Die britische High-End-Manufaktur Bowers & Wilkins gibt bereits ein halbes Jahrhundert im audiophilen Home-Equipment mit den Ton an und mischt längst auch im Premiumbereich von Automotive und Kopfhörern gehörig mit. Ob dabei Fußball-Ass David Beckham als Werbe-Ikone wirklich nötig ist, Anspruch und Image für den neuen Flaggschiff-Kopfhörer zu untermauern? Wir sagen mal: Warum nicht? Der Test des kabellosen Over Ear Kopfhörers Bowers & Wilkins Px8 S2.

B&W-P8-S2-CaseEdler Kopfschmuck: Haptik und Anmutung liegen auf Top-Niveau (Foto: Bowers & Wilkins)Was macht den Bowers & Wilkins Px8 S2 zur S2-Version?

Bereits der Vorgänger Px8 heimste sich im LowBeats-Test ein „überragendes“ Ergebnis ein. Die Latte liegt also denkbar hoch. Auf den ersten Blick verliert der Neue ein paar Gramm Gewicht und ein paar Zentimeter Umfang beim Transport-Case. Eher Kosmetik als ausschlaggebend. Dafür punktet der Thronfolger von B&W mit inneren Werten: Die Karbon-Membran, leicht und gleichzeitig steif mit einem Durchmesser von 40 Millimetern, arbeitet nun mit einer optimierten Schwingspulen-Einheit.

B&W-P8-S2-TreiberEdel-Stoff: Die 40-Millimeter-Membranen aus Kohlefaser kommen der Ohren-Anatomie leicht angewinkelt entgegen (Foto: C. Dick)

Zudem sorgt ein verbesserter Kopfhörer-Amp mit seinem DSP für mehr Wohlklang. Das Active Noise Cancelling (ANC) will nun mit acht (anstelle von bisher sechs) Mikrofonen Umweltgeräuschen auf den Zahn fühlen – und natürlich die Sprachverständlichkeit beim Telefonieren optimieren.

Die Akku-Abteilung verspricht Sessions bis zu 30 Stunden ohne auftanken zu müssen, und bereits nach einer viertel Stunde an der Stromquelle wie Laptop oder PC sind schon für rund sieben Stunden Musikgenuss wieder drauf. Die rund 300 Gramm des Px8 S2 fühlen sich auf dem Kopf relativ leicht an, der Andruck über den Ohren geht in Ordnung für einen Mobilisten, schließlich will man den Kopfschmuck unterwegs nicht ständig zurechtrücken. Langzeit-Sessions sind so kein Problem, wenngleich da manch stationärer Hörer den längeren Atem hat.

Viele Hersteller praktizieren den Technologie-Transfer größerer Modelle auf die kleineren. Bowers macht es an dieser Stelle genau anders herum: Die Bestückung als auch die Technik und die Akku-Leistung haben wir bei genauer Betrachtung schon beim B&W Px7 S3 gesehen und gehört. Dem noblen Flaggschiff-Anspruch wird der neue P8 vor allem mit dem edlen Auftritt gerecht: Zartes Nappaleder umhüllt die Kopfmuscheln und mattes Aluminium formt die Bügel. Das fühlt sich nicht nur sehr angenehm an, sondern sieht auch noch extrem wertig aus.

B&W-P8-S2 BügelDesign und hochwertige Materialien erheben den Px8 S2 zum Flaggschiff (Foto: C. Dick)Praxis

Wie auch beim Px7 S3 spendierte die Technikabteilung dem Px8 S2 die Chip-Power von Qualcomm, was bis zu einer theoretischen HiRes-Auflösung von 24Bit/96kHz reicht. Für die drahtlose Klang-Performance arbeitet Bluetooth in der Version 5.3, unter anderem mit aptX Lossless, was verlustfreie CD-Qualität verheißt. Wir werden hören. Die Bedienung obliegt prinzipbedingt den kleinen Flächen eines Kopfhörers, hier Mini-Tasten. Um zielsicher Befehle zu geben, sollte man besser etwas Eingewöhnungszeit einplanen, dann flutscht’s aber prima. Die „Music“-App von Bowers & Wilkins unterstützt zudem als smarter Regisseur die Bedienung des Px8 S2, inklusive Klanganpassungen oder Active Noise Cancelling. Das ANC des Px8 S2 liegt auf hohem Niveau und filtert Fahrgeräusche wie beispielsweise im ICE prima heraus, auch Straßenlärm dringt mit aktiviertem ANC kaum wahrnehmbar an die Ohren. Der Transparenzmodus lässt hingegen Ansagen recht klar durchdringen. Gut so.

B&W-P8-S2Die intuitiv zu bedienenden Elemente an der Muschel des Px8 S2 (Foto: C. Dick)

Prima: Unterwegs kann es sich der Neue wie der Vorgänger in einem stabilen Hartschalen-Case mit zur Seite geklappten Hörmuscheln bequem machen. In der Box liegen zwei USB-C-Kabel, eines kann direkt an dem USB -C-Port des Quellgerätes wie Laptop oder Smartphone andocken. Das andere knüpft Kontakt mit einer 3,5mm-Miniklinke direkt an Kopfhörer-Ausgängen.

