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Der 84-Jährige betreute vier Jahrzehnte lang 90 Nistkästen in Stuhr. Nun werden die hohen Leitern ihm zu gefährlich. Und er sucht eine Nachfolge.Mit der Schleiereule: Erich Sigloch kümmerte sich vierzig Jahre um die Artgenossen dieses ausgestopften Exemplars. © Kilian Beck

Der 84-Jährige betreute vier Jahrzehnte lang 90 Nistkästen in Stuhr. Nun werden die hohen Leitern ihm zu gefährlich. Jetzt sucht er eine Nachfolge.

Stuhr – Als wäre es gestern gewesen, kann sich Erich Sigloch noch erinnern, wie die Grauammern in seiner Kindheit von den Telefonleitungen riefen. Der 84-Jährige hat eingeladen: zum Gespräch über Vögel und das Ehrenamt. Vier Jahrzehnte lang kümmerte sich der Varreler um den Schutz von Eulen und Turmfalken in Stuhr. Jetzt sucht er eine Nachfolge. Die hohen Leitern sind ihm nicht mehr ganz geheuer, sagt er.

Die Schleiereule

Erkennbar an ihrem herzförmigen Gesichtsschleier zählt die Schleiereule zu den faszinierendsten heimischen Eulen, schreibt der Nabu-Bundesverband auf seiner Webseite. Zum Brüten bevorzugt sie Kirchtürme, Scheunen und Dachböden. Mit einem Bestand von 14 500 bis 26 000 Paaren gilt sie als nicht gefährdet. Seit 1980 wuchs die Zahl der Schleiereulen demnach um mehr als ein Drittel. Schleiereulen fressen Mäuse und kleinere Vögel. Gerade in landwirtschaftlich geprägten Regionen sind sie natürliche Helfer bei der Populationskontrolle und tragen so auch zu besseren Ernten bei. Die Vögel sind nachtaktiv und Menschen gegenüber recht scheu. Die Männchen sind zur Balzzeit an ihren schrillen Rufen zu erkennen. Weibchen geben ein Schnurren von sich.

1970 gründete er in Varrel eine Familie. Inzwischen ist er Großvater. Ende der 1970er-Jahre hat Sigloch dann begonnen, Nistkästen für Schleiereulen in der Gemeinde zu verteilen. Die Aktion startete mit einem Problem: „Es haben sich nur Leute aus dem Siedlungsbereich gemeldet“, schildert Sigloch. Und so fuhr er selbst hinaus zu den Bauern, um deren Scheunen mit Nistkästen auszustatten. Den ersten fand er in Blocken. Davon ausgehend ist das Nistkästen-Angebot für die Raubvögel in der Gemeinde gewachsen. Seit der Pandemie sei die ehrenamtliche Arbeit im Stuhrer Nabu allerdings etwas eingeschlafen, meint Sigloch. 90 Nistkästen gibt es inzwischen. 2022 zählte der Stuhrer Nabu darin 40 Jungvögel. „Es hängt immer am Mäuseangebot“, erklärt Sigloch die schwankenden Bestände, die in der Gemeinde gezählt werden.

Überraschung im Nistkasten: Erich Sigloch erinnert sich an 40 Jahre Eulenschutz in Stuhr

Sieht man sich um, in Siglochs Haus, fällt der Blick aufs Bücherregal: Vogelbücher aus einer Zeit vor dem Internet finden sich da. Wer heutzutage Vögel bestimmen möchte, kann dies auch mit der App „Vogelwelt“ des Nabu. Wie viele Vogelbücher er besitze, kann Sigloch auf Nachfrage gar nicht genau sagen. Besonders ins Auge fallen die ausgestopften Eulen, die in Siglochs Flur stehen.

Wenn Sigloch über Begegnungen mit Schleiereulen spricht, dann leuchten seine Augen. Einmal habe er einen Nistkasten geöffnet. Einfach geöffnet? „Nein, das ist bei Brutkästen verboten“, erklärt der Hobby-Vogelkundler. Natürlich habe er mehrfach angeklopft, um herauszufinden, ob eine Eule mit ihren Jungvögeln darin sitzt. „Dreimal, aber nichts darin gehört“, schildert er. Sigloch öffnet die Klappe des Kastens. Und dann: „Saß da ein Altvogel mit mehreren Jungen – und alle schauten sie mich an.“

Kontakt

Interessierte erreichen Erich Sigloch telefonisch unter 04221 / 30560.

Ganz ungefährlich sei das aber nicht, erklärt Sigloch. Zum einen könnten einem die Eulen durch die Klappe entgegenflattern, was auf einer Leiter durchaus gefährlich werden könne.

Gefiederte Wohngemeinschaften

Andererseits sind da noch die Mitbewohner der Schleiereulen: Turmfalken. „Die Turmfalken sind derart aufgeregt“, schildert Sigloch das Geflattere und das Geschrei der Vögel, die einem dann entgegenkommen können. Häufig komme es vor, dass Turmfalken Schleiereulen beim Besetzen der Nistkästen zuvor kommen, schildert Sigloch. Er sehe das aber entspannt: „Dann hängt man eben einen zweiten Kasten auf.“ So entsteht dann eine gefiederte Wohngemeinschaft unter einem Scheunendach.

Die Pflege der Kästen ist natürlich auch einiges an Arbeit: Wenn die Brutpflege vorüber ist, und die Jungvögel flügge geworden sind, dann muss ausgemistet werden, erklärt Sigloch. Manchmal, so erklärt er, werde das vergessen, und dann kann es schon auch mal etwas riechen. „Gefährlich für die Vögel ist es auch“, betont Sigloch. Außerdem sei es – vor allem im Sommer – wichtig, die Kästen achtsam zu öffnen. Wespen oder Hornissen könnten sich den Kasten zu eigen machen und auf der Leiter gebe es dann wenige Fluchtmöglichkeiten.

Für Sigloch waren es sinnstiftende Jahrzehnte, sagt er. Etwaige Nachfolger könnten sich das Wissen um die Schleiereulen noch aneignen. Einzig eine Voraussetzung nennt er mit Blick auf die Höhe, in der die Nistkästen hängen: „Schwindelfrei sollte man sein.“