Der noble Skiort Crans-Montana im Schweizer Wallis ist zum Schauplatz einer Feuerkatastrophe geworden, die weltweit Menschen fassungslos zurücklässt. 40 Menschen starben in der Bar „La Constellation“, mehr als 100 wurden verletzt. Während immer mehr Details zur Katastrophe bekannt werden, stellt sich indes weiterhin die Frage, wie der Abend in der Bar konkret ablief. Antworten darauf könnte indessen eine Recherche des französischen Privatsenders „BFMTV“ liefern, der die Aussagen der Barbetreiber zehn Stunden nach der Katastrophe gegenüber Ermittlern rekonstruiert hat.

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Jessica Moretti hatte demnach kurz nach Mitternacht sogar das Gefühl, die Stimmung in der Silvesternacht könne etwas mehr Schwung vertragen. „Um Mitternacht waren nur sehr wenige Leute da“, sagte Moretti gegenüber den Ermittlern. Erst anschließend sollen mehrere Gruppen in die Bar gekommen sein, knapp 100 Gäste seien es gewesen.

Kurz vor der Feuerkatastrophe: Barbetreiberin schildert Ablauf des Silvesterabends

Gegen 1.30 Uhr, also kurze Zeit später, ist die Stimmung ausgelassen, Menschen tanzen, Frauen sitzen auf den Schultern von Männern und zünden Sprühkerzen an – es kommt zum fatalen Flashover, der Raum steht schlagartig in Flammen.

TOPSHOT - Owners of Le Constellation bar Jacques Moretti (L) and Jessica Moretti (rear R) arrive for a hearing at the Office of the public prosecutor of the Canton of Valais, in Sion, on January 9, 2026. The French couple, facing charges of manslaughter by negligence, bodily harm by negligence and arson by negligence, have been called in for questioning after 40 people, most of them teenagers, were killed, while 116 were injured in a fire that ripped through a bar in the luxury Alpine ski resort of Crans-Montana on New Year's Eve. (Photo by Fabrice COFFRINI / AFP)

„Plötzlich spürte ich eine Bewegung in der Menge“, soll Jessica Moretti den Moment geschildert haben. Sie hätte orangefarbenes Licht in der Ecke der Bar gesehen und geschrien: „Alle raus!“ Anschließend hätte sie das Lokal durch den Haupteingang verlassen und dem Sicherheitsmann gesagt, er solle alle Gäste aus der Bar holen.

Jacques Moretti entdeckt bewusstlose Menschen auf dem Boden

Kurze Zeit später traf Jacques Moretti, der zuvor in einer anderen Bar im Ort gewesen war, ein. Er sei, so soll es der 49-Jährige gegenüber Ermittlern geschildert haben, zum Nebeneingang gegangen, doch die Tür sei verschlossen gewesen, was seiner Aussage nach normalerweise nicht der Fall war. Mithilfe von anderen Personen hätte er die Tür aufgebrochen und mehrere bewusstlose Personen auf dem Boden entdeckt.

Brandkatastrophe von Crans-Montana: Untersuchungshaft für Barbetreiber beantragt

Moretti wurde am Freitag, neun Tage nach der Feuerkatastrophe, festgenommen. Er sitzt in Untersuchungshaft. Neben dem Gestädnis, dass der Serviceingang verschlossen gewesen sei, gab er auch zu, die Deckenverkleidung aus Schaumstoff, die als Brandbeschleuniger wirkte, eigenhändig ausgetauscht zu haben.

Die Ermittler, so berichtet „BFMTV“, hätten dem Betreiberpaar bereits bei der ersten Befragung, knapp zehn Stunden nach der Katastrophe, Fragen zur Sicherheit in der Bar gestellt. Demnach habe Jacques Moretti erklärt, dass er die Bar 2015 gekauft und von „A bis Z“ renoviert habe. Schon damals soll er erklärt haben, die bereits vorhandene Schaumstoffdämmung an der Kellerdecke durch die jetzige ersetzt zu haben. Der Korse soll auch zugegeben haben, dass seine Mitarbeiter nie Schulungen erhalten haben, um im Brandfall richtig zu reagieren.

Viele Minderjährige unter Todesopfern – Jacques Moretti: „Gefälschte Ausweise“

Das Anzünden von Sprühkerzen sei in der Bar nicht unüblich gewesen, soll er gegenüber den Ermittlern gesagt haben. Auch, dass Menschen auf den Schultern von anderen klettern, sei „nicht das erste Mal“ gewesen.

Die Hälfte der Todesopfer in Crans-Montana war minderjährig. Auch zu den Alterskontrollen sollen die Ermittler das Betreiberpaar befragt haben. Beide hätten demnach initial beteuert, dass Alterskontrollen in der Bar stattfanden. Es könne aber, zum Beispiel durch „gefälschte Ausweise“, zu Fehlern gekommen sein.

Weitere Details zum Unglück in dem Skiort werden in den kommenden Wochen womöglich ans Licht kommen. Die Frage ist aktuell auch, ob Jessica Moretti, die im Gegensatz zu ihrem Mann nicht festgenommen wurde, ebenfalls mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen muss. Am Freitag äußerte sich die 40-Jährige erstmals öffentlich und bat alle Angehörigen und Betroffenen um Entschuldigung.