Es ist nicht das rauschende Fest, das andere Organisationen zum 50. Geburtstag feiern würden. Es ist eher ein Beschwören des Zusammenhalts. „Wir lieben Israel“, sagt Charlotte Knobloch bei der Feier der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), deren Münchner Ableger vor einem halben Jahrhundert gegründet wurde. Der Verein werde „weiter dringend gebraucht“, sagt die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Die DIG hat ins Café Nash am Jakobsplatz geladen, zahlreiche Reden sind vorgesehen. Diese Feier sei nicht selbstverständlich, sagt Vorsitzende Bettina Nir-Vered. Man habe sich im Verein gefragt, ob es angemessen sei, in Zeiten „schwerster Krisen und Erschütterung“. Sie spielt auf den Israel-Palästina-Konflikt an, auf das Massaker vom 7. Oktober 2023, auf den Gaza-Krieg und den gestiegenen Antisemitismus in Deutschland. Nir-Vered ruft dazu auf, der Stigmatisierung von Jüdinnen und Juden entgegenzutreten, sich einzusetzen für eine „faire Diskussion“ und „Aufklärung“ zum Nahostkonflikt.

C. Bernd Sucher, Vorsitzender der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom, sagt, es habe zuletzt „besonderer Zivilcourage“ bedurft, sich gegen die antiisraelische Stimmung in Deutschland zu stellen. Am rechten und linken Rand hätten sich „in fürchterlicher Eintracht“ Judenhasser und Israelfeinde formiert. Sucher plädiert für Zusammenhalt innerhalb der jüdischen Community und würdigt die Aufgeschlossenheit von Charlotte Knobloch, die er als neuer Vorsitzender der liberalen Gemeinde spüre. Er sei „sehr froh“ gewesen, dass die von ihm verehrte Knobloch „nicht zögerte, mich zu empfangen“. Es sei ein gutes Zeichen, dass sie zusammen Pläne schmiedeten für eine sichtbare kulturelle Zusammenarbeit.

Momente der Heiterkeit sind selten an diesem Feier-Abend, im Hintergrund schwingt die weiterhin angespannte Lage mit. „Wenn es um Israel geht, gehen die Emotionen hoch“, sagt Münchens Bürgermeister Dominik Krause. Diese Emotion sei Teil der besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Krause ist Mitglied der DIG und bekannt für seine Verbundenheit mit Israel. Er tritt für die Grünen als Oberbürgermeister-Kandidat an, Knobloch sagt: „Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.“

In der Sympathie für Israel steht ihm Ludwig Spaenle nicht nach; der CSU-Politiker ist Beauftragter der Staatsregierung für jüdisches Leben. Ihm gelingt es, der Feier ein kurzes Lachen zu injizieren. Zunächst erinnert er an eine Versammlung vor genau 80 Jahren, als sich nicht einmal ein Jahr nach Kriegsende in München das Zentralkomitee der jüdischen Displaced Persons getroffen habe, eine Vereinigung von Menschen, die den Holocaust überlebt hatten. Dabei, sagt Spaenle, sei der Gedanke einer Staatswerdung Israels öffentlich geworden, wohl zu einem der ersten Male in Europa überhaupt; gejubelt hätten die Delegierten, erzählt Spaenle, als David Ben-Gurion dies thematisiert habe, jener Mann, der 1948 erster Ministerpräsident Israels wurde.

Wer nach Israel fliege, sagt Spaenle, komme am Ben-Gurion-Flughafen an, und dort gebe es eine spezielle „gastronomische Stätte“, Ausdruck der Verbindung Bayerns mit Israel. „Sie kriegen da nämlich Weißbier und einen unsagbar schlechten Leberkäse.“ Das Lachen der Feier-Gemeinde ist ein Durchatmen.

Dann erzählt Spaenle von seinem Besuch nach dem 7. Oktober in einem Kibbuz, Heimat von Menschen, die ein gutes Miteinander zwischen Israelis und Palästinensern anstrebten. Vor einem zerstörten Haus sei er gestanden, an dem noch immer zwei Fahnen gehangen seien, eine israelische, eine palästinensische. Beide seien mit Blut besudelt gewesen. Spaenle endet mit einem Appell: In den aktuellen Zeiten brauche Israel Freunde. „Dieses Land ist ein Geschenk für diese Welt.“