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Eine Vampirin, ein Pianist am Klavier und Kino-Betreiber Karl-Heinz Meier als Gastgeber: In der „Lichtburg“ ist ein Kurzfilm mit besonderem Anspruch entstanden. Matthias Ventker (li.) spielt darin die Hauptrolle. © Carsten Sander
Das Kult-Kino Lichtburg in Quernheim diente erstmals als Drehort für einen Kurzfilm. In der Episode der Reihe „MusicStories“ vom Produktionsteam „Blickfänger“ wird klassische Musik von Frédéric Chopin mit einer Grusel-Comedy-Geschichte rund um den Pianisten und eine Vampirin verbunden.
Quernheim – Dass im Kino Filme geschaut werden, ist Sinn und Zweck des Ganzen. Dass im Kino ein Film gedreht wird, kommt hingegen eher selten vor. Die „Lichtburg“ in Quernheim, mehrfach prämiertes Kult-Kino mit Einzigartigkeitscharakter, ist jetzt jedoch zur Kulisse für einen Kurzfilm mit einem besonderen Anspruch geworden. Die Produktionsfirma „Blickfänger“ nutzte die beiden Kinosäle und die Außenansicht der „Lichtburg“, um im Rahmen ihrer Serie „MusicStories“ eine neue Episode zu drehen. In den Hauptrollen: ein Pianist, eine Vampirin und Chopin.
Auch Karl-Heinz Meier, Herz und Seele des Quernheimer Kinos, bekommt in dem etwa 15 Minuten langen Film einen kleinen Auftritt, verraten Elena Walter und Emanuel Fusillo, die hinter „Blickfänger“ stecken. Dass Meier in einer kurzen Sequenz auftauchen wird, ist gewissermaßen der Dank dafür, dass er den Filmemachern für zwei Drehtage die Türen geöffnet hat. Und selbst der Kinochef staunte nicht schlecht, als er zunächst sah, wie die Filmcrew – inklusive Komparsen immerhin 25 Personen stark – ein Klavier in eines der beiden Kinos wuchtete, und dann hörte, wie schön Matthias Ventker darauf zu spielen vermag. In diesem Fall die Klaviersonate Nr. 2 und das Nocturne Nr. 2 von Frédéric Chopin. Ventker ist Schauspieler und ausgebildeter Pianist. Damit ist er wie gemacht für die Idee, die hinter „MusicStories“ steckt. Es geht darum, klassische Musik mit bildhaften Geschichten zu verbinden. Das Ganze „aber nicht im Sinne eines Musikvideos“, erklärt Emanuel Fusillo: „Wir nehmen bekannte klassische Musik und erfinden dazu eine Geschichte, die zur Musik passt.“
Sie produzieren die „MusicStories“: Elena Walter (re.) und Emanuel Fusillo. © Carsten Sander
So sind in der Reihe „MusicStories“ bereits sechs Episoden entstanden und auf Filmfestivals in Deutschland, aber auch in Spanien, vorgestellt worden. Mit Erfolg. Bei der „Seriale“ in Gießen wurde „MusicStories“ für die beste Idee ausgezeichnet. „Das hat uns gefreut, weil die Jury verstanden hat, worum es uns geht“, sagt Fusillo. Jede Episode erzählt eine eigene Geschichte und bedient ein anderes Genre. Vom historischen Drama bis zum Abenteuerfilm reicht die Palette. „Es gibt zwischen den einzelnen Filmen keinen roten Faden in der Handlung. Der einzige rote Faden ist die Musik“, erläutert Elena Walter. Sie stammt aus Osnabrück und hat gemeinsam mit dem Dortmunder Emanuel Fusillo die „Blickfänger“ gegründet.
Die in Quernheim produzierte Episode, die erste der zweiten Staffel, einzuordnen, fällt indes nicht so leicht. „Vielleicht trifft Grusel-Comedy es relativ gut“, meint Matthias Ventker. Der Plot: Ein Pianist vertont zu Zeiten des Stumm- und Schwarz-Weiß-Films live im Lichtspielhaus einen Vampirfilm. Mit der Musik von Chopin. Er entwickelt dabei eine Obsession für den Film und die Vampirin, die irgendwann die Leinwand verlässt und die reale Welt betritt …
Es gibt zwischen den Handlungen der einzelnen Episoden keinen roten Faden. Der einzige rote Faden ist die Musik.
Fünf bis zehn Minuten ist eine Episode lang, mehr nicht. Dafür waren drei Drehtage veranschlagt. Zwei in Quernheim und einer im Wittlager Land, der Heimat von Matthias Ventker. Seit seiner Kindheit kennt er die „Lichtburg“, und ihm war klar: Das ist der ideale Drehort: „Wir mussten hier nichts herrichten. Alles ist schon genau so, wie wir es haben möchten. Wir konnten sofort loslegen.“
Für Karl-Heinz Meier war der Filmdreh eine Premiere. Kamerateams waren zwar schon vielfach bei ihm zu Gast – immerhin sind bereits 35 TV-Beiträge über sein Kino (das der 500-Einwohner-Gemeinde Quernheim den Titel als „kleinster Kinoort Deutschlands“ einbringt) erschienen. Doch Filmkulisse war die „Lichtburg“ zuvor noch nie. „Ich habe dem Team gerne zugesagt“, sagt Meier, denn: „Es ist ja schon etwas Besonderes.“
Wenn die „Blickfänger“ weitere „MusicStories“ produziert haben und damit auf Festivalreise waren, ist eine Rückkehr nach Quernheim geplant. Dann sollen in der „Lichtburg“ alle Episoden der Reihe gezeigt werden, und das Kino ist nicht mehr Kulisse, sondern wieder Kino.