Feuerfontänen an Champagnerflaschen haben in Crans-Montana eine verheerende Brandkatastrophe ausgelöst. Seitdem wird auch in Stuttgarter Clubs über die Risiken solcher Showeffekte diskutiert – etliche Locations haben sie inzwischen gestrichen oder durch LED-Blitzstäbe ersetzt. Auf eine andere, weniger sichtbare Gefahr weist Pascal Huber hin, der Chef von SDH-Security, der unter anderem bei den Partys im Winterdörfle in Leinfelden-Echterdingen im Einsatz ist: auf die wachsende Bedrohung durch K.o.-Topfen.

Das Fazit nach Test fällt ernüchternd aus

Mit Blick auf die bevorstehende Faschingssaison wächst die Sorge vor Übergriffen durch K.-o.-Tropfen. Der Stuttgarter Sicherheitschef Pascal Huber hat deshalb gemeinsam mit einem befreundeten Polizeibeamten sogenannte Testarmbänder, die online als schneller Schutz angepriesen werden, praktisch überprüft und den Test ins Netz gestellt. Sein Fazit fällt ernüchternd aus.

Auf den Armbändern (zehn Stück kosten um die 25 Euro) befinden sich kleine Testfelder. Diese sollen anzeigen, ob sich K.-o.-Tropfen – etwa Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) – in einem Getränk befinden. Die Idee: Man träufelt etwas vom Drink auf das Testfeld, das sich im Fall einer Belastung verfärbt.

Im Winterdörfle in Leinfelden werden Feuerfontänen an Champagnerfalschen durch LED-Blitzstäbe ersetzt. Foto: Uwe Bogen Verfärbung nur bei „pur“ aufgetragenem Stoff

Das Ergebnis des Praxistests ist aus Hubers Sicht eindeutig: „Die Bänder fallen durch.“ Eine Verfärbung sei nur dann aufgetreten, wenn K.-o.-Tropfen nahezu pur auf das Testfeld gegeben worden seien. Befanden sich die Tropfen hingegen – wie im Ernstfall – verdünnt in einem Getränk, habe das Armband nicht reagiert. „Wer glaubt, sich mit diesen Testbändern zu schützen, wiegt sich in falscher Sicherheit“, sagt der Sicherheitsexperte. Die Investition könne man sich sparen.

K.-o.-Tropfen: Schnelle Wirkung, gefährliche Folgen

Dabei ist die Gefahr real. K.-o.-Tropfen wirken schnell, sedierend und machen Betroffene oft völlig wehrlos. Häufig kommt es zu Erinnerungslücken, Übelkeit oder Schwindel, nicht selten zu einem Kreislaufkollaps. „Die Betroffenen klappen zusammen“, berichtet Huber aus seiner Erfahrung. In solchen Fällen helfe nur, sofort den Notarzt zu rufen.

Vorsicht vor fremden Getränken und „Geschenken“

Statt auf Testarmbänder zu setzen, rät der Security-Chef zu klassischen, aber wirksamen Vorsichtsmaßnahmen: Getränke niemals unbeaufsichtigt stehen lassen, keine fremden Drinks annehmen und skeptisch bei vermeintlichen Geschenken sein. Mehrfach habe er erlebt, dass Frauen sediert wurden, nachdem ihnen kleine Spirituosenfläschchen oder Liköre – etwa in der Art von „Kleiner Feigling“ – angeboten worden seien. „Solche Geschenke sollte man auf keinen Fall annehmen“, warnt Huber.

Toxikologen warnen: Schnelltests oft unzuverlässig

Auch Toxikologen und Betroffene sexualisierter Gewalt warnen seit Längerem davor, sich auf technische Schnelltests zu verlassen. Zwar versprechen Armbänder oder Papierstreifen einen einfachen Nachweis, doch sie erkennen meist nur einzelne Substanzen und reagieren oft nicht zuverlässig bei stark verdünnten Mischungen.

Zahl der Verdachtsfälle steigt seit Jahren

Dass es sich um kein Randphänomen handelt, zeigen mehrere Vorfälle der vergangenen Jahre. In der Nacht auf den 1. November 2025 kam es bei einer großen Halloween-Party im Kulturhaus Arena im Stuttgarter Stadtteil Wangen zu einem Großeinsatz: Rund zehn Besucher brachen plötzlich zusammen, klagten über Übelkeit, Schwindel und Erinnerungslücken. Mehrere kamen ins Krankenhaus. Die Polizei prüfte den Einsatz von K.-o.-Tropfen, Blutproben sollten Klarheit bringen. Die Ermittlungen wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung laufen bis heute gegen Unbekannt.

Besorgniserregender Anstieg bei K.-o.-Tropfen-Fällen

Auch statistisch zeichnet sich ein besorgniserregender Trend ab. Nach Angaben des Landespolizeipräsidiums wurden im vergangenen Herbst 171 Straftaten im Zusammenhang mit K.-o.-Tropfen in Baden-Württemberg registriert. Im Jahr 2021 waren es noch 98 Fälle, 2015 etwa 230 unter der Rubrik „Körperverletzung durch Vergiftung“. 2006 wurden lediglich 13 Fälle erfasst. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Die Opfer sind überwiegend Frauen, die Motive reichen von sexualisierter Gewalt über Raub bis hin zu „falsch verstandenem Spaß“.

„Prävention beginnt nicht am Handgelenk“

Für Pascal Huber ist die Sache klar: Technische Hilfsmittel wie Testarmbänder sind kein verlässlicher Schutz. Entscheidend seien Aufmerksamkeit, gegenseitige Unterstützung im Freundeskreis und schnelles Handeln im Ernstfall. „Prävention beginnt nicht am Handgelenk“, sagt er, „sondern beim Umgang mit dem eigenen Getränk – und beim Hinschauen.“