Die wegen der regierungskritischen Proteste im Iran
verhängte landesweite Internetsperre dauert nach Angaben
von Beobachtern an. Die Organisation Netblocks teilte am Samstagmorgen mit, ihre Messungen zeigten, dass die Internetblockade 36
Stunden nach deren Beginn weiterhin in Kraft sei. Sie „begrenze stark die Möglichkeit der Iraner, herauszufinden, ob es ihren Freunden und Liebsten gut gehe“, schreibt die Organisation.
Das iranische Regime hatte am Freitag das Internet abgeschaltet, um die Organisation weiterer Proteste zu erschweren. Die Regierung spielte die landesweiten Massenproteste nun herunter. In den meisten Städten des Landes habe Ruhe
geherrscht, sagte ein Sprecher im Staatsfernsehen laut dem staatlichen
iranischen Rundfunkverbund, Iribnews. Sie diskreditierte die Protestierenden zudem als „bewaffnete Terroristen“.
Die iranische Armee gab am Morgen bekannt, die nationalen Interessen, die strategische Infrastruktur und das öffentliche Eigentum des Landes weiterhin schützen zu wollen. In einer Erklärung forderte sie die Bürger außerdem auf, wachsam zu sein, um die „Pläne des Feindes“ zu vereiteln. Irans Führung wirft den USA vor, die Proteste anzuheizen.
Unterdessen sagten die USA den Protestierenden ihre Unterstützung zu und drohten dem Regime. „Die USA unterstützen das
tapfere Volk im Iran“, schrieb US-Außenminister Marco Rubio auf X. Auch US-Präsident Donald Trump
drohte dem Iran erneut. „Ihr fangt besser nicht an zu schießen,
sonst schießen wir auch“, teilte er mit. „Ich hoffe nur, dass
die Demonstranten in Sicherheit sein werden, denn das ist im
Moment ein sehr gefährlicher Ort.“
Angst vor Massakern
Im Iran gibt es
seit fast zwei Wochen große Demonstrationen, die sich zunächst an der schlechten wirtschaftlichen Lage entzündeten. Inzwischen gehen die Protestierenden jedoch auch gegen die politische und religiöse Führung auf
die Straße. In der Nacht zum Freitag kam es zu den größten Demonstrationen seit Beginn der Proteste vor zwei Wochen.
© Lea Dohle
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Die iranischen Behörden gehen hart gegen die Protestierenden vor, sie sollen in den vergangenen Tagen bereits 60 Menschen getötet und Hunderte verletzt haben. Ein Arzt aus Teheran sagte dem US-Magazin Time, sechs Krankenhäuser in Teheran hätten zusammen mehr als 200 Todesfälle unter Demonstranten
verzeichnet – die meisten seien demnach durch scharfe Munition getötet
worden. Unabhängig bestätigen ließ sich das nicht.
Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, die im Exil lebt, warnte vor einem „Massaker im Schutz einer
umfassenden Kommunikationssperre“. Dahinter stehe „eine
Taktik“ zur Niederschlagung der jüngsten Proteste durch die
Einsatzkräfte, schrieb sie auf Telegram. Am Donnerstag seien ihren Informationen zufolge Hunderte Menschen mit „schweren
Augenverletzungen“ in Krankenhäuser eingeliefert worden.
Der Sohn des 1979 im Zuge der islamischen
Revolution gestürzten Schahs Mohammad Reza Pahlavi rief unterdessen die
regierungskritischen Demonstranten auf, die Stadtzentren des Landes zu besetzen. Der im Exil Lebende schrieb auf X, die Iraner sollten am
Wochenende alle auf die Straße gehen. Ziel sei, die Stadtzentren dauerhaft einzunehmen.
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