Dieses Videostandbild aus sozialen Medien zeigt brennende Fahrzeuge während nächtlicher Massenproteste.

Stand: 09.01.2026 21:29 Uhr

Die Proteste im Iran eskalieren offenbar. Aktivisten meldeten mehr als 50 getötete Demonstranten. Europäische Staatschefs appellieren an die iranische Regierung, sich zu mäßigen – diese kündigt jedoch an, weiter hart vorzugehen.

In den iranischen Millionenmetropolen Teheran und Maschhad ist es den zweiten Tag in Folge zu Straßenprotesten gekommen. Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenansammlungen auf zentralen Plätzen.

In der Hauptstadt Teheran strömten in der Nacht zu Freitag zahlreiche Menschen auf den weitläufigen Ajatollah-Kaschani-Boulevard, wie auf Aufnahmen in Online-Netzwerken zu sehen war, die von der Nachrichtenagentur AFP verifiziert werden konnten. Die Demonstranten skandierten Slogans wie „Tod dem Diktator“.

Regierungsgebäude in Brand gesetzt

In mehreren Videos war zu sehen, wie Protestteilnehmer in der zentraliranischen Stadt Isfahan den Eingang zum Regionalstudio des Staatsfernsehens in Brand setzten. Auch auf anderen Aufnahmen waren brennende Regierungsgebäude zu sehen. In Schasand, der Hauptstadt der zentraliranischen Provinz Markasi, stand der Sitz des Gouverneurs in Flammen.

Andere Bilder zeigten eine protestierende Menschenmenge in der westiranischen Großstadt Abadan. Auch aus weiteren iranischen Städten, darunter Täbris im Norden des Landes und Maschhad im Zentrum, übertrugen persischsprachige Exilsender Aufnahmen größerer Proteste.

Unabhängig verifizieren lassen sich diese Aufnahmen bisher nicht. Auch das genaue Ausmaß der Demonstrationen ist noch unklar. Wegen der landesweiten Internetsperre dringen nur wenige Aufnahmen nach außen. Seit mehr als 24 Stunden ist die Bevölkerung vom Rest der Welt abgeschnitten.

Aktivisten melden mehr als 50 Tote

Seit Beginn der Proteste wurden nach jüngsten Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Norwegen mindestens 51 Demonstranten getötet, darunter neun Minderjährige. Iranische Behörden und Medien meldeten bislang 21 Tote, darunter auch Sicherheitskräfte.

Iranische Regierung bleibt hart

Die Führung in Teheran will trotz der Protestwelle im Land nicht zurückweichen. Die islamische Republik werde nicht vor „Saboteuren“ kapitulieren, sagte das geistliche Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei. Außenminister Abbas Araghtschi warf den USA und Israel eine direkte Einflussnahme auf die seit Tagen wachsende Protestbewegung vor. Der Leiter der Justizbehörden im Iran, Gholamhossein Mohseni Edschei, kündigte im Staatsfernsehen an, gegen „Randalierer“ ohne „jegliche rechtliche Nachsicht“ vorzugehen.

Die Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung die Tötung von Demonstranten im Iran und riefen die iranischen Behörden zur Mäßigung auf. „Die iranischen Behörden tragen die Verantwortung, ihre eigene Bevölkerung zu schützen und müssen die Meinungs- und Versammlungsfreiheit ohne Angst vor Repressalien gewährleisten“, heißt es in dem vom Büro des französischen Präsidenten Emmanuel Macron veröffentlichten Text.

Schah-Sohn appelliert an Trump

Der Sohn des 1979 gestürzten Schahs rief US-Präsident Donald Trump zur Unterstützung der Demonstranten im Iran auf. Er wisse, dass Trump ein Mann des Friedens sei und zu seinem Wort stehe, teilte Reza Pahlavi an den US-Präsidenten gewandt am Freitag mit. „Bitte seien Sie bereit, einzugreifen und dem iranischen Volk zu helfen.“

Der im Exil lebende Pahlavi hatte angekündigt, je nach Reaktion auf seinen Aufruf zu neuen Protesten gegen die theokratische Führung des Iran weitere Pläne vorzulegen. Seine Unterstützung für und von Israel hat in der Vergangenheit Kritik hervorgerufen.