Abdelkarim, du trittst am 16. Januar in der Stadthalle auf – als gebürtiger Bielefelder ein Heimspiel. Was unterscheidet die Auftritte in Bielefeld von denen in anderen Städten?
ABDELKARIM: Was schön ist, wenn man in Bielefeld auftritt: Man kann mehr lokale Sachen ansprechen und auch mal Insiderwitze machen. Das macht einen Auftritt in Bielefeld schon etwas anders. Allerdings ist die Gefahr hoch, dass Leute im Publikum sitzen, die ich auch privat kenne aus dem Freundeskreis. Da habe ich vorher immer so ein bisschen Panik davor, ehrlich gesagt. Ich habe mit Comedy-Kollegen darüber gequatscht – diese Angst ist gar nicht so selten. Man freut sich über Freunde im Publikum, aber sie gehören nicht zu den Lieblingszuschauern.
Freust du dich trotzdem darauf, in Bielefeld aufzutreten?
Ja, auf jeden Fall. Ich freue mich jedes Mal auf Bielefeld. Die ganzen Nebeneffekte machen es dann noch mal besonders. Man weiß, es ist die Stadt, in der man geboren wurde. Man weiß, danach geht man mit Freunden was trinken oder quatschen. Man trifft Familie. Das sind Sachen, die hat man bei anderen Auftritten nicht oder sehr selten.
Gibt es besondere Orte in Bielefeld, die du sehr gerne magst?
Der Wald und die Sparrenburg – klingt wahrscheinlich sehr langweilig, so ein Touri-Tipp. Aber ich finde die wirklich beide genial. Wenn ich mal im Wald bin, sage ich mir jedes Mal: Das musst du regelmäßig machen. Wenn ich in Bielefeld bin, bin ich sehr oft in der Senne und hänge mit Freunden und Familie rum.
Du hast in einem Interview mal gesagt, deine Kindheit in Bielefeld sei „wie bei unserer kleinen Farm, nur ohne Pferde“ gewesen. Wie sah deine jugendliche Realität in der „Bronx“, wie du es nennst, tatsächlich aus?
Das einzige Bronxhafte bei uns war, dass der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in meiner Altersklasse sehr hoch war. Gefühlt waren alle Weißen viel älter als wir. Eigentlich war die Wohngegend eher positiv langweilig. Da ist nie was passiert. Wir hatten ein cooles Jugendzentrum, das ZEFI. Da waren wahrscheinlich die engagiertesten Sozialarbeiter Deutschlands unterwegs. Das war eine entspannte Zeit.
Du nennst dich „Araber mit ostwestfälischem Temperament“ oder „Ausländer mit Abschiebeoptik“. Welche Bezeichnung liegt dir am nächsten?
Das hängt immer davon ab, wer grad vor der Tür steht. Im Moment bin ich der „Ausländer mit Abschiebeoptik“. Aber in einer Bewerbung um einen Ausbildungsplatz würde ich „Oswestfale mit EDV-Kenntnissen“ schreiben.
„Wenn Plan B scheitert, läuft sich Plan Z erst warm.“
Deine Themen handeln von den kleinen und großen Lebensdingen, vom banalen, aber lustigen Alltag bis hin zur großen Weltpolitik. Statt eines erhobenen Zeigefingers erlebt man dich auf der Bühne mit einer gehörigen Portion Selbstironie und einem Augenzwinkern. Ist das Deine Strategie, die Menschen zu erreichen?
Ich hab mich nie gefragt, wie ich Menschen am besten erreichen kann. Es war einfach schon immer meine Art – auch als Kind schon – aus absurden Situationen das Lustige zu ziehen. Und irgendwann habe ich gemerkt, dass Humor ein perfekter Türöffner ist. Man erreicht über Lachen Menschen, die man über eine klassische Debatte vielleicht nicht immer erreichen würde.
Du bist seit 2007 in der Comedy unterwegs, seit 2010 hauptberuflich mit steigendem Erfolg. War das von Anfang an dein Plan?
