
2002 wurde der Euro als Bargeld auch in Deutschland eingeführt, trotzdem horten die Deutschen bis heute große Mengen an D-Mark. Immer wieder tragen Verbraucher ihre alten Schätze aber auch zur Bundesbank.
In der Frankfurter Filiale der Bundesbank stehen einige Verbraucherinnen und Verbraucher an. Sie wollen ihre alten D-Mark in Euro tauschen. Manche haben Säcke voll mit Münzen dabei, andere bringen das Geld in alten Portemonnaies oder Kästchen.
Natalie Debus aus Frankfurt hat eine kleine Plastiktüte voller Münzen in der Hand. Das Geld schüttet die 39 Jahre alte Lehrerin vor sich in einen Behälter, den ein Mitarbeiter der Bundesbank hinter einer Glasscheibe entgegennimmt und mit Hilfe einer Maschine sortiert. Es sind fast 100 Mark und damit knapp 50 Euro. Die Frankfurterin freut sich: „Das war doch mehr als gedacht, aber das lag daran, dass in dem Beutelchen viele 5-Mark-Münzen waren.“
Häufig tauchen bei Wohnungsauflösungen D-Mark auf
Die neu erstandenen Euro will die 39-Jährige nicht für sich behalten, sondern an eine Freundin weitergeben: „Deren Großvater ist gestorben, wir haben ihr beim Aufräumen und Aussortieren geholfen und die alten D-Mark-Scheine und -Münzen dabei entdeckt.“ Mit den dafür eingetauschten Euro könne man nun vielleicht gemeinsam Kaffee trinken gehen, so Debus.
Umgetauscht haben die Deutschen bei der Bundesbank im vergangenen Jahr bundesweit rund 53 Millionen Mark und damit ähnlich viel wie im Jahr zuvor. „Häufig entdecken Verbraucherinnen und Verbraucher das Geld, wenn sie die Haushalte ihrer Eltern oder Großeltern auflösen“, erzählt Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz. Dann tauchten etwa Scheine in alten Jacken und Reisetaschen auf oder alte Münzsammlungen.
D-Mark haben für viele einen sentimentalen Wert
Darüber hinaus gibt es immer wieder Zufallsfunde beim Frühjahrsputz. So war es bei Brunhilde Reimann-Lukas aus der Nähe von Bad Nauheim. Sie hat die alte Währung daheim in Schubladen, Kästchen und Briefumschlägen gefunden und diese ebenfalls in die Bundesbank-Filiale gebracht.
Das ist der 66 Jahre alten Rentnerin nicht leicht gefallen: „Da hängt auch Erinnerung dran, wir sind mit D-Mark groß geworden und haben dann den Wechsel in Euro erlebt“, sagt Reimann-Lukas. Bis heute rechne sie die Preise in D-Mark um.
Wo sind die fehlenden Geldscheine und Münzen?
Jahrzehnte nach der Euro-Einführung fehlen laut Bundesbank allerdings immer noch über zwölf Milliarden D-Mark. „Ein Teil davon ist wahrscheinlich verloren oder zerstört“, meint Balz, der im Vorstand der Bundesbank für das Thema Bargeld zuständig ist. Dieses Geld werde nie zur Bundesbank zurückfinden.
Wer noch alte D-Mark-Scheine und -Münzen findet, kann sie weiterhin bei der Bundesbank in Euro tauschen. Eine Frist zur Rückgabe gibt es nämlich nicht. Der Umtausch ist kostenlos und in den 31 Bundesbank-Filialen in ganz Deutschland möglich. Für knapp zwei D-Mark gibt es einen Euro.