50 Jahre, das sind schon fast zwei Generationen an musikbegeisterten Menschen, die im Dom gesungen haben, in Gottesdiensten und Konzerten. Die oft als Kinder in der Kinderkantorei und den Kurrenden starteten, in die Jugendkantorei wechselten und im Domchor der Erwachsenen landeten. Die auf Freizeiten anspruchsvolle Werke der geistlichen Literatur probten und zu einer Gemeinschaft mit vielen Freundschaften zusammenschmolzen. 

Gegründet von dem unvergessenen Helmut Kruse, danach maßgeblich geprägt von dem umtriebigen Gerd-Peter Münden, wird die Domsingschule nun seit drei Jahren von Elke Lindemann geleitet, unterstützt im Team vor allem von Domorganist Witold Dulski und Kantor Robin Hlinka. Gefeiert werden soll zehn Tage lang im Mai. Höhepunkte werden ein Chortag mit dem renommierten Komponisten John Rutter und zwei Uraufführungen sein: Ein Auftragswerk von Thomas Gabriel auf Texte von Eugen Eckert, der dafür das Gleichnis vom verlorenen Sohn bearbeitet hat. Es erklingt am 9. Mai mit der Jugendkantorei, dem Vokalensemble, den Kurrenden und dem Dom-Sinfonieorchester. Und das Stück des eigens ausgeschriebenen Kompositionswettbewerbs, den Jan-Hendrik Linßen gewonnen hat.

Zwei Uraufführungen zum Jubiläum

Das Jubiläumsprogramm ist dabei durchzogen von der Mitwirkung ehemaliger Domsingschüler, die etwa im Oratorium von Gabriel mitsingen können. „Und den Text des Wettbewerbsstücks, ,Erhebe deine Stimme’ hat Jakob Timmermann geschrieben, einst Domsingschüler, nun im Domchor und inzwischen Pastor an St. Michaelis”, erklärt Elke Lindemann. Aufführen werden das Werk zum Beginn der Festtage am 1. Mai der Domchor, das Vokalensemble und die Jugendkantorei.

Am 2. Mai ist dann außer dem Flashmob der Jugendkantorei in den Schloss-Arkaden ein sogenannter „Bunter Abend“ für Ehemalige in St. Magni geplant, „so nennen wir unsere freien musikalischen Sessions auf unseren Freizeiten, wo viel improvisiert und auch gefeiert wird”, so Lindemann.

Ein ganzer Tag mit Komponist John Rutter

Besonders stolz ist die Domkantorin, dass sie John Rutter für einen Chortag gewinnen konnte. Bekannt für seine einschmeichelnden, melodischen Chorlieder, ist er freilich nicht bei allen Kirchenmusikfreunden nur beliebt. „Erwachsene tun sich mit ihm oft schwerer, während die Jugendlichen meist begeistert reagieren. Ich finde, seine Musik geht direkt ins Herz, wahrt aber auch einen kompositorischen Anspruch, das ist kein Pop”, betont Lindemann. Sie hat ihn jüngst schon persönlich kennengelernt und ist umso begeisterter: „Ein Mann, der sehr warmherzig und bescheiden auftritt.”

Neujahrskonzert des Staatsorchesters Braunschweig, zum letzten Mal dirigiert von Generalmusikdirektor Srba Dinic (2. Januar 2026)

Der Chortag am 3. Mai, bei dem er Proben leiten und erzählen wird, ist vormittags den Domchören vorbehalten, nachmittags haben Ehemalige das Vorrecht, aber auch weitere Interessierte, besonders Chöre, können sich anmelden. Passenderweise endet der Tag mit einem „Evensong”, einer Chorandacht in anglikanischer Tradition. Anmeldeformulare für Chöre der Region, die am Chortag mit Rutter teilnehmen wollen, gibt es ab 15. Januar auf der Jubiläumswebsite www.dom50.de, die Teilnahme ist kostenpflichtig.

Gesangbuchlieder als Einsingübung

Hatte Helmut Kruse sich in seinen musikalischen Vorstellungen vor allem auf die lutherische Tradition etwa des Dresdner Kreuzchors und der Leipziger Thomaner bezogen, wurde schon unter Münden die anglikanische Richtung stark gemacht. „Liturgisch nehmen wir da Anleihe, etwa durch die Chorgewänder, auch für die Kantoren, und die neue Chororgel ist natürlich auch englisch. Die evangelische Tradition scheint mir manchmal etwas nüchtern. Wir wollen da mehr Farbe reinbringen”, sagt Lindemann.

Nun gäbe es ja eine sehr farbenreiche evangelische Tradition etwa bei dem Wolfenbütteler Michael Praetorius, dem Vater der protestantischen Kirchenmusik, dessen große Messen von Stadtpfeifern über Kinder- bis Gemeindechören ein festliches, man könnte sagen Musiktheater bilden. Und gehen Paul Gerhardts Lieder wie „Befiehl du deine Wege” und „Geh aus mein Herz” oder gar Bachs Kantaten weniger zu Herzen? „Die gehören ja auch bei uns selbstverständlich dazu. Bachs Matthäuspassion und seine h-Moll-Messe sind Teil unseres Jubiläumsprogramms. Und jede Chorprobe eröffnen wir, indem wir ein Gesangbuchlied singen, das ist unsere Vom-Blatt-Sing-Übung, und zugleich festigen wir so das Kernrepertoire des Gottesdienstgesangs.” Um die neue Chororgel zu präsentieren, habe man in den letzten Monaten allerdings stärker auf englische Literatur zurückgegriffen.

Bach-Passion und Klimakonzert im Jahresprogramm

Die Matthäuspassion führen am Karfreitag der Domchor und das Göttinger Barockorchester auf. Die h-Moll-Messe erklingt am Ewigkeitssonntag im November mit dem Vokalensemble und wiederum dem Göttinger Barockorchester. Außerdem singen die Mädchen- und Jungenkantoreien am 20. Februar ein Klimakonzert im Wolfsburger Planetarium.

Neuzugänge im Schlossmuseum BS 2025

Und vom 3. bis 5. Oktober ist noch ein Musical über Domgründer Heinrich den Löwen von Witold Dulski auf Texte Jakob Timmermanns geplant. Das überschneidet sich dann schon mit den Feiern zum Domjubiläum, das ab November parallel im Braunschweigischen Landesmuseum Hinter Ägidien mit der Ausstellung “800 Jahre Ewigkeit” begangen wird.

Zurück zur Festdekade der Domsingschule im Mai: Natürlich soll auch die Bevölkerung beteiligt sein. Als Zuhörende der Konzerte. Als Besuchende des Tags der Offenen Tür im Haus der Domsingschule am 5. Mai. Und als Mitsingende beim „Offenen Singen” im Dom am 4. Mai. „Kirchenlieder, Choräle, hier dürfen alle mitsingen”, sagt die Domkantorin. Bei der „Nacht der Chöre” am 8. Mai werden sich dann verschiedene Ensembles in den Braunschweiger Stadtkirchen präsentieren. „Und jeder kann sich einen Rundgang nach seinen Vorlieben zusammenstellen.”

Programm und Anmeldungen unter www.dom50.