicht bewusst, dass in ihrem Unternehmen gegen das Arbeitsrecht verstoßen werde, berichtet die Expertin. Ratsuchende erhielten zu wenig oder im schlimmsten Fall gar keinen Lohn.
Das ist Gott sei Dank nicht die Regel, aber es sind auch keine Einzelfälle.
Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer Bremen
Jeden Tag gebe es in der Beratung Fälle von Verstößen seitens der Arbeitgeber. „Das ist Gott sei Dank nicht die Regel, aber es sind auch keine Einzelfälle“, fasste es die Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer Elke Heyduck zusammen. Gerade auch Zugewanderte wüssten oft nicht, welche Rechte ihnen als Arbeitnehmer in Deutschland zustünden. Sprachbarrieren seien zusätzlich ein Problem für sie.
Im vergangenen Jahr gab es bei der Bremer Arbeitnehmerkammer 87.000 Beratungsgespräche zu verschiedenen Rechtsfragen. Ein Termin kann Hauer zufolge kurzfristig klappen: Arbeitnehmer könnten spontan zu den Standorten kommen. Ein Anruf sei vorher aber sinnvoll – auch um zu erfragen, welche Unterlagen für das Gespräch wichtig sind.
5500 Beratungen zu Kündigungen und Aufhebungsverträgen
Missstände kommen der Arbeitnehmerkammer zufolge auch immer wieder bei der Leiharbeit vor. In der Branche gebe es „schwarze Schafe“. Es seien aber längst nicht alle Betriebe problematisch, sagte Geschäftsführerin Elke Heyduck. Über Leiharbeit fänden einige in Beschäftigung: „Es gibt nichts einzuwenden gegen Zeitarbeit.“
Die Beratungen der Arbeitnehmerkammer sind Heyduck zufolge oft ein „Seismograf“, was auf dem Bremer Arbeitsmarkt passiert. Was hier beobachtet wurde: Die Zahl der Beratungen zu arbeitgeberseitigen Kündigungen und Aufhebungsverträgen hat vergangenes Jahr deutlich zugenommen – und zwar um knapp 12,7 Prozent auf fast 5500 Beratungen. Arbeitnehmer sind der Kammer zufolge weniger mutig, von ihrer Seite aus ihren Job zu kündigen. Die Beschäftigtenbefragung zeige ebenfalls: Mehr Menschen befürchten, nach Arbeitsplatzverlust keinen Job mehr zu finden als noch vor zwei Jahren.