500 Gramm vom gemischten Hack, zwei frische Hähnchenschenkel und für den Kleinen noch eine Scheibe Schinkenwurst, bitte. Sätze wie diese hört man im Edeka-Markt am Berghäuschensweg in Neuss seit August vergangenen Jahres nicht mehr. Der Grund: Wegen eklatanten Personalmangels sah sich Marktleiter Sven Comeyne dazu gezwungen, die Metzger-Theke zu schließen.
Bereits seit März vergangenen Jahres habe er Inserate geschaltet, um neue Kräfte zu finden. Aber: „Es bewirbt sich einfach niemand“, sagt er. Um die Frischfleisch-Theke ganztätig zu bedienen, brauche er zwei Metzger plus fünf Personen im Verkauf – in der heutigen Zeit utopisch, schließlich zieht sich der Personalmangel bereits seit Jahren durch die gesamte Branche. „Ich habe schon daran gedacht, die Theke einfach zu vermieten – an einen Jungmetzger zum Beispiel“, sagt Comeyne. Edeka habe zudem die Möglichkeit ins Spiel gebracht, an einem Partnerprogramm mit indischen Hilfskräften teilzunehmen.
Ein weiteres Problem, so Comeyne, ist das veränderte Einkaufsverhalten der Kunden, was sich wiederum in den Umsätzen widergespiegelt. „Wenn nur noch das Angebot gekauft wird und nicht mehr das hochwertige Rinderfilet, dann funktioniert das nicht“, sagt der Marktleiter, der durch das aktuell fehlende Angebot bereits einige Kunden verloren habe. Als Positiv-Beispiel wirft er einen Blick nach Belgien. Dort gebe es kaum Metzger-Theken in Supermärkten, dafür aber noch vergleichsweise reichlich Betriebe in den Städten.
Auch in anderen Neusser Supermärkten hat der Personalmangel im Fleisch-Segment bereits für Probleme gesorgt. Im Holzheimer Rewe-Markt zum Beispiel sah man sich vor rund zwei Jahren dazu gezwungen, die Öffnungszeiten der Theke einzudampfen. Mittlerweile habe sich die Lage aber wieder eingependelt, wie vor Ort zu erfahren ist.
„Vor allem Metzger und Fleischfachverkäufer werden händeringend gesucht“, machte bereits 2024 der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), Philipp Hennerkes, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Bezug auf Supermärkte deutlich. Der Bedarf steige seit Jahren, weil zu wenig Nachwuchs nachkomme. Zuvor hatte die „Lebensmittel Zeitung“ über mögliche Probleme mit der Besetzung der Theken bei Edeka berichtet. Mangels Personal setzen Händler in einigen Regionen demnach auch auf flexiblere Ladenbaukonzepte, wo Waren auch zur Selbstbedienung (SB) angeboten werden können.