Im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf ist nach dem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke eine zweite provisorische Hochspannungsleitung in Betrieb genommen worden. Wie Stromnetz Berlin mitteilte, solle sie die erste provisorische Notleitung ergänzen und damit die Versorgungssicherheit erhöhen. Die eigentlichen Reparaturarbeiten würden jedoch mehrere Monate in Anspruch nehmen. „Die beiden Provisorien bleiben so lange in Betrieb, bis der ursprüngliche Netzzustand wieder hergestellt ist“, teilte Stromnetz Berlin mit.
Die provisorischen Stromleitungen werden nun von Einsatzkräften der Polizei geschützt. Dies wurde von der Gewerkschaft der Berliner Polizei scharf kritisiert. „Polizisten sollen nach dem Terroranschlag auf die Stromversorgung in Zehlendorf Berlins kritische Infrastruktur schützen“, teilte die Gewerkschaft mit. Das sei „politisch motivierte Hyperaktivität“, welche die Berliner Polizei an ihre Belastungsgrenze bringe.
„Kräfte in Hundertschaftsstärke werden nun gebunden sein, um oberirdische Stromleitungen zu schützen“, führte die Gewerkschaft aus. „Dazu sind Streifen im ehemaligen Blackoutgebiet geplant und auch der personell bereits stark belastete Objektschutz fordert uns weiter heraus.“
Städtetag fordert Notfallreserve
Als Konsequenz des Vorfalls fordert der Deutsche Städtetag nun von der Bundesregierung den Aufbau einer Stromnotfallreserve mit mobilen Kraftwerken zur Versorgung ganzer Stadtviertel. Das Bundesinnenministerium verwies auf den geplanten Aufbau einer Reserve für den Kriegsfall, federführend dabei müssten jedoch die Länder und Gemeinden sein.
© Lea Dohle
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„Für großflächige und mehrtägige Stromausfälle wie jetzt in Berlin müssen wir größer denken als bisher“, sagte der Städtetags-Hauptgeschäftsführer Christian Schuchardt der Rheinischen Post. „Wir brauchen eine nationale Blackout-Reserve für solche Fälle.“ Einzelne Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime mit Notstrom-Aggregaten zu versorgen sei zwar wichtig, fügte er hinzu, „noch besser wäre, wenn wir mit mobilen Kraftwerken gleich ganze Quartiere mit Wärme und Strom versorgen könnten“.
Der Brandanschlag Anfang Januar hatte erhebliche Schäden verursacht und rund 100.000 Menschen im Südwesten Berlins zeitweise ohne Strom, Heizung und Kommunikation zurückgelassen. Etwa 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe waren betroffen.
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