Kommentar

Standdatum: 9. Januar 2026.

Autorinnen und Autoren:
Thorsten Reinhold

Ein Verkehrsschild in Bremen ist zugeschneit.

Es ist Vorsicht geboten im Straßenverkehr in Bremen und Bremerhaven.

Es ist Vorsicht geboten im Straßenverkehr in Bremen und Bremerhaven.

Bild: Radio Bremen | Pascal Faltermann

Warnen Meteorologen zu drastisch? Machen Medien Panik? Online-Redaktionsleiter Thorsten Reinhold meint: Berichterstattung über Wetterextreme ist notwendig. Im Zweifel geht es um Sicherheit.

Während einige Meteorologen vor Lebensgefahr durch den Schneesturm „Elli“ warnten, sprechen andere von Panikmache. Dazwischen stehen wir Medien. Wie drastisch dürfen — oder müssen — Warnungen vor extremem Wetter sein? Die einen sagen: Wer von „Lebensgefahr“ spricht, schürt Angst. Extreme Begriffe stumpfen ab, wenn das Schlimmste dann doch nicht eintritt. Beim nächsten Mal hört womöglich niemand mehr hin. Vertrauen ist ein fragiles Gut — auch in der Wetterberichterstattung. Diese Kritik ist nicht von der Hand zu weisen. Überzogene Warnungen können Glaubwürdigkeit kosten. Das würde für norddeutsche Gelassenheit sprechen. „Ist doch nur Wetter“, wird dann gerne mal gesagt.

Andere halten dagegen: Wetter ist kein exaktes Uhrwerk. Prognosen arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten, nicht mit Gewissheiten. Wenn Modelle ernsthafte Risiken zeigen — viel Schnee, Eisregen, Orkanböen —, dann ist es die Pflicht der Meteorologen, klar zu warnen. Und es ist die Pflicht von uns Medien, diese Warnungen weiterzugeben. Wird verharmlost und es kommt zu Unfällen, Verletzten oder gar Toten, ist der Vorwurf schnell da: Warum hat uns niemand gewarnt?

Es geht um Sicherheit für alle

Genau hier steckt das Dilemma. Wird nicht ausreichend informiert, heißt es hinterher: fahrlässig. Wird intensiv berichtet, lautet der Vorwurf: Alarmismus. Medien bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen Verantwortung und Übertreibung. Eine einfache Lösung gibt es nicht.

Ein Blick auf den Morgen nach dem Sturm zeigt jedoch auch die positiven Effekte der Warnungen: In Bremen und Bremerhaven blieb die Lage auf den Straßen weitestgehend ruhig. Kein Schulbetrieb, viele Menschen arbeiteten offenbar im Homeoffice, Autofahrer waren umsichtig unterwegs. Weniger Verkehr, mehr Vorsicht, mehr Rücksicht — das ist kein Zeichen von Panik, sondern von Vorbereitung.

Im Zweifel ist zu viel Information besser als zu wenig. Nicht im Sinne von reißerischen Schlagzeilen, sondern durch transparente, einordnende Berichterstattung. Was ist sicher? Wo gibt es Unsicherheiten? Was bedeutet das konkret für den Alltag der Menschen? Warnen heißt nicht automatisch Panik machen — wenn man es richtig macht.

Berichterstattung vor einem Wetterextrem wird immer schwierig bleiben. Aber sie ist notwendig. Es geht nicht um Klicks, Quoten oder Dramatik, sondern um Vorbereitung und Sicherheit — für alle.

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Quelle:
buten un binnen.

Dieses Thema im Programm:
Bremen Eins, Nachrichten, 9. Januar 2026, 11 Uhr