Sechs Mal Reiter: mal breiter, mal weniger breit lächelnd, im Gespräch mit Bürgern oder einfach siegessicher dreinblickend. Sechs Mal ist Reiter auf den Plakaten der SPD zur Kommunalwahl zu sehen. Das Motiv – jedes Motiv – ist er, der Oberbürgermeister, der es wieder werden will. Der siebte Reiter, der echte, sitzt am Freitagvormittag vergnügt an einem Besprechungstisch im Treffpunkt seiner Partei am Oberanger, dem „Morgenrot“.
Er sagt: „Wahlkämpfen würde für mich bedeuten, ich setze mich mit herausragenden Vorschlägen auseinander.“ Diese könne er bei seinen Hauptkonkurrenten Dominik Krause (Grüne) und Clemens Baumgärtner (CSU) nicht erkennen. Dass der eine ungefähr halb so jung sei wie er und der andere mehr entscheiden wolle („ich weiß nicht, was“), das sei für ihn „keine Herausforderung“. Sieht sich Reiter also gar nicht im Wahlkampf? „Ich mach’ halt meinen Job“, sagt er. Das bedeute für ihn vor allem: draußen unterwegs sein, bei den Leuten.
Knapp zwei Monate vor der Wahl wirkt der Oberbürgermeister siegessicher. Aber irgendwie kann er den Wahlkampf dann ja doch nicht ganz ignorieren. Er habe im Vorfeld der diesjährigen Kommunalwahl häufiger als früher den Namen seiner Partei in den Mund genommen, sagt Reiter. Denn eines sei klar: „Ein Oberbürgermeister ohne Mehrheit zu sein, das ist nicht das, was ich anstrebe.“
Und hier kommt das „Team SPD“ ins Spiel, das auf allen Plakaten Erwähnung findet. Denn natürlich gebe es neben dem OB ja auch eine Bürgermeisterin und viele Stadträtinnen und Stadträte, die „dazu beitragen, dass im Rathaus der Kurs fortgesetzt werden kann“, so Christian Köning, Chef der Münchner SPD. Sämtliche Plakatmotive kommen übrigens ohne die Farbe Rot aus.
Für ihre Kampagne haben die Sozialdemokraten den renommierten Werbetexter und Politikberater Frank Stauss ins Boot geholt. Stauss, selbst SPD-Mitglied, berät seit mehr als drei Jahrzehnten Politiker in Wahlkämpfen, oft auf Bundes- und Landesebene, seit einigen Jahren mit einer eigenen Agentur. Auch bei Reiters erster Kampagne für die Wahl 2014 hat die Münchner SPD schon mit Stauss zusammengearbeitet.
Der Berater sitzt am Freitag ebenfalls mit am Besprechungstisch im Morgenrot, er gibt einen Einblick in die Entstehung der Kampagne für die Kommunalwahl. Am Anfang waren Umfragen: einerseits jene der RIM Marktforschung GmbH, die im Auftrag der Stadt zweimal jährlich unter anderem die Zufriedenheit mit der Stadtpolitik und die Beliebtheit der Rathauspolitiker erhebt. Zum anderen eine im vergangenen Sommer eigens von der SPD beauftragte Umfrage, die das Institut Verian ausgeführt hat.
Diese Befragungen hätten Ergebnisse erbracht, „die es eigentlich nicht mehr gibt“. Stauss meint die hohen Zustimmungswerte zur Rathauspolitik und die Bewertung von Reiter in einer Gegenwart, die von Polarisierung und Unzufriedenheit mit der Politik geprägt ist. So sind laut der RIM-Umfrage knapp 78 Prozent der Münchner mit der Politik des OB zufrieden. 80 Prozent finden ihn sympathisch. Oder die Verian-Umfrage: 77 Prozent finden, dass Reiter gut zu München passe; 74 Prozent sagen, dass er Kompetenz ausstrahle.
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Diese „einzigartige Ausgangslage“, so Stauss, bilde die Grundlage für die Kampagne, die gänzlich auf Reiter zugeschnitten ist. Kombiniert sind die Porträts mit kurzen, unkomplizierten Sätzen. Zwischendurch habe es Tendenzen gegeben, möglichst viel auf die Plakate zu schreiben, sagt Reiter. „Aber wir waren uns schnell einig, dass das nichts bringt.“ Das Hauptmotiv hat gar keinen Satz bekommen, sondern nur drei Schlagworte: „München. Reiter. Passt.“ Ein größeres Kompliment als „basst scho“ gebe es im Bairischen schließlich nicht, sagt Reiter.
Die übrigen Motive verkündeten politische Botschaften, die die DNA der Stadt ausmachten, sagt SPD-Chef Köning – weil seine Partei die Stadt so lange erfolgreich regiert habe. „München wählt Gerechtigkeit“, lautet einer dieser Sätze. Ein anderer: „München bleibt stabil“. Das soll laut Köning auf die „erfolgreiche Bilanz“ von OB Reiter verweisen, aber auch eine klare Haltung gegen den Rechtsruck zum Ausdruck bringen. Der Satz „München sichert das Soziale“ soll die politische Schwerpunktsetzung zeigen.
Schließlich: „München hält zusammen“ und „München geht voran“. Mit Letzterem sei beispielsweise das Votum für die Olympia-Bewerbung gemeint, so Köning, aber auch der soziale Fortschritt, etwa mit den Alten- und Servicezentren oder dem Azubiwerk.
Die Plakatkampagne bilde das Gerüst, mit dem die SPD in den nächsten Tagen und Wochen für sich werben wolle, sagt OB Reiter. „Ich bin zuversichtlich, dass unsere Versprechen von den Münchnerinnen und Münchnern ernst genommen werden.“ Vor allem aber müssten die Menschen auch zur Wahl gehen. 2020 lag die Wahlbeteiligung bei 49 Prozent. Auch dafür werbe er zurzeit bei seinen Begegnungen mit Bürgern: „Hinterher meckern, wenn man nicht wählen gegangen ist – das geht nicht.“
