Der Januar ist naturgemäß der kritischste aller Monate. Das neue Jahr liegt noch in Windeln, der Christbaum auf einem dieser scheußlichen Haufen, und der Blues hat all jene erfasst, die nicht nach Mallorca geflohen sind. In den Fitnessstudios steht man sich auf den Füßen herum, weil Paare beschlossen haben, fortan gemeinsam zu trainieren. Die Gerichte aus dem neuen Kochbuch „Antientzündlich genießen“ schmecken auch nur so mittel und am „Dry January“ muss man sich gar nicht erst beteiligen, weil man Alkohol sowieso nicht mehr verträgt. Und die Eisbachwelle? Immer noch kaputt. Kurz: Es glitzert nichts im Januar.
Die Hoffnung, mit dem Jahreswechsel wechsle wirklich irgendwas – innerlich, äußerlich, spirituell, kosmisch – hält sich erstaunlich hartnäckig. Die Ernüchterung ist daher umso größer. Vielleicht hilft ein Blick in die Veranstaltungskalender für die Stadt München beim realistischen Erwartungsmanagement weiter?
Die Ankündigung für die Tribute-Show „One night of Taylor by Xenna“ zum Beispiel verspricht schon mal, „die pure Faszination von Taylor Swift live auf die Bühne“ zu bringen, „authentisch, leidenschaftlich und voller Gänsehautmomente“. Da will man doch sofort ein Ticket kaufen. Wer Xenna ist, muss man ja gar nicht mehr wissen, wo doch „echte Eras-Vibes“ im Spiel sind. Ein Abend mit Internetguru Jordan Peterson in der Olympiahalle Ende des Monats soll „IHR LEBEN VERÄNDERN“ – in Großbuchstaben. Wer das nicht nötig hat!
Die immersive „Titanic“-Ausstellung, bei der man „lebensnah“ die Schiffskatastrophe nachempfinden kann, läuft an diesem Wochenende aus. Schade. So ein bisschen Schiffbruch rückt schließlich manch alltägliches Ärgernis gleich in ein anderes Licht. Dafür bietet „Lumagica München“, ein begehbarer „Lichterpark“, noch die Gelegenheit für einen „romantischen Abend“ und „zahlreiche magische Fotospots“. Außerdem kommt die NFL für weitere Gastspiele in die Allianz Arena, also die US-amerikanische Football League. Den Grund dafür versteht hier wirklich kein Mensch, aber die Stimmung wird sicher gigantisch.
Und wer bei so viel angekündigtem Fun, Magie und so vielen Großbuchstaben doch die gute alte, schlecht gelaunte Erwartung vermisst: Nach dem Januar, da kommt erst mal noch der Februar. Und der, der ist richtig schlimm.