Über die Weihnachtsfeiertage wurde in eine Filiale der Sparkasse Gelsenkirchen im Stadtteil Buer eingebrochen. Die Täter verschafften sich dabei über ein nebengelegenes Parkhaus Zugang zum Tresorraum und bohrten ein großes Loch in die Wand des unterirdischen Schließfachraums.

Dort öffneten sie fast alle der rund 3.250 Kundenschließfächer und entwendeten zahllose Wertgegenstände, Bargeld, Schmuck und Gold. Logisch, dass nicht nur die Betroffenen stinksauer sind. Obendrein fragen sich viele, wie das überhaupt passieren konnte.

Nun äußert sich ein Tresor-Experte – der ironischerweise direkt neben der ausgebraubten Sparkasse in Gelsenkirchen arbeitet.

Sparkassen-Raub in Gelsenkirchen: Experte wird deutlich

Dort betreibt Joachim Möllers Familie seit Jahrzehnten ein Geschäft für Sicherheitstechnik. „Einen solchen Schutz könnten Tausende Gelsenkirchener jetzt gut gebrauchen“, sagt Möller laut „Focus Online“. Viele hatten nämlich geglaubt, ihre Wertgegenstände wie Goldschmuck oder Bargeld seien in einem Schließfach der Sparkasse bestens aufgehoben. Nun müssen sie sich mit einer Entschädigung von maximal 10.300 Euro zufriedengeben – vorausgesetzt, sie können den Diebstahl ihrer Besitztümer nachweisen.

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„Viele Kunden von mir sind betroffen. Sie haben keine Fotos als Beleg, das ist bitter“, erklärt Möller. Dabei vertraut selbst Möller, Fachmann für Sicherheitstechnik, auf das Geldhaus: Für eine pflegebedürftige Person in der Familie hatte er zwischenzeitlich ein Schließfach. „Immerhin ist mir das Gebäude von innen vertraut. Ich kenne die Örtlichkeit. Ich habe die Schließanlage eingebaut“, sagt er. Auch die Sparkasse zählt zu seinen Kunden. „Das war alles gut abgesichert“, betont Möller. Rückblickend erkennt er jedoch eine Schwachstelle: „Die Wand ist eine andere Baustelle.“

„Das ist einen Film wert“

Genau diese Lücke nutzten offenbar jetzt die Täter. Die Alarmsensorik decke nämlich nur Türen und gegebenenfalls Fenster ab. Dass jemand einen Kernbohrer nutzt, um die Wand zu durchbrechen, sei wohl als zu unrealistisch eingeschätzt worden. „Wer kommt auf so eine Idee? Das ist einen Film wert“, staunt Möller und meint ernst: „Da gehört eine Menge kriminelle Energie dazu.“ Immerhin kann Möller seinem Nachbarn Sparkasse eins voraus sagen: „Hier ist noch keiner eingebrochen.“

Dass solche Einbrüche keine Einzelfälle sind, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. 2013 knackten Täter in Berlin über 200 Schließfächer in einer Volksbank-Filiale. 2023 traf es die Hamburger Sparkasse in Norderstedt, rund 650 Schließfächer wurden aufgebrochen. Im vergangenen Jahr ereilte eine Deutsche Bank-Filiale in Lübeck ein ähnliches Schicksal mit mehr als 300 Schließfächern. Angesichts dieser Dimensionen versteht Möller, dass die Sparkasse Gelsenkirchen die Fächer „nur“ mit 10.300 Euro versichert hat. „Bei mehr als 3000 Schließfächern gehe es um eine Versicherungssumme von mehr als 30 Millionen Euro, die das Geldhaus abschließen müsse.“

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Trotz allem hält der Experte aus Gelsenkirchen solche Schließfächer grundsätzlich für sicher. „Die Bank ist schon ein sicherer Ort zum Aufbewahren“, sagt er. Der Nachbarschaftseinbruch bringt ihn aber ins Grübeln: „Nach dem Einbruch denke ich anders. Wenn man einen guten Tresor zu Hause hat, dann ist der Aufwand zum Öffnen sehr groß.“