Volleyballer Alexander Benz im rot-gelben Trikot von den Baden Volleys streckt die Arme in die Höhe und freut sich.

Achtung, hier kommt Alex: Alexander Benz ist trotz seiner Teilzeitarbeit einer der Leistungsträger der Baden Volleys.

Foto: Andreas Arndt

Manchmal ist Alexander Benz selbst überrascht. „Ich hatte nicht erwartet, dass ich in dieser Saison eine solche Rolle auf dem Feld spielen würde“, gibt der Angreifer der Baden Volleys frank und frei zu.

Eher, auch daraus macht er keinen Hehl, hatte er damit gerechnet, in erster Linie dann zum Einsatz zu kommen, wenn es nicht so gut läuft bei den Karlsruher Bundesliga-Volleyballern oder Verletzungen es erforderlich machen. „Wenn man ehrlich ist, war ich eher als Notnagel eingeplant“, stellt Benz fest.

Dabei ist es keineswegs so, dass der 30-jährige Schmettermann in der Vergangenheit im rot-gelben Trikot der Badener nicht überzeugt hätte.

Ganz im Gegenteil: Vor der Saison 2022/23, also im letzten Zweitligajahr, vom damaligen Drittligisten TSV Allianz Stuttgart zum SSC gekommen, wurde Benz mit seinen wuchtigen Schmetterschlägen nicht nur schnell einer der Leistungsträger der Aufstiegsmannschaft, sondern blieb dies auch in den beiden ersten Erstligajahren der Badener.

Fulltime-Job und Bundesliga war auf Dauer zu viel

Dass am Ende der zurückliegenden Runde die Zeichen zunächst dennoch in Richtung Trennung tendierten, hatte entsprechend wenig mit Volleyball zu tun als vielmehr mit dem Leben an sich.

Seit drei Jahren arbeitet Benz als Software-Ingenieur bei Suss Micro Tec, einem der weltweit führenden Anbieter von Technologien für die Halbleiterindustrie mit Sitz in Sternenfels, in der Nähe von Bretten gelegen.

Drei Jahre machte er die Strapazen mit, die sich von ganz alleine ergeben, wenn einer acht, neun Stunden am Tag arbeitet und abends mindestens viermal die Woche trainiert, um nebenbei Bundesliga spielen zu können. Die Wochenenden mit den Spielen und Auswärtsfahrten bisweilen durch die ganze Republik noch gar nicht eingerechnet.

Als „brutal anstrengend“ hat Benz diese Doppelbelastung immer mehr empfunden. „Arbeit, Training, Auswärtsfahrten – das war auf Dauer einfach zu viel. Ich war am Ende dauererledigt“, erzählt er. „Deswegen war klar, dass ich nicht länger so weitermachen kann“, stellt er rückblickend fest.

Aufhören oder Kürzertreten lautete die Wahl, vor die er sich selbst stellte. Zweimal Training pro Woche und lediglich die Teilnahme an Heimspielen war letztendlich das, was er sich auch weiterhin vorstellen konnte.

„Es war dann die Frage, ob das auch für den Verein und den Trainer passt“, erzählt Benz. Vor allem die Zustimmung von Trainer Guido Görtzen, der mittlerweile für den langjährigen Erfolgscoach und Benz-Entdecker Antonio Bonelli gekommen war, war ihm wichtig.

Es passte, auch weil die Baden Volleys sich nahezu komplett in einem Neuaufbau befanden und ihnen potenzielle Neuverpflichtungen nicht eben die Tür einrannten. Umso wichtiger war es, neben dem Verbleib von Libero Mika Ahmann und Mittelblocker Lenart Heckel auch jenen von Alexander Benz vermelden zu können.

Ein Volleyballspieler schlägt den Ball, drei gegnerische Spieler springen am Netz zum Block. Zuschauer im Hintergrund.

Alexander Benz bei der Arbeit: Im Angriff wuchtig zugeschlagen hat der 30-Jährige schon immer.

Foto: Andreas Arndt

„Wir haben gemeinsam eine gute Lösung gefunden, die es mir ermöglicht, weiterhin Teil der Baden Volleys zu sein“, wurde der 30-Jährige in der dazugehörigen Pressemitteilung zitiert. Letzten Endes fungierte er schon da als eine Art Notnagel. „Wenn der Verein eine Option gehabt hätte, jemanden zu holen, der immer mittrainiert, hätten sie wahrscheinlich den verpflichtet“, stellt Benz nüchtern fest.