Hörtest

Das aktive Noise Cancelling (ANC) zählt zur Grundeinstellung und punktet auch mit dem lebendigstem Klangreichtum – leicht vor dem Transparenz- oder Off-Modus. Die Musik-Performance des Neuen besitzt ohnehin Drive und eine angenehme plastische Durchhörbarkeit, eine schöne weite Bühne, angemessene Raumtiefe sowie klasse Auflösung.

Wir starten im praxisgerechten, drahtlosen Bluetooth-Modus: Gitarrist und Singer-Songwriter Steve Strauss, aufgenommen von Günter Pauler auf seinem audiophilen Stockfisch-Label, ließ auf „A Very Thin Wire“ mit feiner, filigraner Akustik-Gitarrenarbeit und präzise artikulierten Vocals aufhorchen. Schon hier wurde klar, dass der Neue eine noch detailverliebtere und feindynamisch souveränere Performance beherrscht als sein Vorgänger.

Dann Jazz: Die WDR Bigband lieferte ein packendes Happening ab – Bläser, Drums, Bass und Saxofon brillierten via Px8 S2 mit sprühender Dynamik, die, je länger man hörte, immer mehr Lust machte, weiterzuhören. Klassik leuchtete wiederum schön körperhaft, Solo-Instrumente wie Celli besaßen einen warmen Grundton, strahlten sehnig bei schnellen Passagen. Die Barock-Solisten der Berliner Philharmoniker erspielten den „Sommer“ von Antonio Vivaldi hochdynamisch, hin- und mitreißend. Dank der ziemlich souveränen Übersetzung des B&W strahlten auch Solo-Instrumente wie die Violine von Daishin Kashimoto in klar definiertem akustischem Freiraum. Und das alles gepaart mit einer – für einen Kopfhörer – erfreulich guten Raumdarstellung. Allerdings hätte ich mir etwas mehr Mittenpräzision gewünscht, was manche stationäre Kopfhörer dieser Preisklasse wie der Sennheiser HD 660 S2 besser beherrschen. Aber auch im Vergleich zum konzeptionell sehr ähnlichen DALI iO8 wäre aus meiner Sicht ein Hauch mehr Leichtigkeit schön gewesen. Allerdings klingt der B&W insgesamt etwa energischer als der DALI, in den Bässen zupackender.

Via USB-C-Kabel ans MacBook Pro angedockt, atmete der Px8 S2 sogar noch einen Tick mehr Luft in punkto Auflösung als im Funk-Betrieb. Und an der Leine eines Kopfhörer-Amps wie dem ifi Zen DAC V2 nahmen Transparenz und Detailreichtum noch einmal zu. Aber wer will immer Mobil-DAC und Kabel mit sich herumtragen? Eben.

Fazit 
B&W Px8S2

„S“ ist vollbracht: Der Neue mit dem Zusatzkürzel „2“ überholt seinen bereits hervorragenden Vorgänger und platziert sich mit seiner nochmals etwas plastischeren und „schnelleren“ Performance leicht vor diesem – aber auch vor dem Px7 S3, dessen exzellentes ANC auch im neuen Px8 wirkt. Allerdings ist er im Vergleich zum aktuellen 7er erheblich teurer; zum Preis-/Leistungs-Sieger der B&W-Kopfhörer-Linie wird er damit nicht. Seine Flaggschiff-Ansprüche unterstreicht der Px8 S2 mit einem wertigem Auftritt. Diesbezüglich zählt er fraglos zur Oberliga seiner Klasse.

B&W Px8 S2 2026/01 Test-Ergebnis: 4,4 ÜBERRAGEND

Bewertungen

Klang

Praxis

Verarbeitung

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.  Ausgewogener, satt-feiner, räumlicher Klang  Niedriges Grundrauschen auch bei aktivem NC  Exzellente NC-Geräuschunterdrückung  Sehr gute Sprachverständlichkeit beim Telefonieren

Technische Daten

B&W Px8 S2 Konzept: geschlossener, dynamischer, ohrumschließender Kopfhörer mit Bluetooth & ANC Bestückung: Dynamische 40-Millimeter-Treiber mit Kohlefaser-Membran, angewinkelt Ausführungen: Anthracite Black, Indigo Blue und Canvas White Processing: Interner DSP-/DAC, unterstützt via USB-C Auflösungen bis 24Bit/96kHz App: App, 5-Band-Equalizer sowie Grundeinstellung „TrueSound“ Akku-Laufzeit:
Bis 30 Stunden mit ANC, 15-minütige Aufladung für 7 Stunden Laufzeit Besonderheit:
8 Mikrofone für ANC und Telefonie Zubehör: 2 Kabel (je 1,2m; Klinke /3,5mm auf USB-c + USB-C auf USB-C, Transportbox Gewicht:

310 Gramm

Alle technischen Daten

Mit- und Gegenspieler:

Test Bluetooth-Kopfhörer B&W Px7 S3: Luxus für den Kopf
Test DALI iO8: geschlossen-dynamischer BT-Over-Ear-Kopfhörer mit ANC
Sennheiser HD 660S2 – der Bass-optimierte Over-Ear-Klassiker im Test

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