Eine Bar, in der fast alles aus der Dose kommt, klingt für viele erst einmal etwas ungewöhnlich. In Japan ist genau dieses Konzept seit Jahren etabliert und erlebt nun eine spürbare Rückkehr. Die Bar-Kette Mr. Kanso nutz dabei gezielt die wachsende Zahl ausländischer Besucher im Land.

Hinter dem Konzept mit den Dosen steckt das Unternehmen Clean Brothers Inc. aus Osaka. Nach einem deutlichen Rückgang während der COVID-19-Pandemie richtet sich der Blick nun wieder nach vorne. Statt auf Expansion im Inland setzt das Unternehmen auf ein klares Profil und Produkte, die sich auch als Mitbringsel eignen.

Von einer Idee zur Bar-Kette

Die erste Mr. Kanso Bar eröffnete bereits im Jahr 2002 im Stadtteil Minami-Horie im Nishi Ward von Osaka. Gäste konnten dort Konservendosen aus Regalen auswählen und direkt an der Theke mit Getränken verzehren. Auf der Karte standen japanische Klassiker wie Takoyaki, Dashimaki-Omlett oder Rinderfleisch aus der Präfektur Miyazaki, alles in Dosenform.

Das Konzept sorgte für viel Aufsehen. Bis 2015 wuchs das Franchise-Netzwerk auf 44 Standorte in ganz Japan. Die COVID-19-Pandemie bremste die Entwicklung dennoch deutlich. 2025 zählte die beliebte Kette nur noch 32 Filialen. Laut Michio Kawabata, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei Clean Brothers, habe sich das Trinkverhalten vieler Menschen verändert, mit mehr Konsum zu Hause und wesentlich wenigeren Barbesuchen.

Familienunternehmen mit eigenen Produktanspruch

Clean Brothers entstand ursprünglich nicht aus der Gastronomie, sonder aus einem Kunstprojekt. Firmengründer Yoshihito Kawabata entwickelte Ende der neunziger Jahre die Idee, lehrstehende Flächen in Bürokomplexen für junge Künstler zu nutzen. Durch solch einen Ort der Kreativität entstand später die erste Bar.

Heute wird das Unternehmen vollständig von der Familie Kawabata geführt. Yoshihito Kawabata ist Vorsitzender, sein ältester Sohn Keiji Präsident, der zweite Sohn Takeshi Managing Director. Michio Kawabata ist als dritter Sohn für die gesamte Kommunikation des Unternehmens zuständig. Laut Angaben des Familienunternehmens sollen alle angebotenen Produkte „omoroi“, also unterhaltsam und ungewöhnlich sein.

Rund 300 verschiedene Konserven umfasst das Sortiment, mindestens 20 davon sind aus eigener Entwicklung entstanden. Eine Dose Takoyaki kostet rund vier Euro und verkaufte sich in Hochphasen bis zu zehntausend Mal pro Jahr. Auch Paella, Chanko-Nabe und sogar Cheesecake gehören zum Angebot.

Neue Chancen durch ausländische Besucher

Inzwischen profitieren die Dosenbars stark vom internationalen Tourismus in ganz Japan. Viele ausländische Gäste möchten Produkte mit nach Hause nehmen, die sie zuvor probiert haben. Besonders gefragt sind hochwertige Konserven wie Rindfleisch, Thunfisch und Jakobsmuscheln. Auch aromatisierte Nüssen verkaufen sich gut.

Nach Varianten mit Wasabi und Curry plant Clean Brothers eine neue Geschmacksrichtung mit Mentaiko. Derzeit betreibt das Unternehmen vier Mr. Kanso Bars selbst sowie einen eigenen Onlineshop, in dem man Produkte leicht bestellen kann. Frühere Standorte in Taiwan und Hong Kong wurden wieder geschlossen, da sie erstmals als Testläufe für Auslandsmärkte dienten.

Clean Brothers setzt weiterhin auf eigene Produktentwicklungen und touristische Nachfrage. Das Dosenkonzept soll dennoch bewusst einfach gehalten werden, da der Fokus auf dem Geschmack, der Haltbarkeit und vor allem auf dem Wiedererkennungswert liegen soll.