Leipzig – Leipzigs rotester Stadtteil steht wieder unter Hochspannung – dieses Mal droht Krawall aus den eigenen Reihen. Linke gegen Linke!
Am 17. Januar wollen sogenannte „propalästinensische Gruppen“ unter dem Slogan „Antifa means: Free Palestine“ durch Leipzig-Connewitz ziehen.
Zielscheibe: die sächsische Linken-Abgeordnete Juliane Nagel (47), ihr Abgeordnetenbüro linXXnet – und das linke Kulturzentrum „Conne Island“. Mobilisiert wird von der Gruppe „Handala“, einer Gruppierung, die als explizit antisemitisch im sächsischen Verfassungsschutzbericht auftaucht. Unterstützt von Students for Palestine!
Der Vorwurf gegen Nagel: zu israelfreundlich, zu „antideutsch“, zu wenig Gaza.
Linke gegen linke Antisemiten
Hinter dem Konflikt steckt laut Insidern eine Auseinandersetzung um die Vorherrschaft im Szeneviertel. Linke wie Nagel, für die das Existenzrecht Israels unverhandelbar ist, gegen linksextremistische Judenhasser auf der anderen Seite, die vom Apartheidstaat Israel schwurbeln und „den Diskurs bestimmen und die Vorherrschaft im Viertel erringen wollen“, so ein Linkspartei-Stratege.
Die Lage ist so explosiv, dass sogar die Rechten Beifall klatschen. Die Partei „Freie Sachsen“ frohlockt öffentlich über den angekündigten Aufmarsch gegen die „Antifa-Hochburg“.
„Feinde markieren, einschüchtern, bedrohen“
Juliane Nagel selbst zeigt sich alarmiert. Der Aufmarsch „bedrückt und beunruhigt mich hochgradig“, sagt sie. Es gehe nicht um Debatte, sondern darum, „Feinde zu markieren und eine ideologische Machtdemonstration zu veranstalten“.

Juliane Nagel (47) gilt in Leipzig als linke Ikone und gut vernetzt in die autonome Szene. Jetzt wurde sie zur Zielscheibe von linksextremen Antisemiten, die am 17. Januar gegen die Politikerin demonstrieren wollen
Foto: Peter Müller
Während sich Connewitz auf Polizeihubschrauber, Hundertschaften und Pufferzonen vorbereitet, versucht die Bundespartei im Vorfeld den Brand zu löschen.
Linke-Führung schlägt Alarm
In einer ungewöhnlich scharfen Pressemitteilung warnt die Linken-Parteispitze vor „massiven Angriffen“ und „regelrechten Kampagnen“ gegen eigene Genossinnen und Genossen.
„Der Angriff auf unsere Genoss*innen ist ein Angriff auf uns alle“, heißt es wörtlich in einer Erklärung der Bundesvorsitzenden Ines Schwerdtner (36) und Jan van Aken (64). „Wir verurteilen diese tätlichen Übergriffe, den Psychoterror auf der Straße und den Hass im Netz.“
Der Anlass reicht weit über Leipzig hinaus. Seit Monaten werde Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) „massiv gehetzt – im Netz wie auf der Straße“. Und dann der Schock aus Brandenburg: Ein Brandanschlag auf Andreas Büttner, Antisemitismusbeauftragter des Landes und Linken-Mitglied. Sein Gartenhaus brannte, an der Haustür prangte ein rotes Dreieck – Symbol der Hamas.