Aus dem Not-Benz ist längst ein Tugend-Alex geworden. Zusammen mit Neuzugang John Obi ist „der letzte Amateur“ im Team (Benz über Benz) der SSC-Spieler der Hinrunde, auch die Statistik untermauert das: 89 Punkte hat Benz, obwohl lediglich Teilzeitarbeiter, mit seinen 177 Angriffen, auf die er in seinen acht Spielen und 29 Sätzen in dieser Saison bislang gekommen ist, beigesteuert.

Er ist die absolute Zuverlässigkeit.

SSC-Coach Guido Görtzen

über Alexander Benz

Das ergibt knapp 3,1 Punkte pro Satz – und damit einen Top-Wert, zumal für einen Spieler einer Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte. Auch im Aufschlag war er nicht nur wegen seiner neun direkten Punkte einer der Besten. Dass Benz zudem auch noch über eine für einen Angreifer mehr als respektable Annahme verfügt, macht ihn nur noch wertvoller.

„Er ist die absolute Zuverlässigkeit“, lobt denn auch Trainer Görtzen seinen Diagonalen neben all dessen spielerischem Vermögen. Von Anfang an hat der niederländische Olympiasieger die Qualitäten des Dauerbrenners im SSC-Dress erkannt – und auf sie gesetzt.

Sonst hätte er ihm kaum das Sonderrecht der Teilzeit- und Heimarbeit zugestanden. Auch in der Mannschaft ist dieses akzeptiert. Der Rest der Truppe weiß zu schätzen, was sie an ihrem alten Benz hat.

Dabei ist es, wenn schon kein Wunder, so doch mindestens ein Phänomen, wie Benz in dieser Saison volleyballerisch noch einmal einen draufsetzt und trotz aller Bescheidenheit selbst nicht ausschließt, der beste Benz ever zu sein, trotz reduzierten Trainings.

Wenn man über einen Block nicht drüber- oder vorbeischlagen kann, ist es oft eine gute Möglichkeit, ihn anzuschlagen.

Alexander Benz

SSC-Dauerbrenner

Gerne wuchtig draufgehauen hat der 30-Jährige dabei durchaus schon immer. „Ich bin nicht als feinfühliger Spieler bekannt“, hat er einmal über sich selbst gesagt. Nun freilich zahlt sich mehr denn je aus, dass er seine Schmetterei schon immer auch mit Köpfchen betrieben hat, um seine körperlichen Nachteile gegenüber den meist größeren und oft auch athletischer wirkenden Haudraufs der Liga wettmachen zu können.

„Wenn man über einen Block nicht drüber- oder vorbeischlagen kann, ist es oft eine gute Möglichkeit, ihn anzuschlagen“, plaudert Benz aus dem Nähkästchen eines Routiniers. Nicht zuletzt diese Kunst hat er sich längst in der ihm eigenen Ruhe und Bodenständigkeit („Ich lasse mich nicht so schnell drausbringen“) zu eigen gemacht.

Am Samstag gegen Dachau favorisiert

Ein fast noch wichtigerer Faktor für die Form seines Lebens dürfte sein, dass er die für sich richtige Balance zwischen Job, Training und allem anderen gefunden hat, gerade weil er weniger trainiert, auch wenn sich das zunächst paradox anhört. „Ich bin viel entspannter und habe viel mehr Energie“, sagt Benz.

Damit hat er wesentlich dazu beigetragen, dass die derzeit zehntplatzierten Baden Volleys unvermindert die Chance auf Relegationsplatz acht haben. „Die erste Saisonhälfte verlief deutlich besser, als ich nach der Vorbereitung erwartet hatte“, sagt Benz. Nicht nur sein eigenes Spiel meint er damit.

An diesem Samstag (20 Uhr/Dyn) können die Baden Volleys drei weitere Zähler aufs Punktekonto schaufeln, gegen den Rangvorletzten ASV Dachau gelten sie durchaus als Favorit, zumal in der heimischen Lina-Radke-Halle – und also mit Benz.

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