Lwiw (Ukraine) – Nach Angaben aus Moskau hat Russland bei dem Angriff auf die Westukraine die gefürchtete neue Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt. Das teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Es wäre der zweite Angriff mit einer Rakete dieses Typs auf die Ukraine.
Sie wiegt mehr als 40 Tonnen: Hier schlägt Putins neue Rakete ein
Quelle: Reuters / @bayraktar_1love / @mog_russEN09.01.2026
Bei dem Angriff seien Drohnenfabriken und Energieanlagen getroffen worden, hieß es von dem russischen Ministerium. Die Attacke sei als Reaktion auf den angeblichen „Terroranschlag des Kiewer Regimes“ auf eine Residenz von Kreml-Diktator Wladimir Putin Ende Dezember erfolgt. Diesen Vorwurf hatte die Ukraine als „Lüge“ zurückgewiesen. Auch der US-Geheimdienst CIA kam nach einer Analyse zu dem Schluss, dass die Residenz nicht angegriffen wurde.

Laut Kreml soll auf diesem Foto angeblich der Transport eines Oreschnik-Systems während einer Übung zu sehen sein
Foto: Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa
80 Kilometer von Nato-Grenze entfernt
Der Angriff ereignete sich nur rund 80 Kilometer von der Nato-Grenze entfernt: Lwiw liegt im Westen der Ukraine dicht an Polen. Die Oreschnik-Rakete ist eine Hyperschall-Rakete und grundsätzlich atomwaffenfähig. Hinweise darauf, dass sie tatsächlich nuklearbestückt war, gibt es aber nicht: Die Militärverwaltung von Lwiw erklärte, die Strahlenwerte lägen im normalen Bereich.
Erstmals hatte Putin die Oreschnik-Rakete im November 2024 abgefeuert. Damals traf sie die Großstadt Dnipro (1 Mio. Einwohner). Die Rakete war damals nicht mit Gefechtssprengköpfen ausgestattet. Die Schäden wurden allein durch die hohe Geschwindigkeit der Rakete selbst angerichtet.
USA warnten vor „bedeutendem Luftangriff“
Der Kreml behauptet, dass es keinen Schutz gegen die Oreschnik-Rakete gibt. Tatsächlich soll aber das israelische Abwehrsystem Arrow 3 die russische Waffe abfangen können. Auch Deutschland beschaffte sich deshalb das Arrow-System. Die Kreml-Propaganda prahlt damit, dass die Oreschnik den US-Stützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz angeblich innerhalb von sechs Minuten erreichen könne.
Der Vorgänger der Oreschnik-Rakete war einst durch den INF-Vertrag zwischen den USA und Russland verboten. Mit diesem sollten atomare Mittelstreckenraketen verbannt werden. Das Abkommen wurde im August 2019 von beiden Seiten aufgekündigt.
Die US-Botschaft in Kiew hatte am Donnerstag davor gewarnt, dass es in den kommenden Tagen zu einem „potenziell bedeutenden Luftangriff“ kommen könne. Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj (47) wiederholte diese Warnung, die selten ausgesprochen wird, in seiner abendlichen Ansprache.
Hinweis: In einer ersten Version hieß es, dass die Entwicklung der Oreschnik-Rakete unter dem INF-Vertrag verboten gewesen sei. Richtig ist, dass lediglich der Vorgänger der Oreschnik, RS-26 Rubesch, aus amerikanischer Sicht unter das Abkommen fiel. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, diesen zu entschuldigen.
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Quelle: BILD09.01.2026