Ich habe schon als Kind gemerkt, dass ich Leute zum Lachen bringen kann und als ich Comedians im Fernsehen gesehen habe, dachte ich mir okay, das will ich auch machen. Den Traum habe ich aber ewig vor mir hergeschoben, weil ich nicht wusste, wie man Anfänger wird. Ewigkeiten später bin ich dann im Rahmen meiner Googlerecherche auf offene Bühnen gestoßen. Mein allererster Auftritt war übrigens eine Katastrophe. Ich hab mir auf der Bühne gedacht „So, den Auftritt bringst du noch zu Ende und dann nur noch privat lustig.“ Aber zum Glück hat mir der Veranstalter an dem Abend gesagt, dass ich da immer wieder auftreten kann. Das hat mich definitiv motiviert, am Ball zu bleiben.
Dein neues Programm heißt „Plan Z – jetzt will er’s wissen!“ Was genau willst du denn wissen?
Mir hat mal ein Freund gesagt: „Kann es sein, dass dein Leben auf Zufall beruht?“ Meine Antwort: „Nein, natürlich nicht nur.“ Aber ich habe mich gefragt, wie er auf den Gedanken kam. Dann habe ich mir gedacht, das liegt wohl daran, dass bei mir der ein oder andere Plan einfach scheitert. Vielleicht lasse ich zu schnell Pläne los. Und jetzt habe ich mir gedacht: Ja, Pläne scheitern, aber das ist kein Grund, um aufzugeben. Eigentlich ist das ja schon immer mein Lebensmotto, nur jetzt offensiv – wenn Plan B scheitert, läuft sich Plan Z erst warm. Ganz banale Beispiele wie die Fitnesskarriere zum Beispiel oder große Probleme wie der Weltfrieden. Es sind schon so viele an diesen Missionen gescheitert und es werden noch viele scheitern. Aber soll man aufgeben, nur weil es bisher keiner geschafft hat? Nein, am Ball bleiben. Mit kreativen Lösungen, auch wenn es erst Plan Z ist, der klappt.
Dein aktuelles Programm ist also Comedy mit positiver Grundhaltung?
Ja unbedingt, nicht aufgeben ist die Botschaft. Der Rockymodus wird aktiviert, das geht auch ohne Sport. Aber: Mein Programm ist kein Motivationsseminar. Wir werden nicht gemeinsam alle zehn Minuten die Fäuste nach oben strecken und „Chakka!“ rufen. Es ist ein Comedy-Programm. Positivität kann in jeder Hinsicht nur helfen. Und vor allem ist man dann offener für richtige Lösungsstrategien. Die Leute vom A-Team haben ja auch nicht in ihrem schwarzen Bulli genörgelt und geheult. Und sie haben trotzdem immer das Problem gelöst.
Was gibst du uns am 16. Januar mit auf den Weg?
Beim Verlassen der Räumlichkeiten bitte Wertsachen nicht vergessen. Ich freue mich auf Bielefeld und auf die Ostwestfalen, egal ob mit oder ohne EDV-Kenntnissen.
Zum Interviewpartner
Abdelkarim gehört zu den scharfzüngigsten und klügsten Stimmen der Comedy-Szene. Geboren 1981 in Bielefeld und aufgewachsen im Ruhrgebiet, verbindet er gesellschaftliche Beobachtung mit politischer Haltung. Bekannt wurde er durch seine pointierten Bühnenprogramme, TV-Auftritte und Kolumnen, in denen er Themen wie Integration, Alltagsrassismus, Politik und Medien kritisch, aber stets humorvoll beleuchtet. Abdelkarim gilt als einer der wichtigsten Vertreter politischer Comedy im deutschsprachigen Raum. Sein Stil ist direkt, intelligent und dabei nie belehrend, sowie stets nah an den Lebensrealitäten seines Publikums. Er gilt als wichtiger Impulsgeber für gesellschaftlichen Diskurs im deutschsprachigen Raum und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Kleinkunstpreis 2026, dem Deutschen Fernsehpreis, der goldenen Kamera sowie mit dem Jurypreis des Kleinkunstfestivals der Wühlmäuse.
Abdelkarim: Plan Z live in OWL
Donnerstag, 16.1., 20 Uhr, Stadthalle, Bielefeld;
Donnerstag, 23.4., 20 Uhr, PaderHalle, Paderborn;
Karten (ab 32,15 ): NW und hier.