Mainz Dominik Kohr im Zweikampf mit Union Berlins Oliver Burke

Stand: 10.01.2026 17:27 Uhr

An alter Wirkungsstätte beim 1. FC Union Berlin hat Mainz-Trainer Urs Fischer in der Fußball-Bundesliga einen wichtigen Sieg verpasst. Schlusslicht 1. FSV Mainz 05 war zunächst eiskalt vor dem Tor, doch Unions Energieleistung in der Schlussphase sicherte Berlin noch ein Remis.

Am Samstag trennten sich die „Eisernen“ und Mainz mit 2:2 (0:1). Nadiem Amiri (30. Minute) und Ex-Unioner Benedict Hollerbach (69.) trafen für die Rheinhessen. Woo-yeong Jeong (77.) und Marin Ljubicic (86.) erzielten die Berliner Tore.

Auf die Frage, ob man ihm zum Punktgewinn gratulieren oder, ob man ihn eher bedauern müsse, sagte Union-Trainer Steffen Baumgart: „Aufgrund des Verlaufes ist das ein Punktgewinn für uns. Gegen so einen Gegner ist das Spiel normalerweise nach 0:2 vorbei und deswegen bin ich froh und wir nehmen das 2:2 gerne mit.“

Für Urs Fischer, früher Union-Trainer und seit gut einem Monat bei den Mainzern an der Seitenlinie, hatte der Spielverlauf auch klar psychologische Gründe: „Wir waren gut im Spiel, führen 2:0. Dann bekommst du das 2:1 und dann darfst du nicht passiv werden. Da kommt dann natürlich auch die Tabellensituation dazu, das merken die Jungs auch.“

Mainz hilft der Punkt nicht wirklich weiter – die 05er sind als Tabellenletzter mit nun neun Punkten weiter akut abstiegsgefährdet. Es war das dritte Unentschieden im dritten Spiel unter Fischer. Union rutscht mit 22 Zählern ab auf Platz neun.

Mainz-Zugang Tietz präsentiert sich engagiert

Die Anfangsphase war auch aufgrund des schwammigen Untergrunds bei nasskalter Witterung spielerisch nicht grade hochwertig, aber unterhaltsam. Berlins Livan Burcu verpasste die Führung, sein Abschluss aus dem Rückraum ging knapp vorbei (6.). Rani Khedira hatte zuvor Kaishu Sano im Zweikampf abgekocht.

Mainz trat vor allem durch Neuzugang Philipp Tietz, der in der laufenden Winterpause vom FC Augsburg geholt wurde, in Erscheinung. Er wurde von seinen Mitspielerin immer wieder gesucht mit Flanken aus dem Halbfeld. Eine davon brachte Tietz auch aufs Tor, doch Union-Torwart Frederik Rönnow fing die Kugel ohne Probleme (7.). Tietz bestritt viele Zweikämpfe, warf sich spürbar rein.

Lees Geniestreich knackt Unions Abwehrriegel

Dann war es aber nicht Tietz, sondern ein altgedienter Mainzer, der die Gäste mit der ersten dicken Chance in Führung schoss. Zu verdanken war das Jae-sung Lees erstem Assist in dieser Saison. Der Südkoreaner spielte einen genialen Schnittstellenpass auf Amiri. Dieser hatte zunächst Annahmeschwierigkeiten – aber nur auf den ersten Blick. Den hochspringenden Ball versenkte er per Seitfallzieher im Netz.

Union zeigte ebenfalls ein paar vielversprechende Ansätze, wirklich gefährlich wurde es aus dem Spiel heraus aber nicht. Nach einem Eckstoß verstolperte der etwas überraschte Burke im Getümmel den Ball ins Toraus (43.). Kurz vor dem Halbzeitpfiff prüfte Burcu FSV-Torwart Daniel Batz mit einem Schlenzer. Batz parierte, den Nachschuss setzte Oliver Burke drüber (44.).

Ex-Unioner Hollerbach erhöht auf 2:0 für Mainz

Nach dem Wiederbeginn drückte Union ein wenig aufs Gaspedal und attackierte energischer. Burke setzte bei einem Rückpass den Mainzer Torhüter Batz unter Druck und kam sogar an den Ball, Batz‘ Abschlag kam aber gerade so eben durch – Glück für die Rheinhessen. Auch im Anschluss machte Berlin den besseren Eindruck im Angriffsdrittel mit Chancen für Burke (60., 64.) und Khedira (64.).

Doch entgegen der Berliner Bemühungen waren es danach wieder die Mainzer, die jubelten. Ein ehemaliger Union-Akteur traf: Hollerbach erzielte sein erstes Tor für Mainz nach 16 Bundesliga-Spielen. Lee hatte den vorletzten Pass gespielt, Nikolas Veratschnig quergelegt. Hollerbach jubelte aus Respekt nicht, drehte aber spielerisch auf: Kurz darauf setzte er einen weitern Abschluss an die Latte (72.).

Kraftakt verhilft Union noch zu einem Punkt

So viel Glück in dieser Phase Union hatte, so ungeschickt stellte sich Mainz dann bei der Verteidigung der Führung an. Denn nach dem toll herausgespielten Kopfball-Anschlusstreffer von Joker Jeong, der perfekt von Derrick Köhn in Szene gesetzt worden war, unterlief FSV-Torwart Batz ein Fehler. Andras Schäfer lupfte den Ball aus etwa 25 Metern an die Latte, Andrej Ilic verfehlte beim Nachschuss das leere Tor (79.).

In der Schlussphase agierte Union wie ausgewechselt, drängte mit Volldampf auf den Ausgleich. Die Erlösung brachte ein Standard. Danilho Doekhi köpfte die Kugel an die Unterkante der Latte, von dort prallte sie zu Ljubicic, der den Ball im Nachsetzen hinter die Linie brachte.

Benedict Hollerbach war nach dem Spiel „extrem bedient“. Den Bundesligastart ins neue Jahr hatten sich die Mainzer anders vorgestellt. „Es wäre einfach wahnsinnig wichtig gewesen für uns. Aber letzten Endes muss man das jetzt einfach wieder abhaken. Es bringt nichts, darüber nachzudenken, auch wenn es extrem wehtut.“

Union in Augsburg, Mainz empfängt Heidenheim

Nach der Winterpause steht in der Bundesliga direkt eine englische Woche an. Der 1. FC Union Berlin ist Donnerstag (20.30 Uhr) beim FC Augsburg zu Gast (20.30 Uhr). Mainz empfängt am Dienstag (20.30 Uhr) den 1. FC Heidenheim.