Kölle Alarm zum Jahresstart! Mit dem 2:2 in Heidenheim behauptet der FC zwar seinen Vorsprung auf Relegation und Abstieg. Die Stimmung beim Aufsteiger aber kippt gewaltig. Und die Ultras gehen erstmals offen auf Trainer Lukas Kwasniok (44) los. Fan-Frust, der auch mit Kölns Mega-Talent Said El Mala (19) zu tun hat.
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Die Euphorie ist offenbar endgültig dahin. Vor gerade mal zwei Monaten lagen sie sich alle noch in den Armen rund um den FC. Damals hatte man den HSV mit 4:1 aus dem Stadion geschossen, jubelte auf Platz 7, feierte Neu-Coach Kwasniok und seine Spektakel-Spieler und träumte heimlich von Europa.
Sieben Spieltage später ist nicht Köln aber die Stimmung im Keller. Die Ultras haben die Schnauze voll und attackieren Kwasniok in Heidenheim erstmals offen mit einem Plakat, auf dem sein Name am Ende mit dem türkischen Wort „Yok“ geschrieben wird. Das heißt übersetzt „Nein“.
„Ich weiß nicht genau, warum und weswegen, aber ich nehme es jetzt zur Kenntnis“, sagt Kwasniok und stellt sich den Fans: „Wir versuchen, in Kommunikation zu treten, was in irgendeiner Form da jetzt Thema ist.“ Er weiß: „Ich kann nur mit Leistung und Punkten vorangehen.“

Trainer Lukas Kwasniok (44) wird rund um den FC plötzlich sehr kritisch gesehen
Foto: picture alliance / SvenSimon
Die Gründe für die Ultra- und Fan-Wut gegen Kwasniok? Vielseitig! Allem voran steht die sportliche Talfahrt. Kein Sieg seit dem 9. Spieltag. Köln holte nur 3 von 21 möglichen Punkten aus den letzten 7 Spielen und ist in dieser Zeit das schlechteste Team der Liga.
Dazu kommt die El Mala-Rolle. Kölns 40 Mio.-Star durfte in Heidenheim erneut nur als Joker ran. Entschied dann wieder die Partie für Köln und rettete mit seinem Tor zum 2:2 (48.) den Punkt. Damit ist El Mala für alle drei Zähler verantwortlich, die der FC seit dem 9. Spieltag holte. Umso größer ist die Fan-Wut in den sozialen Netzwerken und Foren darüber, dass Kwasniok seinen besten Torjäger nicht von Anfang an bringt.

Said El Mala (19) ist der beste Joker der Liga und mit 7 Toren Kölns Top-Torjäger
Foto: picture alliance / SchwabenPress/Guenter Hofer
Kölns Coach erklärt, El Mala sei ein „Künstler“ und „einer der besten Spielentscheider“: „Wenn er viel abarbeiten muss, kommen seine Künste nicht ganz so zur Geltung. Deswegen lassen wir immer wieder andere Spieler abarbeiten und Said darf die Spiele dann entscheiden.“ Riskant! In Heidenheim ging das auf. Gegen Union (0:1) zuletzt allerdings nicht. Sky-Experte Didi Hamann (52) warnt Kwasniok: „Damit macht man sich angreifbar. Da muss er vorsichtig sein.“
Auch Kwasnioks Personal-Experimente und die teils zu starke Rotation stoßen den Fans auf. In der Abwehr bleibt dem Trainer aufgrund der vielen Ausfälle keine andere Wahl. Andere Wechsel aber hinterlassen oft Fragezeichen. Und selbst die Spieler forderten zuletzt mehr und mehr ein, dass es eine eingespielte Formation und mehr Kontinuität brauche.
Kwasniok unter Druck. Zum Start beim FC feierten die Fans seine offene und extrovertierte Art noch euphorisch. Inzwischen wird ihm vorgeworfen, sich zu sehr selbst zu inszenieren. Als Trikot-Trainer zum Saisonauftakt begeisterte er – als Weihnachtspulli-Coach zum Jahresfinale gegen Union fiel er bei den meisten durch.
Jetzt muss Kwasniok die Kurve kriegen – gleich in der Auftakt-Woche und ausgerechnet gegen Spitzenreiter Bayern (Mittwoch) und Schlusslicht Mainz (Samstag). Er muss überzeugen und vor allem gegen Mainz endlich wieder siegen. Dazu sollten Verein und Trainer den Dialog mit den Ultras möglichst vor den beiden Heimspielen suchen. Denn sonst muss Kwasniok da im schlimmsten Fall durchs Feuer.