FRANKFURT – Lufthansa will über die Langstrecke Margenziele erreichen. Konzernchef Carsten Spohr setzt dabei auch auf eine Wiederbelebung des Asienverkehrs – bei einem Ende des Ukraine-Kriegs hofft Lufthansa auf eine zügige Wiederöffnung des russischen Luftraums für europäische Fluggesellschaften.
Frankfurt-Peking, einst ein frequenzstarker A380-Umlauf im Lufthansa-Netz, trägt sich nicht mehr: Lufthansa hat die Linie Ende 2024 pausiert. Die Linie bleibt „weiterhin temporär ausgesetzt“, stellte ein Lufthansa-Sprecher aero.de im Dezember 2025 klar.
Europäische Airlines dürfen seit dem russischen Angriff auf die Ukraine vor vier Jahren nicht mehr über Russland fliegen – die Luftraumssperrung zwingt Lufthansa im Asienverkehr auf teure Umwege, während chinesische Airlines weiter auf direkten Korridoren über Russland nach Europa fliegen.
Lufthansa hofft, dass sich dieser Wettbewerbsnachteil bei einem Ende des Ukraine-Kriegs schnell auflöst. „(…) Asien – und dabei insbesondere China – wird nach einer hoffentlich in 2026 möglichen Wiedereröffnung des russischen Luftraums für den gesamten Luftverkehr wieder zum Wachstumsmotor“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr der „FAZ“.
Frankfurt-Peking verdeutlicht das Lufthansa-Dilemma im Asienverkehr gut. Air China, Star-Alliance- und Joint-Venture-Partner von Lufthansa, bietet weiter Nonstop-Flüge aus Frankfurt nach Peking an. Der Flug führt abschnittsweise durch russischen Luftraum, erreicht Peking dafür in 8,5 bis 9,0 Stunden Flugzeit.
Alternativ können Lufthansa-Passagiere auf das Drehkreuz München ausweichen. Hier plant Lufthansa im Sommer 2026 ein stabiles Angebot mit sieben Flügen pro Woche nach Peking.
Lufthansa setzt auf der Linie aktuell Airbus A350-900 ein. Lufthansa 722 umfliegt den gesperrten russischen Luftraum südlich – und benötigt zwischen 9,5 und 10,0 Stunden Flugzeit bis Peking.
Die europäische Luftfahrtaufsicht EASA hält eine generelle No-Fly-Empfehlung für den Luftraum über Westrussland weiter aufrecht – und begründet das mit einer weiterhin fehlenden „Entflechtung“ des russischen Luftraums in zivile und militärische Korridore durch die zuständigen Stellen und allgegenwärtiges GPS-Jamming.
Starkes Nordatlantik-Geschäft
Lufthansa will ihr Interkontangebot 2026 mit sechs Prozent überproportional ausbauen – und setzt weiter auf USA-Nachfrage. „US-Strecken entwickeln sich weiterhin sehr stabil“, sagte Spohr der „FAZ“. Durch die Integration von ITA Airways werde Lufthansa zudem ihre Südatlantikkapazitäten verdoppeln.
Die Lufthansa-Spitze sieht die Langstrecke als wichtigsten Hebel zu höheren Gewinnen. Spätestens 2030 will Lufthansa mit acht bis zehn Prozent operativer Marge fliegen – ein Vielfaches des derzeitigen Werts.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 10.01.2026 06:41